Borussen-Check 2026/27 – Außenverteidigung

Borussen-Check 2026/27 – Außenverteidigung

„Heute ist die gute alte Zeit von morgen.“ Karl Valentin

Wer weiß, wie Borussias Fans in einigen Jahren über die Zeit reden werden, in der Luca Netz und Joe Scally die Außenbahnen verteidigt haben. Damit sie nicht zur "guten, alten Zeit" verklärt wird, sollen einige Neuzugänge Borussias größte Baustelle der letzten Jahre beheben helfen. 

Der Transfer von Daiki Hashioka kam primär deshalb zustande, weil sich Neuzugang Konoplya  beim Testspiel in Rostock verletzte und mindestens bis zur Länderspielpause nach dem vierten Spieltag ausfallen dürfte. Da der Verein zudem Druck auf Joe Scally ausüben wollte, im letzten Jahr seines auslaufenden Vertrags einen neuen Arbeitgeber zu finden und Borussia zumindest noch etwas Ablöse einzubringen, fiel die Wahl auf den 27jährigen Hashioka. Positiv: Dieser ist in den letzten Jahren – anders als viele der übrigen Neu-Fohlen – weitgehend verletzungsfrei geblieben. In den ersten Jahren seiner Karriere ging es für den Japaner stetig bergauf. Nachdem er alle Jugendnationalmannschaften seines Heimatlandes durchlaufen hatte, war er von 2018 bis 2020 Stammspieler bei den Urawa Red Diamonds in der J1-League und feierte in dieser Zeit sein Debüt für die japanische A-Elf.

Fast schon folgerichtig wies ihn der Weg nach Europa, wo er sich in der belgischen Jupiler Pro League schnell als Stammspieler etablierte. 2024 befand sich seine Karriere auf dem Höhepunkt, als Luton Town ihn zur Rückrunde gar in die Premier League lockte. 10 Spiele konnte er dort auf höchstem Liganiveau absolvieren, den Abstieg aber nicht verhindern, sodass er fortan in der Championship auflief.

Eine abrupte Karrierebremse

Der Abstieg des Vereins ging mit seinem persönlichen einher, denn in der englischen 2. Liga verlor er zur Rückrunde der Saison 24/25 seinen Stammplatz. Es folgte der Wechsel zu Slavia Prag, wo sich seine Lage weiter verschlechterte. Lediglich zwei Einsätze über mehr als 20 Minuten konnte er in der tschechischen Liga verbuchen. Zur Rückrunde der vorigen Saison ging es daher leihweise zurück nach Belgien, um an seine besseren Tage anzuknüpfen. Bei KAA Gent fand er tatsächlich wieder in die Spur, sodass zu hoffen ist, dass er seinen zwischenzeitlichen Karriereknick überwunden hat. Sein letzter Scorerpunkt datiert immerhin aus dem Januar 2024. Das letzte seiner 12 Länderspiele, von denen er nur fünfmal mehr als 20 Minuten Spielzeit erhielt, fand im November 2024 beim 4:0 in Indonesien gegen Kevin Diks statt. Ein Jahr zuvor stand er für sechs Minuten gemeinsam mit Ko Itakura auf dem Platz, als Japan die deutsche Nationalelf 4:1 abfertigte.

Die Frage sei dennoch gestattet, woher Schröder den Optimismus nimmt, dass Hashioka in der Bundesliga besser zurechtkommen wird als in Tschechien und in der englischen Championship. Gelingt es ihm tatsächlich, seine Leistungen aus Japan und Belgien endlich auf der ganz großen Bühne umzusetzen, so hat Borussia mit der Leihe (inkl. einer überschaubaren Kaufoption) ein echtes Schnäppchen abgegriffen. Der 1,84 Meter große Japaner ist vielseitig auf der rechten Seite oder in der Innenverteidigung einsetzbar. Durch seine bisherigen Stationen in vier verschiedenen Ligen verfügt er über einiges an internationaler Erfahrung. Er gilt als kopfballstark und aggressiv. Im defensiven Zweikampf ist er aber – ähnlich wie sein Noch-Konkurrent Scally – nicht immer fehlerfrei.

Erste Wahl mit viel Erfahrung

Hauptkonkurrent für Hashioka wird Yukhym Konoplya werden, der nach wiedererlangter Fitness Polanskis erste Wahl als Rechtsverteidiger sein dürfte. Zumindest lässt dies seine Vita erwarten, da der 26jährige Ukrainer in den letzten vier Spielzeiten Stammspieler bei Shakthar Donezk gewesen ist und u. a. 15 Champions-League-Auftritte sowie 27 Länderspiele für die Ukraine absolvierte. Die WM verpasste er verletzungsbedingt und in der Liga kam er aufgrund regelmäßiger Injurien auf nie mehr als 21 (von maximal 30 möglichen) Partien. Vorige Saison waren es 18 Ligaspiele, in denen ihm 2 Tore und 3 Vorlagen gelangen.

Konoplya gilt als offensivstark mit präzisen Flanken. Gegenüber Scally ist er deutlich besser im Passspiel und verursacht relativ wenige Fouls. Mit dem US-Amerikaner eint ihn aber der Hang zu leichtsinnigen Ballverlusten und eine ausbaufähige Zweikampfführung. Mit Blick darauf, dass der 1,80 Meter große Ukrainer ablösefrei gekommen ist, kann man Schröder zu dem Transfer nur gratulieren. Dennoch ist es keine Selbstverständlichkeit, dass sich Konoplya auf seiner ersten Station außerhalb der Ukraine auf deutlich höherem Niveau dauerhaft wird durchsetzen können.

