Es bleibt dabei: Schalke 04 kann im Borussia-Park nur punkten, wenn ihnen der Schiedsrichter gewaltig hilft. So war es Anfang des Jahres in der Europa League als der inzwischen der absichtlichen Spielmanipulation überführte Mark Clattenburg einen absurden Handelfmeter pfiff. So war es auch an diesem Samstagabend mit dem höchst unglücklich agierenden Schiedsrichter-Team um Sascha Stegemann, das sich mit dem Instrument des Videobeweises sichtlich überfordert zeigte.

Schon zur Halbzeit hätte die Partie zwischen Borussia und Schalke entschieden sein müssen, denn nach dem 1:0 durch Kramer blieb die Fohlenelf am Drücker und kam kurze Zeit später durch Stindl zum vermeintlichen zweiten Treffer. Abgepfiffen wurde es wegen einer Abseitsstellung 20 Sekunden zuvor, der noch drei weitere Spielzüge bis zum Torerfolg folgten.

Noch schwerer verständlich die Entscheidung des Schiedsrichters kurz vor der Halbzeit. Wendt hatte in einem robusten Zweikampf an der Seitenlinie gegen den allzu leicht umfallenden Caligiuri den Ball behauptet. Schiedsrichter Stegemann stand mit bester Sicht wenige Meter daneben und ließ zurecht weiterlaufen. Erneut vergingen zwei weitere Spielzüge, ehe Naldo Hazard im Strafraum foulte und einen eindeutigen Strafstoß-Pfiff provozierte. Nach langem Hin und Her und dem üblichen Gejammer der Schalker ging Herr Stegemann an die Seitenlinie und schaute sich die Szene noch einmal an, spulte dabei aber etwas sehr weit zurück. Auf einmal wollte er im Rempler von Wendt ein „klares“ Foul gesehen haben, weshalb er auf Freistoß für Schalke entschied. Eine bemerkenswerte Entscheidung, die weniger gegen das System des VAR spricht als gegen die „Qualität“ des deutschen Schiedsrichterwesens.

Ganz abgesehen davon, dass der Field Review des Feld-Schiedsrichters das Stadionerlebnis für die Fans massiv beeinträchtigt und daher zwingend abgeschafft gehört. Noch schlimmer wird es, wenn der DFB ständig und ohne Kommunikation nach außen die Maßgaben verändert, nach denen der VAR angewendet werden soll. Hier bedarf es klarer und transparenter Vorgaben, wann eingegriffen werden darf. Dass in manchen Situationen noch vermeintliche Vergehen, die 10-20 Sekunden zuvor stattgefunden haben, nachträglich in die Betrachtung einfließen, lässt sich nur schwer vermitteln und wirkt allzu willkürlich, wenn niemandem klar ist, wie weit zurück die Aktionen auf dem Feld zurückverfolgt werden dürfen.

Beschränkt Euch bitte auf die Überprüfung eindeutiger Fehler in spielentscheidenden Situationen, die innerhalb eines überschaubaren Zeitrahmens von maximal 30-40 Sekunden von einem geschulten VAR mit optimalem Bildmaterial erkannt werden müssen. Alles andere führt nur zu einem kaum nachzuvollziehbaren Zirkus wie an diesem Abend im Borussia-Park und führt das grundsätzlich gute und wichtige System des VAR ad absurdum, das mit klaren und transparenten Vorgaben ein echter Gewinn für den Fußballsport wäre. Trotz der dilettantischen Umsetzung durch den DFB wurden im bisherigen Saisonverlauf immerhin 3x so viele Fehler durch den VAR korrigiert als neu hinzugekommen sind. Im Saldo entspricht das immer noch einer deutlichen Verbesserung, die aber viel zu gering ausfällt. Aktionen wie die Schwalbe des Mainzers de Blasis in Köln oder das brutale Foul in Stuttgart am gestrigen Abend muss ein nur halbwegs geschulter VAR innerhalb kürzester Zeit erkennen können. Wenn ihm dies nicht gelingt, ist es kein Problem des Systems, sondern des Menschen, der es unfähig bedient.

Trotz all dieser Widrigkeiten ging Borussia mit einem hoch verdienten 1:0 in die Pause und schien sich zunächst auch nach dem Seitenwechsel nicht beirren zu lassen. Erst als nach 61 Minuten Jannik Vestergaard eine harmlose Hereingabe ins eigene Netz abfälschte und es urplötzlich stand, zeigte sich wieder einmal die Anfälligkeit der Mannschaft von Dieter Hecking. Der unglückliche Ausgleich brachte sie völlig aus dem Tritt und die zuvor klar unterlegenen Schalker wieder zurück ins Spiel. In der letzten halben Stunde musste Borussia sogar noch froh sein, wenigstens einen Punkt im Borussia-Park zu behalten. Am Ende war es ein ärgerlicher, unnötiger Verlust zweier Punkte, die Borussia auf Platz 3 katapultiert hätten. Trotzdem sollte die Leistung in der ersten Stunde der Partie Mut machen, um selbstbewusst in die letzten drei Spiele dieses Jahres zu gehen.

Borussia: Sommer – Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt – Kramer (79. Cuisance), Zakaria – Grifo (76. Bobadilla), Hazard – Stindl,  Raffael

Schalke: Fährmann – Kehrer (67. Stambouli), Naldo, Nastasic – Caligiuri, Oczipka – McKennie, Meyer – Harit (83. Konoplyanka) – di Santo, Embolo (60. Burgstaller)

Tore: 1:0 (23.) Kramer, 1:1 (61.) Vestergaard

Gelbe Karte: Elvedi – Harit, Nastasic


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