Dissenting Vote

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Der Kollege Heinen sieht in unserem BL-Check die angeblich sächsische Filiale eines österreichisch-thailändischen Vertriebsunternehmens für gesundheitsschädliche Brause als Kandidaten für die Champions-League. Dem möchte ich entschieden widersprechen. Im Gegenteil, eigentlich scheinen alle Zutaten für eine Saison voller Enttäuschungen und Unsicherheiten über den weiteren Weg des Vehikels aus Fuschl am See angerichtet:

Der Head of Sports? Weg. Man könnte aber an der Stelle einwenden, der neue Bundestrainer habe aus echter Liebe zum Sport seinen Job dahingehend interpretiert, durch möglichst viele unsinnige Trainerentlassungen möglichst maximalen Schaden anzurichten.

Der Erfolgstrainer des letzten Jahres? Weg, entlassen vom kurz darauf selbst gegangenen Head of Sports. Begründung: Mangelndes Charisma. Muss man erstmal drauf kommen.

Der neue Trainer? Reiht bisher in seiner kurzen Laufbahn große Erfolge wie selbstverständlich aneinander – Entlassung bei River Plate, Entlassung in Monterrey, Abstieg mit Mallorca. Hat aber Charisma …

Der beste Spieler der letzten Saison? Weg, das Angebot der Galaktischen aus Madrid war zu gut, aber das gehört zum Geschäftsmodell.

Prägende Figuren der letzen Jahre wie Gulacsi und Schlager? Weg, obwohl bei Gulacsi eigentlich der Plan ein anderer war.

Neuzugänge bisher? Ein talentierter, aber überschätzter Mittelfeldrenner aus Mönchengladbach (Bitte nicht auspfeifen, weder hat er das verdient, noch ist er wichtig genug!), ein sehr teurer Innenverteidiger aus der zweiten englischen Liga und ein satter, in Chelsea und Mailand gescheiterter Ex-RB-Stürmer. Dazu der norwegische Heldentorwart, der aber nur als Ersatz für den Ersatz Gulacsi eingeplant ist.

Alles in Allem ist das recht wenig Überzeugendes. Unter diesen Umständen wäre es eine große Überraschung, könnte man in der anlaufenden Bundesligasaison aufstrebende Vereine wie Stuttgart und Freiburg hinter sich lassen. Bayern, Dortmund und Leverkusen eh nicht.

Auch die äußeren Umstände versprechen Spannung: Denn auch das Bundeskartellamt ist gegen das Konstrukt. Im Rahmen seiner Meinungsäußerung zu 50+1 (erfreulicherweise wurde die deutsche Sonderregel als zulässig angesehen) kam neben Regelungsbedarf zulasten der Werksklubs auch Skepsis gegenüber dem stimmberechtigte Mitgliedschaft durch hohe Beiträge ausschließenden Modell aus Fuschl klar zum Ausdruck. Auch hier muss eine Reaktion kommen, ansonsten drohen Sanktionen. Und dann kommt auch noch die Zuckersteuer …

Der Gegner am Samstag ist also genau so eine Wundertüte wie Borussia Mönchengladbach. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, diesen Gegner am ersten Spieltag zu haben, bevor dort zu Transferschluss nachgelegt wird.

Zu Borussia haben wir in den letzten Tagen viel geschrieben und sowohl Hoffnungen als auch Zweifel formuliert. Abgesehen von den Verletzten steht die Startelf, mutmaßlich mit Nicolas im Tor, Ullrich, Itakura, Diks und Hashioka in der Viererkette, Stöger und Sander auf der Doppelsechs, davor Hack, Bolin und entweder Honorat oder Mohya. Vorn hat sich Tim Kleindienst einsatzfähig gemeldet. Bleibt zu hoffen, dass die Ankündigungen aus der Vorbereitung, man werde in der Saison eine andere Borussia sehen, auch den ersten Spieltag überstehen.

Ach ja – wer sich für Leipziger Fußball interessiert: Die Irren vom Südfriedhof aus Probstheida haben zum dritten Mal die Relegation verkackt, haben auch einen neuen Trainer und sind solide, aber nicht berauschend in die neue Saison der besten Regionalliga Nordost aller Zeiten gestartet. Chemie hat wie immer in den letzten Jahren fast alle wichtigen Spieler verloren und steht am Ende der Tabelle. Man wird sich sportlich zweifelsohne fangen und mindestens eine Mannschaft hinter sich lassen, was für den Klassenerhalt reicht. Ansonsten bemüht man sich um Rechtsfortbildung: Ein Ex-Trainer klagt auf unbefristete Beschäftigung, sollte er gewinnen hätte das wohl ähnliche Auswirkungen wie das Bosman-Urteil.  

Der Seitenwahl-Tipp:

Uwe Pirl: Das Konstrukt ist konstruktiv noch nicht solide. Borussia ist ordentlich vorbereitet und nutzt das aus. 2:1 für Gladbach, Tore durch Kleindienst und Hack.    

Michael Heinen: Borussia spielt engagiert mit und hält die Partie lange offen. Am Ende siegt das Böse dann aber doch wie so oft: Leipzig gewinnt 2:1.

Christian Spoo: Dem Pflichtsieg im Pokal folgt ein arger Dämpfer. Zwar hält Borussia die Partie lange offen, unterliegt am Ende aber doch deutlich mit 0:3.

Michael Oehm: Die Optimismusonkel sind aus der Sommerpause zurück und starten mit einem 1:1 in die Saison. Das ist doch mal was! Schön dem Kommerzclub in die Brause gespuckt. Da guckt der Mintzlaff schmallippig. Das wird toll!

Kevin Schulte: Nach dem lockeren Aufgalopp folgt der sogenannte wilde Ritt: Borussia führt zwischenzeitlich, verliert aber mit 2:3.

Mike Lukanz (eigentlich Redaktionsoptimist): Das Spiel bei den Dosen aus Leipzig läuft sogar im Free-TV. Was für ein Geschenk! So kann ganz Deutschland sehen, wie schwer diese Saison für Borussia werden wird: 1:4-Niederlage.

Claus-Dieter Mayer: Die Transfers waren durchdacht, die Vorbereitung sehr erfolgreich, die Stimmung ist bestens..., nützt aber alles nichts, wenn der Gegner erheblich mehr Qualität im Team hat. Eine lange Saison beginnt mit einer 0:2 Niederlage in Leipzig.

Die Bilder der Saison