Borussia Mönchengladbach hat erstmals unter Neu-Trainer Farke ein Fußballspiel verloren. In einem nicht gerade hochklassigen, aber intensiven Duell setzten sich die Gäste schließlich mit 0-1 durch und entführten alle drei Punkte aus dem Borussia-Park. So ein wenig hatte man es schon ahnen können. Denn Gästetrainer Bo Svensson hatte im Vorfeld der Partie angekündigt, dass nicht mit bahnbrechenden Neuerungen auf dem Platz zu rechnen sei, und entsprechend agierten die Mainzer auch in den ersten Minuten des Spiels. Mainz doing Mainzer things.

Das Gladbacher Personal blieb trotz der Neuzugänge unter der Woche beinahe unverändert; im Vergleich zum Auswärtsspiel in München kehrte nur der genesene (und nicht gewechselte) Bensebaini an Stelle von Netz in die Startelf zurück. Diese Elf waren nun im Aufbauspiel gefordert, aber die Mainzer, allen voran Onisiwo und Lee, sprinteten, sobald Sommer den Ball an Itakura übergeben hatten, wie die wilde Jagd auf die Gladbacher Innenverteidiger zu, woraus dann fast immer ein langer Ball unter Druck resultierte, der zu oft leichte Beute der Mainzer wurde. Ein zweiter mainztypischer Schachzug war die kompromisslose Gangart. Mehrfach zogen die Spieler durch und trafen zwar irgendwie auch noch etwas Ball, aber auch zumeist den Gegenspieler, vor allem Elvedi wurde schmerzhaft getroffen. Schiedsrichter Deniz Aytekin verzichtete aber seine Spezialfähigkeit und vermied es leider, dem einen oder anderen Mainzer “gelb zu machen”. Aber auch hier nichts Neues: Aytekin ist ebenso bekannt wie beliebt dafür, mit Langmut auf spielerische Härte zu reagieren. Chancen erspielten sich die Mainzer aber durchaus auch, und zunächst konnte Sommer an das Auswärtsspiel anknüpfen. Widmer kam nach einer Flanke von Aaron aus spitzem Winkel völlig frei zum Kopfball, konnte Sommer aber nicht überwinden. Nach der anschließenden Ecke musste zunächst Bensebaini für Sommer auf der Linie klären, beim Nachschuss war wiederum Sommer zur Stelle und wischte den Ball zur Seite. Eine Viertelstunde lang spielte nur Mainz, die ganz großen Chancen kamen in der Folge jedoch nicht mehr heraus.

Erst dann kam die Borussia langsam etwas besser ins Spiel und auch einmal zu längeren Ballbesitzphasen. Gladbach machte beileibe immer noch kein gutes Spiel, aber kam auf einmal zu Chancen. Zunächst wurde Thuram freigespielt, zielte aber nicht genau (18.), dann kam er im Strafraum gleich zweimal zum Abschluss, der Ball prallte aber schließlich von Zentners Brust ab (23.). Mainz war zwar eigentlich weiterhin spielbestimmend, erspielte sich aber keine Chancen mehr. Stattdessen hatte Thuram eine weitere feine Gelegenheit, als er seinen Gegenspieler im Strafraum nach Zuspiel von Neuhaus stehen ließ, mit dem linken Fuß dann den Ball jedoch an die Latte schlenzte (30.) Weitere vier Minuten später musste das 1-0 dann fallen. Der Mainzer Innenverteidiger Leitsch schlug an der Mittellinie in einem upamecanoesken Moment ein veritables Luftloch und Thuram und Neuhaus eilten vereint der Führung entgegen. Allerdings entschied sich Thuram, im Strafraum angekommen, zu einem derart saftlosen Querpässchen, dass Kohr noch dazwischenspritzen und zur Ecke klären konnte. Und noch zweimal bekam Thuram die Gelegenheit, ein Tor zu erzielen, aber weder in der 43. Minute, als er von Plea und wiederum Neuhaus freigespielt wurde und sich mit Zentner duellierte, noch in der zweiten Minute der Nachspielzeit, als er ein scharfes Zuspiel von Plea auf Tor spitzeln konnte, waren seine Bemühungen von Erfolg gekrönt.

