„Gar nicht krank ist auch nicht gesund", meinte einst – wer hätte es gedacht – Karl Valentin. Bei Tim Kleindienst würde man einiges darum geben, wenn er in der kommenden Saison dauerhaft nicht krank und unverletzt bliebe. Im Pokal gab es den ersten Warnschuss, als er seine Muskeln spürte und vorsichtshalber auf den Saisonauftakt verzichtete. Wenngleich sein Start am kommenden Samstag in Leipzig nicht in Gefahr sein soll, wird sich Borussia nicht darauf verlassen können, dass ihr Topstürmer über 34 Spieltage hinweg fit bleiben und wieder so spielen wird wie vor seiner langen Verletzungspause.
Im Vorjahr wurde dies weitgehend kompensiert durch den Glücksgriff Haris Tabakovic, der dem Verein allerdings für eine Weiterverpflichtung zu teuer war. Hinzugekommen ist stattdessen Isac Lidberg. Der 27jährige Schwede spielte zuletzt seit 2024 für Darmstadt 98 in der zweiten Bundesliga, erzielte in 58 Ligaspielen 31 Tore und legte neun Treffer auf. Zuvor war er einige Jahre in der niederländischen Eredivisie, wo er bei den Go Ahead Eagles und beim FC Utrecht in 85 Partien auf 15 Tore und 10 Vorlagen kam – eine deutlich überschaubarere Quote. In den letzten elf Jahren durchlief er insgesamt 12 Stationen, sodass er als Spätzünder anzusehen ist, der im Grunde erst zuletzt in Darmstadt so richtig an Profil gewonnen hat. Zur Belohnung durfte er drei Länderspiele für Schweden absolvieren, bei denen er nur einmal über mehr als 12 Minuten auf dem Feld stand.
Bei allem gesunden Selbstbewusstsein des Schweden, der forsch einen Konkurrenzkampf ausgerufen hat: Wenn Kleindienst nur halbwegs seine Normalform zurückerlangt, wird er sich kaum Sorgen um seinen Stammplatz machen müssen. Kann Lidberg die Leistungen aus Darmstadt eine Liga höher wiederholen, wäre er aber eine brauchbare Alternative, die je nach Spielverlauf auch zusammen mit Borussias Topstürmer auf dem Platz stehen könnte. In den vergangenen Jahren hat er bereits mit dem Neu-Wolfsburger Fraser Hornby ein kongeniales Sturmduo gebildet. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass Polanski sein Spielsystem dauerhaft auf diese Konstellation ausrichten wird. Dafür ist Lidberg – im Vergleich zu einigen anderen Offensivspielern der Borussia – in Sachen Technik und Geschwindigkeit zu limitiert. Physisch ist er mit seinen 1,87 Metern dagegen stark und er bringt eine Knipsermentalität mit, die ihn als Joker brauchbar erscheinen lässt.
Ein weiteres spannendes Toptalent drängt sich auf
Maximal als Joker dürfte vorläufig das nächste Toptalent Iaia Manco Danfa eingeplant werden. Der 19jährige Portugiese aus Guinea-Bissau kam 2025 vom Berliner AK, wo er in der U 19 die unglaubliche Quote von 31 Toren in 27 Spielen vorzuweisen hatte. Bei Borussia konnte er an diese Zahlen zwar nicht ganz anknüpfen – in der U23 erzielte er bislang 5 Tore und 4 Vorlagen in 15 Spielen und stand bislang noch etwas im Schatten des inzwischen nach Braunschweig abgewanderten Jan Urbich. Der 1,70 Meter kleine Danfa hat aber einige Anlagen, die auf eine Zukunft im Profifußball hindeuten. Eher unwahrscheinlich erscheint es, dass dies bereits in der kommenden Spielzeit dauerhaft zum Tragen kommen wird. Hinter Kleindienst, Lidberg und Machino wird sich Danfa vorerst als Nr. 4 in die Sturmhierarchie einordnen müssen.
Nur der Vollständigkeit halber sei noch die derzeitige Nr. 0 erwähnt: Tomas Cvancara gehört – Stand jetzt – weiterhin zum Kader von Borussia. Rouven Schröder scheint tatsächlich noch Hoffnung zu haben, für ihn einen Abnehmer in diesem Sommer zu finden. Nachdem die Leihe nach Glasgow scheiterte und zuletzt gar in eine langwierige Verletzung mündete, bedarf es einer Glanzleistung des Sportdirektors, den Tschechen zumindest kostenneutral von der Gehaltsliste zu bekommen. Gelingt dies nicht, sollte bei ihm – wie bei Neuhaus – ernsthaft darüber nachgedacht werden, zumindest noch einen Teil des Gehalts einzusparen, indem man ihm bei einer Auflösung des Vertrags entgegenkommt.
Erfreulicherweise trennen konnte sich der Verein bereits von Grant-Leon Ranos sowie von Leihspieler Alejo Sarco, die sich leider (bisher) als nicht bundesligatauglich erwiesen haben. Da zudem Urbich verliehen, Fukuda endgültig verkauft und Tabakovic nicht weiterverpflichtet wurde, hat Borussia im Sturmzentrum seine Kadergröße ausgedünnt.
Borussen-Check 2026/27 – Torhüter
Borussen-Check 2026/27 – Innenverteidigung
Borussen-Check 2026/27 – Außenverteidigung
Borussen-Check 2026/27 – Defensives Mittelfeld
Borussen-Check 2026/27 – Offensives Mittelfeld
Borussen-Check 2026/27 – Offensive Außenbahn
Borussen-Check 2026/27 – Fazit
Borussen-Check 2026/27 – Prognosen der Redaktion Teil 1
Borussen-Check 2026/27 – Prognosen der Redaktion Teil 2