1. FC Köln (Michael Oehm)
In Köln und rund um seinen Fußballklub 1. FC beherrschte in diesem Sommer eine einzige, quasi die alles entscheidende Frage, wirklich alle, die es mit dem Club halten: „Wie heißt die Ziege, das lebende Maskottchen des 1. FC Köln?“ Das war nämlich die Gewinnspielfrage beim großen kicker-Gewinnspiel zur neuen Saison, und da musste manch ein Fan anderer Vereine natürlich nachfragen, um nicht auf falsche Antwortmöglichkeiten wie „Dennis“ hereinzufallen, der ist ja schließlich das Maskottchen des VfB Stuttgart. Borussen wissen natürllich, dass man die Ziege aus Respekt vor den Erfolgen der Borussia in den 70ern nach deren Erfolgstrainer jener Jahre benannt hat.
Ansonsten vertrieb man sich die Zeit, indem man versuchte, richtig viel Geld für El Mala einzunehmen. Das ist so mittelgut gelungen, weil El Mala und sein Bruder nicht zu dem Verein wollten, den das Preisschild 50 Millionen (inklusive Bruder) nicht abschreckte, der Verein, zu dem El Mala und sein Bruder gerne wollten, aber keine 50 Millionen auf den Tisch legen wollte. Immerhin hat er zum Schluss seinen Vertrag verlängert (sicher gegen eine ordentliche Gehaltsanhebung) und bleibt jetzt dem Vernehmen nach doch noch ein Jährchen. Vom Bruder ist diesbezüglich nichts bekannt; vermutlich gab es aber auch Vertragsverlängerung und Stadionwurst-Flatrate.
Was bei diesem ganzen Zinnober beinahe unterging: In Köln haben sie einen ähnlichen personellen Umbruch vorgenommen wie bei Borussia, und bei den zwölf Abgängen sind mit Martel, Özkacar, Lund, Huseinbasic, Heintz und vor allem Kaminski durchaus einige namhafte dabei. Geholt hat man (auch da ähnelt man dem Rivalen vom Niederrhein) in der Hauptsache Spieler der Kategorie „Potenzial“, weniger der Kategorie „Verstärkung mit Erfahrung“. Dafür fehlt nämlich jetzt in Folge des Nichtabgangs der El Mala-Brüder (guter Name übrigens auch für eine Räuberbande in einem Italo-Western) das Geld.
Immerhin: Man hat den Versuch unternommen, einen Herausforderer für Ache zu etablieren (Thijs Gallinga kam auf Leihbasis vom FC Bologna, der traf dort zuletzt aber auch eher selten) und Ellyes Skhiri kommt zurück aus Frankfurt an die Wirkungsstätte, wo er sich mal für einen europäisch spielenden Verein interessant machte. Der FC hat einige Talente aus der eigenen Jugend hervorgebracht (Youssoupha Niang nennen wir mal als Player to watch), aber beim FC erwarten sie viel von Reigan Heskey, der von Manchester Citys U21 kam und eigentlich der neue El Mala werden soll, obwohl der alte noch da ist. Einen möchten wir noch hervorheben: In der Abwehr stellt Neuzugang Lochoshvili das eherne journalistische Prinzip „No jokes with names“ auf eine echte Bewährungsprobe. Ich lasse daher vor der Abschlussprognose zwei Zeilen Platz, damit der geneigte Leser die Leerstelle selbst mit einem geeigneten Stift auf dem Monitor füllen kann.
Der FC wird auch mit „El Maladonna“, wie er gewohnt bescheiden bisweilen in der Domstadt genannt wird, um den Klassenerhalt spielen müssen. Ehrlicherweise sollte das aber auch kein unlösbares Unterfangen sein.
Prognose: Platz 12-15
Union Berlin (Claus-Dieter Mayer)
Lange Zeit schien eigentlich alles in Berlin ganz gut auszusehen in der vergangenen Saison. Nach der Hinrunde stand Union punktgleich mit dem SC Freiburg auf Platz 9 der Tabelle. Nach einem holprigen Anfang in der Vorsaison schien Steffen Baumgarts selbsternannte „Herzensangelegenheit“ an der Alten Försterei in stabile Bahnen geraten zu sein. Der Kappenträger verzichtete auf seine geliebte Viererkette, welche zu Beginn seiner Amtszeit zu viel Diskussion geführt hatte, und die Mannschaft kehrte zum klassischen Union-Stil zurück: nicht schön, aber erfolgreich. Die Rückrunde lief dann weniger erfolgreich, aber dass man Baumgart auf Platz 11 mit sicheren 7 Punkten vor dem Relegationsplatz am 29. Spieltag feuerte, kam etwas überraschend und spricht dafür, dass man den gebürtigen Rostocker in Berlin doch kritischer gesehen hatte, als man von außen gedacht hätte.