Das Fazit der ersten Halbzeit musste lauten, dass die bessere Mannschaft mit mehr Glück als Verstand nicht zurücklag, denn Gladbach wurde von Mainz zwar vor große Probleme gestellt und verlor mehr als einmal im Aufbauspiel die Bälle, aber Mainz wurde nur im Ansatz gefährlich, während auf der Gegenseite die wenigen guten Spielzüge gleich zu großen Gelegenheiten führten, die ungenutzt blieben.

Die zweite Halbzeit begann mit einem guten Abschluss aus der zweiten Reihe von Koné, aber ohne Elvedi, der nicht weiterspielen konnte und durch Friedrich ersetzt wurde. Auch Plea verletzte sich bei den Attacken der Mainzer so sehr, dass er nicht weiterspielen konnte, für ihn kehrte Stindl erstmals nach seiner Verletzung auf den Platz zurück (52.). Der konnte dadurch aus nächster Nähe einen weiteren Moment der Solidarität mit bayrischer Innenverteidigerkunst bewundern, diesmal von Friedrich, woraufhin Itakura ein Gerangel mit dem durchbrechenden Onisiwo veranstaltete, bis dieser dahinsank. Diesmal ließ sich Aytekin nicht bitten und verwies ihn des Feldes (53., oder eben im Aytekin-Sprech: "Er machte ihm rot.”). Den nachfolgenden Freistoß setzte Aaron sehenswert in den Winkel oben links und machte damit die Doppelbestrafung vollständig (55.).

An der Stelle reagierte der Gladbacher Anhang unter den 51,210 Zuschauern mit frenetischer Anfeuerung und auch die Spieler gaben das Spiel noch nicht verloren. Mainz drängte nur kurz auf die Entscheidung, dann übernahm die Borussia sogar das Kommando. Auf einmal – und in Unterzahl – kombinierte sie sich immer wieder sehenswert nach vorne, so in der 65. Minute, als Hofmann ein Zuspiel von Scally äußerst kläglich verstolperte, so dass Zentner sein Glück kaum fassen konnte. Weiterhin drängte die Borussia auf den Ausgleich, doch der wieder glücklose Hofmann nach feiner Kombination im Strafraum (74.) und Bensebaini nach ebenso feiner Einzelleistung aus der Distanz (75.) konnten den Ball nicht an Zentner vorbeibringen. Auf der Gegenseite drohten natürlich immer wieder Mainzer Konter, die sie aber meist nur sehr schlampig zu Ende spielten. Nur bei einem Abschluss von Fulgini musste sich Sommer ernstlich strecken (76.).

Farke wechselte in der Schlussphase noch die beiden Neuzugänge der Woche ein. Beide waren beim Torjubel nicht beteiligt: Koné hatte auf Stindl durchgesteckt, der eiskalt blieb und den Ball im Tor versenkte und erst als letzter im Stadion die erhobene Abseitsfahne des Assistenten wahrnahm (86.).

Noch zwei (identische) Freistoßflanken vom Rande des Strafraums durfte Hofmann auf Bensebaini schlagen, der aber beide übers Tor köpfte. Der Rest war Mainzer Zeitspiel und zu wenig Durchschlagskraft bei der Borussia, so dass die Mainzer nach üppiger und noch mehrmals verlängerter Nachspielzeit als Sieger vom Platz gingen.

Eine unnötige, aber letztlich nicht unverdiente Niederlage, weil die Borussia zu lange nicht zu einem klaren Spielvortrag fand und vor allem in der ersten Hälfte beste Chancen nicht nutzte. Zwei Verletzte, Rotsperre für Itakura und Heimniederlage: Es war ein bescheidener Sonntagabend im Borussia-Park. Svensson hatte Recht behalten, dass die Mainzer nichts bahnbrechend Neues anboten. Aber an diesem Sonntagabend reichte das dann halt für drei Punkte.


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