Zweites Bundesligaspiel, zweiter Trainervergleich. Man kommt kaum drumherum, wenn man die Spiele Borussias gegen Schalke und jetzt gegen Mainz betrachtet. War es am ersten Spieltag das Aufeinandertreffen zweier Bundesliga-Debütanten um die ein nicht unerheblicher Hype gemacht wird, ist es am zweiten das Duell zweier Männer, sie sich als beste Freunde verstehen. Marco Rose und Sandro Schwarz haben in Mainz viele Jahre nicht nur miteinander Fußball gespielt sondern zeitweise sogar die Wohnung geteilt. Aber auch in Sachen Fußballverständnis liege man komplett auf einer Linie, sagte Sandro Schwarz mit Blick auf das Spiel gegen Borussia. Rose und er seien „beinahe identisch“. Liegt es nicht nahe, dass sie am Samstag auch die Punkte teilen?

Irgendwie okay. So beurteilen viele Anhänger von Borussia Mönchengladbach den Saisonstart gegen Schalke 04. So sieht es auch die Seitenwahl-Redaktion. Ansätze eines neuen Spielstils waren zu sehen. Die Defensive stand gut, vorne hakt es noch erheblich, da besteht weitgehende Einigkeit. Eine leichte Unsicherheit besteht darin, wie man das Gesehene einzuordnen hat. Ist Schalke immer noch der Abstiegskandidat aus der vergangenen Saison? Ist Schalke unter Wagner ein Gegner auf Augenhöhe? Oder ist eine Einordnung unmöglich, weil beide Teams erst halb verstanden haben, was die neuen Trainer von ihnen wollen? Die Tendenz angesichts der doch sehr überschaubaren personellen Änderungen und der in Gladbach gezeigten Leistung geht zu „a plus“, eine nicht allzu starke Mannschaft, die besser strukturiert auftritt als in der Vorsaison. Will sagen: Überbewerten sollte man die Leistung von Borussia gegen diese Schalker nicht, die Abwehr um Matthias Ginter und Nico Elvedi wird in den nächsten Wochen und Monaten wesentlich härtere Aufgaben zu bewältigen haben.

Die Aufgabe am zweiten Spieltag muss nicht härter sein. Mainz 05 muss weiter auf seinen stärksten Angreifer verzichten und hat in zwei Pflichtspielen das gegnerische Tor noch seltener getroffen als Borussia. Mit dem Spiel seiner Mannschaft war Sandro Schwarz nach eigenem Bekunden nicht einmal so unzufrieden, nennt die Niederlagen in Kaiserslautern und Freiburg wegen ihres Zustandekommens gar „kurios“. Schwarz bemängelt Effizienz im Abschluss, ansonsten sei alles im grünen Bereich. Dass der Mainzer Trainer mit solchen Äußerungen versucht, Krisengerede im Umfeld gar nicht erst aufkommen zu lassen, dürfte klar sein. Ganz falsch ist die Analyse dennoch nicht: Mainz hatte in Freiburg zahlreiche ordentliche bis gute Torchancen. Andererseits ließ die Verteidigung auch einiges zu, was der SC Freiburg bis zum Tripleschlag in der Schlussphase ungenutzt ließ. Das relativiert auch Schwarz‘ Feststellung, die klare Organisation sei schon sichtlich da. Man reduziere die Niederlagen nicht auf Pech, betont der Trainer – um letzten Endes aber genau das zu tun. Pech hat Mainz zum Start der Saison definitiv in Sachen Verletzungen. Jean-Philippe Mateta, Top-Torjäger der vergangenen Saison, fehlt noch mindestens zwei Monate, auch der aus Augsburg geholte Stürmer Ding-Won Ji ist verletzt, wird womöglich erst im Winter wieder spielen können. In der Abwehr fehlen Dauerbrenner Stephan Bell und gegen Borussia möglicherweise auch der von Feyenoord Rotterdam geholte Innenverteidiger Jeremiah St Juste. Der hatte sich in Freiburg an der Schulter verletzt.