Die grosse Änderung bei den Eisernen ist daher auch der Trainer, wo man mit dem intelligenten Schweizer Meistercoach einen interessanten Nachfolger für Interimstrainerin Marie-Louise Eta verpflichtete. Lustrinelli vollbrachte im Vorjahr das Kunststück, den FC Thun als Aufsteiger zur Schweizer Meisterschaft zu führen, und das, obwohl der Verein ligaweit einen der geringsten Ballbesitzwerte aufweisen konnte. Wie auch der Vorname „Mauro“ schon andeutet, passt dieser Trainer also durchaus zur defensiven Ausrichtung der Unioner, ist aber auch bekannt für ein sehr viel höheres Pressing, als es die Berliner bisher gewohnt waren, und (Déjà-vu!) bevorzugt eine Viererkette. Was den Kader angeht, so hat der 1. FC Union mit Doekhi und Leite zwei gestandene Innenverteidiger verloren, und zumindest als Gladbachfan darf man daran zweifeln, ob Marvin Friedrich da ein gleichwertiger Ersatz ist. Dafür hat man im Mittelfeld mit dem Schweizer Nationalspieler Aebischer bewährte Qualität hinzugewonnen, auch wenn es unverzeihlich ist, dass man dafür Gladbach-Legende László Bénes einfach so hat gehen lassen (er ist jetzt in Belgien ein Gentleman). Im Sturm ruhen viele Hoffnungen auf der Verpflichtung des Ivorers Emmanuel Latte Lath (man freut sich jetzt schon auf die Kommentare, sollte er mal das Gebälk treffen), dessen beste Zeit 2023–25 bei Middlesbrough in der Championship war, bevor er ein Jahr in den USA für Atlanta spielte. Viel wird davon abhängen, wie lustig es für den neuen Trainer wird, der bislang ausserhalb Thuns und der Schweizer U-Nationalmannschaften noch keine Erfahrungen gesammelt hat. Nicht auszuschliessen, dass wir – wie schon in den vergangenen drei Spielzeiten – wieder einen Trainerwechsel während der Saison und die Rückkehr zur 5er-Kette erleben. Es spricht wenig dafür, dass Union sich stark verbessert hat, allerdings sollte man im Normalfall auch kein Abstiegskandidat sein.
Wir prognostizieren irgendwas zwischen Platz 10–14.
SC Paderborn (Michael Oehm)
Irgendwie hat man beim SC Paderborn immer noch positive Gefühle, weil das schon nett war damals 2008 auf dem Rasen vom Hermann-Löns-Stadion, über sich die Hochspannungsleitung und vor sich mindestens 19 Jahre am Stück in der 1. Liga. Zwischendurch kam Paderborn ja gleich zweimal zu Besuch vorbei, beim ersten Mal (2014/15), um danach einen spektakulären Absturz hinzulegen mit dem steilen sportlichen Abstieg bis in die Regionalliga, nur um dann nach einem völlig überraschendem Höhenflug (2019/20) noch einmal in der ersten Liga zu landen. Nach dem erneuten Abstieg als völlig chancenloser Tabellenletzter stoppte Deutschlands fahrstuhrligste Fahrstuhlmannschaft den Trend. Stattdessen hielt man sich dann sechs Jahre in der oberen Tabellenhälfte der zweiten Liga und schaffte vergangene Saison als Dritter das seltene Kunststück, in der Relegation gegen den Bundesligisten zu bestehen. Da der Gegner Vfl Wolfsburg hieß, werden die Sympathien der weitaus meisten Fans der Bundesliga mit ihnen gewesen sein.
Das Stadion an der Wilfried-Finke-Allee wurde in einem cleveren Schachzug umbenannt und heißt nun nicht mehr Benteler Arena, sondern will Heimstärke demonstrieren mit dem leicht holprigen, aber dennoch nicht charmfreien Namen „Home Deluxe Arena“. Trainiert wird der Sportclub vom Jungspund (er ist gerade erst 40 Jahre als geworden) Ralf Kettemann. Ansonsten kennt man wohl nur als zweitligagestählter Fußballfan die Protagonisten:
Steffen Tigges hat seinem Ex-Club beim Test neulich gleich drei eingeschenkt und hat damit damit große Aussichten auf einen Stammplatz in der Offensive. In der findet sich auch der namhafteste Neuzugang mit Gabriel Vidovic , Flügelstürmer of FC Bayern-Fame. Ansonsten sind es bei Paderborn nicht die Namen, sondern das Kollektiv, das trägt. Immerhin: Die stabilen Jahre haben dafür gesorgt, dass der Verein gesund dasteht und nicht jeden Transfer mit Gewinn unbedingt machen muss. Eine erfolgreiche Jugendarbeit hat genügend Früchte getragen, dass Paderborn Transfers der Größenordnung 3-4 Millionen durchaus stemmen kann, ohne ganz großes Risiko zu gehen. Dennoch verdeutlicht diese Zahl, dass wir es hier mit einem kleineren Bundesligastandort zu tun haben, der als Ziel ausschließlich den Klassenerhalt ausrufen kann. Dabei mithelfen soll auch der ewige Sven Michel, der mit 36 Jahren in seine vermutlich letzte Profisaison geht. Wir wünschen viel Glück, erwarten aber eher Pech.
