Borussia kann entspannter in die Zukunft schauen. Die Diskussionen um eventuelle Abwanderungsgedanken von Trainer Lucien Favre sind nach dessen Vertragsverlängerung in der vergangenen Woche zunächst in den Hintergrund getreten. Die Saisonvorbereitung wird nun ohne entsprechende Begleitmusik vonstatten gehen. Zudem kann mit Granit Xhaka einer der zentralen Bausteine im neuen Gladbacher Team planmäßig eingearbeitet werden. Der Schweizer muss nach längeren Querelen mit dem Schweizer Verband nun doch nicht mit zu den Olympischen Spielen nach London reisen und steht Borussia während der kommenden Wochen uneingeschränkt zur Verfügung.


Dass mit Alvaro Dominguez ein zweiter wichtiger Pfeiler des Teams wegen Olympia fehlt, ist ärgerlich. Der erfahrene Innenverteidiger dürfte aber ohne größere Probleme nach den Spielen einzubauen sein, außerdem hat Borussia mit Roel Brouwers und Martin Stranzl zwei absolute Top-Innenverteidiger zur Verfügung und mit Bamba Anderson eine weitere Option in der Hinterhand.

Allein der viel beschworene „Reus-Ersatz" fehlt weiterhin. Die schon eingestielte Verpflichtung des niederländischen Nationalspielers Luuk de Jong zieht sich weiter hin, der abgebende Verein Twente Enschede zeigt bislang wenig Entgegenkommen. Aus Borussensicht mag das ärgerlich sein, im Grunde aber ist es vollkommen nachvollziehbar, dass Twente versucht, das Optimum herauszuholen, wenn es seinen besten Stürmer schon nicht halten kann. Der selbst hat seinen Wunsch, nach Gladbach zu wechseln, unverblümt geäußert und ist dem Vernehmen nach sogar bereit, dafür auf Geld zu verzichten. So schön das in den Ohren der Borussenfans klingen mag, so unerfreulich stellt sich die Personalie wohl aus Sicht der Twente-Anhänger dar. Man möchte sich nicht vorstellen, was in Borussias Fankreisen los wäre, würde ein Spieler, der noch in Gladbach unter Vertrag steht, seinen Wechsel dergestalt forcieren. Uns sollte klar sein, dass der gleiche Spieler womöglich mit den gleichen Mitteln agieren wird, wenn im Herbst einer hoffentlich erfolgreichen Zusammenarbeit ein größerer oder reicherer Verein als Borussia um ihn wirbt.

Solche Vereine werden auch in Zukunft ein Auge auf Lucien Favre haben – trotz des verlängerten Vertrages. Schon bevor die Boulevardpresse darüber schrieb, kursierten Gerüchte über eine Ausstiegsklausel, die es dem Schweizer ermöglicht, gegen eine fixe Summe zu bestimmten von ihm für attraktiver befundenen Vereinen wechseln zu dürfen. Naturgemäß werden solche Klauseln von Verein und Angestelltem nicht kommentiert, ihre Existenz wird aber zumindest nicht dementiert. Von daher könnte man argumentieren, dass sich durch die Vertragsverlängerung im Grunde genommen nichts Entscheidendes geändert hat. Sollte die Klausel existieren, steht zu hoffen, dass Favre auch in zwölf oder 24 Monaten nirgends grüneres Gras wachsen sieht, als im Borussia-Park oder zumindest, dass Borussia für den Fall des Falles eine vernünftige Summe festgeschrieben hat.


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