Borussen-Check 2026/27 – Torhüter

Borussen-Check 2026/27 – Torhüter

„Erwartungen sind im Voraus geplante Enttäuschungen.“ Nur für wenige Menschen bewahrheitet sich diese Weisheit des genialen Karl Valentin immer wieder auf so schmerzhafte Weise wie für die Fans von Borussia Mönchengladbach. Zum sechsten Mal in Folge mussten sie in der Vorsaison ein unbefriedigendes Saisonergebnis über sich ergehen lassen, das die immer wieder aufs Neue aufkeimenden Hoffnungen enttäuschte. Unter dem neuen Sportdirektor Rouven Schröder nimmt Borussia einen weiteren Anlauf, die positiven Erwartungen der Fans endlich einmal zu erfüllen. Dieser steht vor der nicht gerade kleinen Herausforderung, den schleichenden Abstieg der letzten Jahre aufzuhalten und dem Verein wieder so etwas wie eine Perspektive zu bieten.

Die Voraussetzungen hierfür sind nicht leicht: Gleich vier wichtige Stammspieler der Vorsaison gilt es zu ersetzen sowie eine Reihe perspektivloser Großverdiener loszuwerden, um dem Trainer eine runderneuerte Mannschaft bereitzustellen. Am alten Kader, der noch von Schröders ebenso glück- wie ahnungslosen Vorgänger Roland Virkus zusammengestellt worden war, scheiterte Eugen Polanski. In der kommenden Saison bekommt er eine zweite und letzte Chance, sein Können unter Beweis zu stellen. Ob ihm das von Schröder zusammengestellte Personal dabei behilflich sein wird, untersuchen wir im diesjährigen Borussen-Check, indem wir in den folgenden Tagen eine umfangreiche Einschätzung der Kaderplanung und insbesondere der Transfers in diesem Sommer vornehmen. Im ersten Teil widmen wir uns heute den Torhütern.

Das Beste kommt zu Beginn

Lange Zeit stand zu befürchten, dass Moritz Nicolas nach zwei herausragenden Spielzeiten in Folge den Verein verlassen könnte. Nicht nur nach den Statistiken gehörte Borussias Nr. 1 in dieser Zeit zu Deutschlands besten Torhütern und hätte sich eine Berufung für die deutsche Nationalmannschaft schon lange verdient. Da dies bislang nicht geschehen ist und Nicolas daher weiter unter dem Radar der Öffentlichkeit läuft, gab es in diesem Sommer keine Angebote, bei denen Schröder hätte schwach werden können. Erfreuliche Konsequenz: Die Fohlenelf wird aller Voraussicht nach eine weitere Saison auf einen der zuverlässigsten Keeper der Liga zurückgreifen können, der mit 28 Jahren gerade erst ins beste Torhüteralter kommt.

Eine Veränderung wird es dagegen auf der Ersatzbank geben, wo mit Daniel Batz eine neue Nr. 2 verpflichtet wurde. Der 35jährige kam ablösefrei aus Mainz und war im vergangenen Jahr ligaweit eine der größten Überraschungen. Es ist wissenswert, dass der gebürtige Erlanger fast seine gesamte Karriere in der 3. oder 4. Liga spielte, nachdem er sich zu Karrierebeginn in Nürnberg und in Freiburg nicht gegen Raphael Schäfer bzw. Oliver Baumann durchsetzen konnte. Die erfolgreichste Zeit hatte er in Saarbrücken. Sechs Jahre lang war er dort Stammkeeper und erreichte 2020 unter dem späteren Effzeh-Dummschwätzer Lukas Kwasniok das Pokal-Halbfinale. Sein persönliches Highlight war das Viertelfinale, als er beim 7:6 über Fortuna Düsseldorf vier Elfmeter im gleichnamigen Schießen hielt – u. a. einen von Kevin Stöger.

Der späte Karriere-Durchbruch

2023 wechselte Batz nach Mainz, wo er bereits in der ersten Saison den verletzten Zentner für vier Partien ordentlich vertrat. In der vorigen Spielzeit fiel die ursprüngliche Nr. 1 der Mainzer für längere Zeit aus. Da Ersatzkeeper Lasse Ries gleich in der ersten Partie patzte, erhielt Batz seine Chance am 13. Spieltag beim 0:1 gegen Gladbach und wusste auf Anhieb zu überzeugen.

In insgesamt 27 Einsätzen für die Mainzer wies Batz anschließend seine Bundesligatauglichkeit eindrucksvoll nach. Mit seiner großen Erfahrung strahlt der 1,91m große Hüne viel Ruhe aus. Seine Stärken liegen primär auf der Linie. Leichte Schwächen zeigt er dagegen gelegentlich in der Strafraumbeherrschung.

Besser als die Bayern

Positives Fazit: Borussia kann auf eines der besten Torhüterduos der Bundesliga zurückgreifen und ist auf dieser Position sogar besser aufgestellt als der FC Bayern.

Sollten Nicolas und Batz beide ausfallen, stünden Jan Olschowsky (24) und Tobias Sippel (38) zur Verfügung. Nicht mehr im Kader ist dagegen der nach Belgien ausgeliehene Tiago Pereira Cardoso (20). Die Idee, dem talentierten Luxemburger auf höherem Niveau Spielpraxis zu verschaffen, klingt grundsätzlich vernünftig. An den ersten drei Spieltagen der Jupiler League war ihm das allerdings noch nicht vergönnt, da er es bei La Louviere bislang noch nicht einmal in den Kader geschafft hat. An den FC Basel verschenkt wurde zudem der leider zu verletzungsanfällige Großverdiener Jonas Omlin. Kurzfristig hat sich Borussia damit auf dieser Position sogar verbessert und trotzdem einiges an Gehalt eingespart.

Borussen-Check 2026/27 – Innenverteidigung
Borussen-Check 2026/27 – Außenverteidigung
Borussen-Check 2026/27 – Defensives Mittelfeld
Borussen-Check 2026/27 – Offensives Mittelfeld
Borussen-Check 2026/27 – Offensive Außenbahn
Borussen-Check 2026/27 – Mittelstürmer
Borussen-Check 2026/27 – Fazit
Borussen-Check 2026/27 – Prognosen der Redaktion Teil 1
Borussen-Check 2026/27 – Prognosen der Redaktion Teil 2

Die Bilder der Saison