Bei Borussia gibt es bei mindestens neun von elf Spielern, die gegen Schalke begonnen haben, keinen großen Grund, sie das in Mainz nicht wieder tun zu lassen. Am System mit Mittelfeldraute wird Marco Rose kaum schon etwas ändern, auch wenn er in dieser Woche klar machte, dass es nicht in Stein gemeißelt ist. In der allgemeinen Beurteilung nach dem ersten Bundesliga-Spieltag kamen Florian Neuhaus und Breel Embolo nicht gut weg. Mit Abstrichen gilt das vielleicht auch noch für Marcus Thuram. Das Experiment mit Embolo im zentralen offensiven Mittelfeld sollte tatsächlich erst einmal als gescheitert gelten. Der Schweizer hatte kaum gute Aktionen und war weitgehend ohne Bindung zum Spiel. Dass die Einwechselung von Raffael eine deutliche Verbesserung darstellte, wird kaum jemand bestreiten. Ob Raffael ein Kandidat für die Startelf ist, ist eine andere Frage. Ob der Brasilianer die Luft für70 bis 90 Minuten hat, wird Marco Rose beurteilen können und entsprechend handeln. Alternativ könnte die zentrale Position aber auch eine für Neuhaus sein, falls dessen wenig inspirierter Auftritt gegen Schalke nicht Folge der für den U21-Nationalspieler sehr kurzen Sommerpause war. Im Mittelfeld hat Marco Rose dank der Genesung von Christoph Kramer eine zusätzliche Alternative, allerdings machte der Auftritt von Denis Zakaria auf der Kramer-Position durchaus Lust auf mehr. Ostentatives Lob gab es unter der Woche außerdem für Fabian Johnson, der nach seiner Einwechselung einen guten Eindruck machte. Erstmals zum Kader könnte Neuzugang Ramy Bensebaini gehören. Rose wollte das auf der Pressekonferenz am Freitag Nachmittag nicht ausschließen. Der Algerier galt eigentlich erst für Leipzig oder gar Köln als Kandidat. Für die erste Elf dürfte er, auch angesichts des couragierten Auftritts von Oscar Wendt gegen Schalke, aber noch nicht in Frage kommen.

Mögliche Aufstellung

Mainz: Müller -Brosinski, Niakhaté, Hack, Aaron – Fernandes – Baku, Latza – Boetius – Onisiwo, Quaison

Borussia: Sommer – Lainer, Elvedi, Ginter ,Wendt – Zakaria, Benes, Johnson, Raffael – Thuram, Plea.

Seitenwahl-Prognose

Christian Spoo: Einen fußballerischen Leckerbissen sollte man nicht erwarten. Ob es einen Sieger geben wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob eine beider Mannschafen ihre Effizienzmängel abstellen kann. Optimist, der ich bin, gehe ich davon aus, dass Borussia diese Mannschaft sein wird und demzufolge mit 2:0 gewinnt.

Michael Heinen: Positiv: auch nach drei Pflichtspielen bleibt Borussia unter ihrem neuen Trainer ungeschlagen. Zum zweiten Mal hintereinander reicht es aber nur zu einem Punkt. Durch das 1:1 in Mainz und das schwierige Spiel gegen Leipzig in der kommenden Woche kann man sich jetzt schon auf ein heißes Derby am 14. September freuen.

Mike Lukanz: Spiele in Mainz sind immer undankbar, glänzen kann man da kaum. Dennoch ist Gladbach schlicht die bessere Mannschaft und wird sich demzufolge mit 2:0 in einem Spiel durchsetzen, das schon einen Tag später keinen mehr interessiert.

Thomas Häcki: Schön und begeisternd sieht anders aus, aber am Ende steht die Null. Da die Borussia irgendwie ein Tor macht, bringt sie die Punkte aus Mainz mit.

Uwe Pirl: Nach dem Spiel wird in Mainz weder gesungen noch gelacht. Borussia findet sich besser zurecht als noch gegen Schalke. Es braucht aber am Ende die Einwechselung von Raffael, um den 2:1-Sieg in Mainz einzutüten.

Claus-Dieter Mayer: „Wir sind auf einem guten Weg, aber es liegt auch noch viel Arbeit vor uns“ lässt sich Marco Rose nach dem 1:1 in Mainz auf ein T-Shirt drucken, damit er es nicht immer wieder sagen muss.


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