koeln neuEs ist lange her, dass die Stimmung beim 1.FC Köln so gut war, wie das aktuell der Fall ist. Nach düsteren Jahren, in denen Trainer wie Markus Anfang, Achim Beierlorzer und zuletzt Markus Gisdol eher als Verwalter des Elends wahrgenommen wurden und wo es einer Reaktivierung des verdienstvollen Ruheständlers Friedhelm Funkel bedurfte, um dem eigentlich mehr als verdienten Abstieg gegen coronagebeutelte Kieler gerade noch so von der Schippe zu springen, wird der neue Trainer Steffen Baumgart momentan geradezu als Messias wahrgenommen. Fehlt nur, dass er über Wasser geht …!

In der Tat ist Baumgart zuletzt einiges gelungen. Die Mannschaft spielt aktiven Fußball, man hat das Gefühl, dass die Ideen des Trainers greifen, und sogar der ehemalige Heilsbringer Anthony Modeste – im letzten Jahr praktisch abgeschrieben und nach St. Etienne verliehen – blüht plötzlich wieder auf und rangiert in der Spitze der Bundesliga-Torschützenliste. Mancher in Köln mag sich angesichts der positiven Rückmeldungen, die auf Trainer und Mannschaft einprasseln, bereits wieder auf Kurs Champions League wähnen.

Betrachtet man jedoch die nackten Ergebnisse, sieht das alles deutlich nüchterner aus. Pflichtsiegen gegen Hertha, Bochum und Fürth stehen erwartbare Niederlagen gegen Bayern und Dortmund sowie ein deutliches 0:5 in Hoffenheim gegenüber. Dazu kommen sage und schreibe 6 Unentschieden meistenteils gegen Konkurrenten auf Augenhöhe. In der Summe stehen daher 15 Punkte, die momentan zu Tabellenplatz 12 reichen, also für das untere Mittelfeld.

Unterstellt man angesichts der zitierten Lobeshymnen, dass der 1.FC Köln momentan sein Potential ziemlich gut ausschöpft, ist das eine eher ernüchternde Bilanz, die – sollten die direkten Konkurrenten des FC aus Augsburg, Stuttgart oder Bochum nachhaltig anfangen zu punkten – schnell auch wieder in den Abstiegskampf führen kann. Im schlimmsten Fall würde das mit der Feststellung enden, dass Baumgart nicht mal schwimmen kann …!

Am Samstag fehlt den Kölnern auf jeden Fall Timo Horn, der bis zum Jahresende ausfällt. Der Einsatz von Modeste wurde die ganze Woche über als ungewiss bezeichnet, mittlerweile zeichnet sich wohl ab, dass er spielen kann.

Auch bei Borussia Mönchengladbach lichtet sich das Lazarett. Lainer und Elvedi sind höchstwahrscheinlich am Samstag im Kader, Elvedi wird sogar schon als Startelfkandidat gehandelt. Dagegen fallen Beyer, Embolo, Jantschke und Kramer weiter aus. Ungeachtet der Einsatzbereitschaft von Elvedi scheint es wahrscheinlicher, dass die Aufstellung aus der Partie gegen Fürth erneut an den Start gehen darf – vorausgesetzt, dass sich Patrick Herrmann von seinem ersten durchgespielten Spiel seit gefühlten Jahrzehnten bereits erholt hat.

Die aktive Spielweise der Kölner könnte der auch in diesem Spiel leicht favorisierten Borussia sogar entgegenkommen, bieten sich gegen hoch pressende Mannschaften doch eher Räume zum Spielen als gegen tief stehende Abwehrreihen. Das setzt voraus, dass es auch unter Druck gelingt, sauber von hinten heraus zu spielen und so das gegnerische Pressing zu sezieren, gleichzeitig aber Modeste und Uth unter Kontrolle zu halten. Gelingt das, sollte den Gladbachern das eine oder andere Tor gelingen. Defensiv ist sind die Kölner durchaus anfällig – 18 Gegentore in 11 Spielen sprechen da eine deutliche Sprache. Das Spiel ist wichtig, nicht nur, weil es sich um das Derby handelt, sondern auch deshalb, weil mit einem Sieg die aufsteigende Tendenz der letzten Wochen gefestigt und der Anschluss an die angestrebten Tabellenregionen hergestellt werden kann. Sollten sich als Nebeneffekt eines Sieges in Köln erste Zweifel an den Schwimmfähigkeiten des aktuellen Kölner Messias zeigen, wäre das ein netter Nebeneffekt.

Der SEITENWAHL-Tipp:

Uwe Pirl: Borussia kommt ins Rollen. Modeste darf einmal, aber nur zum Ehrentreffer. Gladbach gewinnt 3:1.

Michael Heinen: Mit neuem Trainer geht Borussia endlich einmal motiviert ins Derby und schlägt den Effzeh in einer fulminanten Partie 5:1.

Thomas Häcki: In einer von Kampf geprägten Partie kratzt und beißt der Effzäh, die Borussia hält dagegen. Am Ende steht ein 1:1.

Christian Spoo: Borussia kann mehr, Köln will mehr. Ein packendes Derby endet ohne Sieger. 2:2.

Claus-Dieter Mayer: Dieses Derby hat alles was dazu gehört: Strittige VAR-Entscheidungen, Rote Karten, Rudelbildung, Rauchbomben, …, nur einen Sieger gibt es nicht, da es am Ende ein ganz und gar nicht schiedliches und erst recht nicht friedliches 1:1 gibt.


Folge uns auf Twitter