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Das Spiel in Hoffenheim war grauenhaft. Ein Verein mit Europacupambitionen muss beim Tabellensechzehnten gewinnen, erst recht, wenn der die letzten sechs Spiele in Folge verloren hat. Gegen tiefstehende Gegner ist die Borussia so hilflos wie seit Jahren. Viel Ballbesitz ohne Torchancen ist wertlos, ein Zeichen von Ratlosigkeit statt Dominanz. Am Ende hätte man das Spiel beinahe noch verloren. Der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte hing wieder in der Luft. Der zweitteuerste saß auf der Bank. Kurz: In der Winterpause hat sich nichts zum Besseren entwickelt.

 

 

Diese Sichtweise ist leider keine absurde. Aber sie blendet eine Menge aus. Hoffenheim hat finanzielle Möglichkeiten und eine daraus resultierende individuelle Qualität, die der aktuelle Tabellenplatz nicht annähernd abbildet. Die TSG ging mit neuem Mut und Trainer in die Rückrunde. Die Zeiten liegen noch nicht so lange zurück, in denen die Borussia sich in solch einer Situation als perfekter Aufbaugegner erwiesen hätte, vor allem auswärts. Diesmal nicht. Trotz des kurzfristigen Ausfalls von Abwehrchef Martin Stranzl ließen die taktisch gut organisierten Gladbacher kaum Torchancen zu. Wenn doch, demonstrierte Marc-André ter Stegen eindrucksvoll, dass sein Formtief Geschichte ist. Thorben Marx leistete im defensiven Mittelfeld seine gewohnt unaufgeregte, aber ungemein fleißige und verlässliche Arbeit. Der 31-jähriger ist in einer Weise zum Schlüsselspieler in der Gladbacher Defensive geworden, wie ihm das vor einem halben Jahr kaum noch jemand zugetraut hätte.

 

Im Spiel nach vorne gelang zwar vieles noch nicht. Aber es gab Ansätze, die ahnen ließen, wie das Gladbacher Spiel in Zukunft immer öfter aussehen könnte. Die in der Winterpause neu einstudierte Favresche Variante eines 4-3-3, das sich bei gegnerischem Ballbesitz in ein 4-1-4-1 verwandelt, ist grundsätzlich geeignet, das Spiel der Fohlen variabler zu gestalten und die Stärken eines Luuk de Jong besser zur Geltung zu bringen. Welch formidablen Anlagen der Niederländer hat, blitzte in der 60. Minute auf, als er Arangos schwer zu verarbeitendes Anspiel in einer schnellen, fließenden Bewegung annahm und in einen strammen Torschuss verwandelte, dem Tim Wiese nur hinterher schauen konnte. Auch wenn der Schuss dieses Mal etwas zu hoch geriet: Wer einen Stürmer dieser Qualität im Kader hat, braucht eine Spielweise, die seinen Stärken entgegenkommt. Die neue, vom Grundgedanken her mutigere taktische Variante könnte diese Anforderung erfüllen.

 

Allerdings müsste sie dafür anders umgesetzt werden. Tolga Cigerci war eifrig bemüht, die Rolle als Spielgestalter auszufüllen. Die Wolfsburger Leihgabe leistete sich aber viel zu viele schlampige Pässe, um den Abwehrriegel der TSG zu knacken. Der in der zweiten Hälfte sehr offensivfreudige Oscar Wendt kam immer wieder in Situationen, die sich für eine Flanke auf de Jong angeboten hätten. Zu oft aber wurde Wendt übersehen oder flankte zu ungenau. Arango hatte einen schwachen Tag, Herrmann gegen körperlich robuste Hoffenheimer Verteidiger einen schweren Stand. Insgesamt mangelte es dem Borussenspiel an Präzision und gedanklicher Schnelligkeit. So blieben die Ansätze eines variableren Offensivspiels meist eben nur das: Ansätze. Nur wenn in den nächsten Spielen mehr daraus wird, wird man sich einleitende Absätze wie der zu diesem Artikel künftig sparen können.


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