AJ7X8320Seitenwahl 03Aug19„Fohlen zähmen!“ – das war der Wahlspruch mit dem der SV Sandhausen in der Kurpfalz das Erstrundenmatch im DFB-Pokal bewarb. Fast wäre es gelungen, das kann man den Sandhäusern bei einer Spielbetrachtung ohne Borussenbrille mit Fug und Recht bescheinigen. Dass am Ende dann doch der Erfolg des Bundesligisten über den Zweitligisten stand, war einem der wenigen gelungenen Spielzüge und - angesichts eines deutlichen Chancenübergewichts zugunsten des Heimteams - einem wieder einmal sehr guten Torwart Yann Sommer zu verdanken.

Was bleibt also von diesem Pokalspiel?

Man könnte das Kahn-Fazit ziehen: Mund abputzen und weitermachen! Pokalspiele sind halt selten die, in denen man glänzen kann. Man könnte auch darauf verweisen, dass es noch schlimmer hätte kommen können, wie die Mainzer in Kaiserslautern und die Augsburger beim SC Verl erleben mussten. Oder dass es noch knapper hätte werden können, wie insgesamt 2 in der Verlängerung und 5 im Elfmeterschießen entschiedene Spiele zeigen. In einer normalen Saison wäre das vermutlich so.

Nun ist aber bei Borussia Mönchengladbach gerade der Neustart auf allen Ebenen ausgerufen worden, beginnend beim Trainer, der ein neues Spielsystem etablieren soll und will, bis hin zur – hier nicht relevanten – Hymnendebatte. Deshalb verdient und erhält das Spiel in Sandhausen ein bisschen mehr Aufmerksamkeit als ein solches knapp gewonnenes Pokalduell normalerweise zwei Tage nach dem Spiel hätte.

Stellt man die Frage nach den Fortschritten in der Etablierung eines neuen Systems, kann die Antwort nur lauten: „Es bleibt noch sehr viel zu tun!“.  Was überleitet zum Wahlspruch der Sandhäuser. Zähmen kann und muss man nur etwas Wildes. Einen gewaltigen Schuss mehr Wildheit, mehr Frische in das Spiel zu bringen, zählt zu den Ansätzen des neuen Trainers. Davon war in Sandhausen noch nicht sehr viel zu sehen. Stattdessen ließen sich die Gladbacher mal wieder den Schneid von einem auf Basis seiner spielerischen Limitiertheit konsequent körperlich agierenden Gegner abkaufen. Das teilweise Beklagen eines angeblich überharten Auftretens des Gegners nach dem Spiel passt in dieses Bild, auch wenn man das mit der Feststellung verband, selbst den Kampf angenommen zu haben. Spielerisch war das alles noch sehr ausbaufähig, ein systematisches Pressing  und die Verwertung der daraus resultierenden Ballgewinne waren z.B. noch relativ selten bis gar nicht zu sehen.

Beruhigend ist an dieser Stelle die Feststellung, dass dieser Umstand  allen Beteiligten nach dem Spiel klar zu sein schien. Beruhigend ebenfalls der Hinweis des Trainers, dass beim ersten Pflichtspiel gegen einen bereits im Rhythmus befindlichen Gegner am Ende eventuell ein bisschen die Kraft gefehlt haben könnte, was auf eine Trainingssteuerung auf das erste Bundesligaspiel hindeutet. Angesichts dessen sind Schlagzeilen wie „Gladbach-Trainer schlägt Alarm!“ (Express) natürlich voll daneben.

Bitter ist die Verletzung von Jonas Hofmann, in deren Folge sich Spekulationen über angeblich noch bevorstehende Abgänge im Mittelfeld einstweilen erübrigen sollten. Ermutigend ist dagegen, dass Marcus Thuram gleich im ersten Pflichtspiel getroffen hat – das Erfolgserlebnis sollte die Eingewöhnung erleichtern.

Klar ist auch, dass am Ende nur das Ergebnis zählt. Der Spielverlauf sollte – sofern das überhaupt nötig ist – ein Warnschuss sein, der alle Beteiligten hinreichend dafür sensibilisiert, dass selbst gegen einen limitierten Zweitligisten 100% abgerufen werden müssen, um ein Spiel zu gewinnen. In der Bundesliga – und das zählt ab kommender Woche – gilt das erst recht. Sonst wird es nichts mit Europa.


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