Offensivstärke und Defensivmängel

Gerade in der Defensivarbeit könnte es im Rahmen der von Polanski anvisierten Viererkette zu Problemen führen. Da auch die beiden Anwärter links in der Abwehrarbeit gewisse Mängel aufweisen, ist nicht auszuschließen, dass Borussia im Laufe der Saison doch wieder gezwungen wird, zur kompakteren Fünferkette zurückzukehren. Dies würde allerdings den Bestrebungen zuwiderlaufen, über die Viererkette eine aktivere und ansehnlichere Spielidee zu entwickeln, die bei gutem Saisonverlauf von den (neuen) Außenverteidigern aufgrund ihrer offensiven Stärken unterstützt werden könnte.

Auf Links würde Lukas Ullrich dazu gerne ebenfalls beitragen, indem er nach seiner enttäuschenden dritten Saison als Borusse wieder an die stärkere Saison 2024/25 anknüpft. Damals zeigte der Ex-Herthaner Ansätze, die darauf hoffen ließen, er könne sich bei Borussia nachhaltiger präsentieren als Konkurrent Luca Netz. Die letzte Saison war dann aber ein enttäuschender Rückschritt, der einem 22jährigen gestattet werden sollte. In dieser Saison wird eine deutliche Steigerung vonnöten sein, um im Konkurrenzkampf mit dem nur ein Jahr älteren Neuzugang aus Karlsruhe zu bestehen.

Talent mit viel Zweitligaerfahrung

In David Herold investierte Schröder immerhin eine Ablöse von rund 3,5 Mio. Euro zzgl. möglicher Boni. Der 23jährige entstammt der Jugendabteilung des FC Bayern München, wo er es aber nicht in den Profikader schaffte. 2023 wurde er daher zum SCR Altach ausgeliehen und sammelte ein halbes Jahr Spielpraxis in der österreichischen Bundesliga. Anschließend wechselte er zum KSC und durfte noch ein Jahr lang gemeinsam mit Lars Stindl auflaufen.

Der gebürtige Mindelheimer brauchte ein knappes halbes Jahr, um sich bei den Badenern einzugewöhnen und mit 21 Jahren einen Stammplatz zu ergattern. Diesen gab er seitdem nicht wieder her, sodass er mit 89 Zweitligaeinsätzen zu einer zuverlässigen, wenngleich selten überragenden Konstante beim KSC wurde.

Die Aussagekraft der einstmals legendären kicker-Rangliste ist zwar in den vergangenen Jahren rapide gesunken. Nichtsdestotrotz ist es ein bemerkenswerter Fakt, dass Herold dort in den vergangenen Jahren überhaupt keine Erwähnung fand. Einzig im Winter 2024/25 gelang ihm soeben mit Platz 9 der Einzug in der Kategorie Außenverteidiger. Von daher überrascht es nicht unbedingt, dass aktuell doch wieder Ulrich die Nase vorn zu haben scheint im direkten Duell.

Herold gilt als zweikampf- und vor allem laufstark. In der Vorsaison wies er mit durchschnittlich 11,86 km pro Partie den drittbesten Wert aller Zweitligaspieler auf. Auch bei den Sprints lag er im Ligavergleich sehr weit vorne. Seine Stärken liegen daher in der Offensive. So kam er im Vorjahr auf 8 Torvorlagen in 35 Pflichtspielen. Wie sein Pendant Konoplya auf der Gegenseite vernachlässigt Herold gegen stärkere Gegner dagegen schon einmal die Defensivarbeit. Mit seinen 23 Jahren ist er aber noch entwicklungsfähig.

Leichtes Upgrade zu erwarten

Ob Borussia mit seinen Neuzugängen auf den Außenbahnen die dortige Anfälligkeit aus den letzten Jahren wird beseitigen können, ist ungewiss. Sofern die Fans ein deutliches Upgrade zum Vorjahres-Duo Scally/Ullrich erwarten, könnten sie eventuell enttäuscht werden. Die Chance auf eine Verbesserung ist aber in jedem Fall gegeben.

Alles in allem wäre es schon als Erfolg zu werten, wenn Borussia in der Defensive die halbwegs brauchbare Leistung aus der Vorsaison wiederholen könnte. Mit „nur“ 53 Gegentoren kassierte sie die siebtwenigsten der Liga. 13 Spiele zu Null waren für den überragenden Nicolas sogar der zweitbeste Wert aller Torhüter. Umso erschreckender allerdings, dass in den übrigen 21 Partien im Schnitt 2,5 Gegentore hingenommen werden mussten. Etwas mehr Konstanz sollte daher die Zielsetzung von Eugen Polanski für die bevorstehende Spielzeit sein.

Borussen-Check 2026/27 – Torhüter
Borussen-Check 2026/27 – Innenverteidigung
Borussen-Check 2026/27 – Defensives Mittelfeld
Borussen-Check 2026/27 – Offensives Mittelfeld
Borussen-Check 2026/27 – Offensive Außenbahn
Borussen-Check 2026/27 – Mittelstürmer
Borussen-Check 2026/27 – Fazit
Borussen-Check 2026/27 – Prognosen der Redaktion Teil 1
Borussen-Check 2026/27 – Prognosen der Redaktion Teil 2

Die Bilder der Saison