„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde." Bei diesem Spruch wird Karl Valentin vermutlich nicht an Ko Itakura gedacht haben. Es hätte aber gepasst, da der Japaner in Amsterdam nie wirklich heimisch war und somit nach einem Jahr wieder zurück in seine Gladbacher "Heimat" gefunden hat. Es wird sehr wichtig, dass der 29jährige sich schnell wieder heimisch fühlen und an seine Leistungen anknüpfen kann, mit denen er sich vor einem Jahr aus Mönchengladbach verabschiedet hatte. 10,5 Mio. Euro war Ajax Amsterdam sein Transfer damals wert. Bis zu 7 Mio. davon hat er in der Zwischenzeit durch eine frustrierende Saison in den Niederlanden wieder verloren, was Borussias Festgeldkonto – bzw. wohl eher ihrer Kreditabteilung – zugutegekommen ist. Dabei war der 29jährige Japaner bis zu seiner Rückenverletzung am 20. Spieltag Stammspieler und kam so immerhin auf 26 Pflichtspiele für Ajax.
Die dreimonatige Verletzungspause war nicht die erste, die er in seiner Karriere zu verkraften hatte. Schon 2023/24 war er mit Knöchelverletzung für zweieinhalb Monate und 2022/23 mit einem Innenbandanriss im Knie zwei Monate ausgefallen. Lediglich in der Abschiedssaison 2024/25 ist er einigermaßen verletzungsfrei durch die Saison gekommen, weshalb seine Rückkehr trotz der günstigen Konditionen ein gewisses Risiko birgt. Die Befürchtung, er könnte zusammen mit dem gesetzten Abwehrchef Kevin Diks (29) den Asia-Cup und somit bis zu sechs Pflichtspiele zum Jahresbeginn 2027 verpassen, scheint sich dagegen nicht zu bewahrheiten. Im Rahmen seiner Rückholaktion sicherte er nach Informationen der Rheinischen Post zu, auf die asiatische Kontinentalmeisterschaft verzichten zu wollen.
Allzu viele Ausfälle wird sich Borussia in der Innenverteidigung nicht leisten können, da der Verein durch den Abgang von Nico Elvedi, Marvin Friedrich und Kota Takai sowie die geplante Rückversetzung von Philipp Sander ins defensive Mittelfeld zumindest an Quantität deutlich eingebüßt hat. Qualitativ sollte Ko Itakura in seiner Gladbacher Form in der Lage sein, den einstigen Teamkollegen aus der Schweiz gleichwertig zu ersetzen.
Zwei große Talente fordern die Etablierten heraus
Sollten Itakura oder Diks ausfallen, wird eines der beiden vielversprechenden Talente seine Chance erhalten. Fabio Chiarodia ist bislang leider immer noch zu fehleranfällig, um sich direkt für einen Stammplatz aufzudrängen. Seine Formkurve wies in der vergangenen Rückrunde aber in die richtige Richtung, sodass Hoffnung besteht, der italienische Nationalverteidiger könnte in seiner vierten Saison bei Borussia mit 21 Jahren endlich den langersehnten Durchbruch schaffen.
Im Weg stehen könnte ihm dabei ausgerechnet ein anderes Toptalent, das Borussia diesen Sommer aus Polen losgeeist hat. Drei Millionen Euro gab Schröder für einen bis dato im Profifußball noch nahezu unbefleckten 19jährigen aus. Für Legia Warschau absolvierte Jan Leszczynski lediglich 181 Spielminuten in der polnischen Ekstraklasa. Mehr sind es zuvorderst aufgrund eines Kreuzbandrisses nicht geworden, der ihn nahezu die komplette Saison 2024/25 außer Gefecht gesetzt hat.
Dass er die stolze Ablöse rechtfertigen könnte, deutete der polnische U19-Nationalverteidiger in den Testspielen an, die man allerdings nicht überbewerten darf. Erinnert sei nur an das 5:1 gegen den VfB Stuttgart im Sommer 2023 mit den damals überragenden Cvancara und Ngoumou. Zum Ende der darauffolgenden Saison feierten die Schwaben den Vizemeistertitel, während Borussia nur mit einem Punkt Vorsprung soeben die Klasse hielt. Europa-League-Gewinner Aston Villa z. B. zeigte in der vergangenen Woche mit einer B-Elf eine geradezu unverschämte Leistung. Dennoch war es positiv zu sehen, wie abgeklärt und selbstverständlich Leszczynski nicht nur in diesem Testspiel auftrat und somit die Erwartungen nährte, die sich die Verantwortlichen bei seiner Verpflichtung gebildet haben. Vorteil für ihn, dass er mit Eugen Polanski einen Trainer vorfindet, der ihn in seiner Muttersprache anleiten und fördern kann.
Selbstbewusster Führungsanspruch
Mit seinen 1,91m verfügt der beidfüßige Pole über ein gutes Kopfballspiel, ist darüber hinaus aber auch technisch gut und hat eine gute Spielübersicht. Sein Selbstbewusstsein stellte er unter anderem damit unter Beweis, dass er in Mönchengladbach eine Führungsrolle anstrebt. Eine mutige Aussage für einen 19jährigen, der im Profibereich bislang noch keine Meriten erwerben konnte. Inwieweit er in der Bundesliga auf Anhieb wird mithalten können, muss sich bei allen Vorschusslorbeeren aus den polnischen Jugendnationalmannschaften noch beweisen.
Bleiben die genannten Spieler fit und erfüllen ihre Erwartungen, sollte Borussia die Qualität in der Innenverteidigung mindestens gehalten haben. Quantitativ ist der Kader mit nur vier hauptamtlichen Akteuren auf dieser Position ein wenig dünn aufgestellt. So steht zu befürchten, dass im Laufe der Saison gelegentlich doch wieder Notlösungen, z. B. mit Sander oder Hashioka, benötigt werden könnten.
Borussen-Check 2026/27 – Torhüter
Borussen-Check 2026/27 – Außenverteidigung
Borussen-Check 2026/27 – Defensives Mittelfeld
Borussen-Check 2026/27 – Offensives Mittelfeld
Borussen-Check 2026/27 – Offensive Außenbahn
Borussen-Check 2026/27 – Mittelstürmer
Borussen-Check 2026/27 – Fazit
Borussen-Check 2026/27 – Prognosen der Redaktion Teil 1
Borussen-Check 2026/27 – Prognosen der Redaktion Teil 2