Prognose 15-18
SV Elversberg (Michael Oehm)
Kommen wir zum Neuling in der Bundesliga, dem Verein aus Spiesen-Elversberg, ein 13,000 Seelen-Örtchen, damit der kleinste Bundesligastandort aller Zeiten. In Unterhaching schlägt man die Zähne wütend ins Beißholz. Erstmals seit 33 Jahren kommt wieder ein Bundesligist aus dem Saarland, da feiert also die ganze Familie. Dabei hat Elversberg zwei Anläufe gebraucht, nachdem man im vorigen Jahr noch in der Relegation an Heidenheim gescheitert war. Das verdient durchaus Anerkennung, denn man hatte – dem Erfolg geschuldet – einiges an Abgängen zu verkraften (nicht zuletzt verlor man Erfolgstrainer Steffen nach sieben Jahren an Werder Bremen) und nicht wenige hatten einen Absturz vorhergesehen, der aber nicht kam, im Gegenteil: Als Tabellenzweiter stieg „die Elv“ ins Oberhaus auf. „Die Elv“ ist übrigens ein Spitzname direkt aus der Hölle.
Aber: Vor vier Jahren noch Hoffenheim 2 (vulgo Hölle), jetzt Bundesliga; das klingt also alles wie im Märchen, ist aber natürlich keins. Der Verein ist eng angebunden an das Pharmaunternehmen Ursapharm, folglich spielt man in der Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde (Fassungsvermögen jämmerliche 10 000 Zuschauer). Präsident Dominik Holzer ist zugleich Ursapharm-Geschäftsführer, verantwortlich gemeinsam mit seinem Vater Frank Holzer, früher selbst Spieler und Trainer des Vereins und heute dessen Aufsichtsratsvorsitzender. Die Endkundenmarke „Hylo“ steht auf dem Trikot. Das ganze ist also letztlich ein Marketingprodukt für einen Konzern. Aber, wie heißt es eigentlich immer, wenn ein Verein unverhältnismäßig Geld reingebuttert bekommt und sportlichen Erfolg hat: Da wird gut gearbeitet!
Und das wird es zweifellos. Vor allem, wenn man, wie geschildert, Abgänge auffangen muss. Trainer ist seit Beginn der vergangenen Saison Vincet Wagner, der zuvor für einen anderen Mäzenatenverein arbeitete, nämlich die TSG Hoffenheim. Der andere Mastermind des Aufstiegs, Sportdirektor Ole Book, vor nicht allzu langer Zeit auch in Gladbach gehandelt, ist schon im März nach Dortmund gewechselt. Elversberg hat aber den Aufstiegskader fast vollständig zusammengehalten. Der besteht zu einem großen Teil aus hochtalentierten, jungen Spielern, mit dem Manko der fehlenden Bundesligaerfahrung. Verstärkt hat man sich mit dem Torschützenkönig der abgelaufenen Zweitligasaison, Noel Futkeu, der 19 Treffer für den Fastabsteiger Greuter Fürth erzielte, bei seinem Stammverein Eintracht Frankfurt aber nicht benötigt wurde. Die Offensive war ohnehin Prunkstück in der abgelaufenen Saison. Daran werden sie in anknüpfen müssen, wenn es was werden soll mit dem Klassenerhalt. Angesichts des Stadions (darf nur dank Sondergenehmigung betrieben werden) und Finzanzkonstrukts wäre es für die Bundesliga sicher von Vorteil, wenn es nicht gelänge.
Prognose: 15-18

FC Augsburg (Uwe Pirl)
Der FC Augsburg belegte in der vergangenen Saison mit Platz 9 eine der besten Platzierungen seiner Bundesligageschichte. Bei Beginn der Rückrunde konnte man das nicht erwarten. Nachdem der von Neu-Trainer Wagner ausgerufene Angriff auf die Bayern erwartungsgemäß gescheitert war, besann man sich auf alte Augsburger Traditionen, holte Manuel Baum als Trainer zurück und spielte, wie Augsburg eben spielt. Mit Ausnahme des Auswärtsspiels in Gladbach funktionierte das überraschend gut, wenn auch unübersehbar war, dass aus dieser Spielweise ein akutes Problem mit dem Toreschießen resultiert. Dass der im Winter geholte Gregoritsch mit 6 Toren der gefährlichste Mann ist, sagt einiges.
Zur neuen Saison will man weitermachen, wo man aufgehört hat. Personell hat sich nicht sehr viel getan, allerdings verlor man mit Giannoulis und Zesiger gleich zwei Stammspieler in der Abwehr. Nominell wurden die mit Behrens aus Hoffenheim und Brackelmann aus Paderborn quantitativ ersetzt, auch der zwischenzeitlich abwanderungsbereite Schlotterbeck konnte gehalten werden. Ob das qualitativ reicht, wird man sehen. Im Mittelfeld wechselte Elvis Rexhbecaj zu seinem Herzensklub Wolfsburg (was ausnahmsweise keinerlei Ironie enthält). Gerüchte besagen, dass sowohl Mert Kömür als auch Alexis Claude-Maurice mit einem Vereinswechsel liebäugeln, getan hat sich bisher aber nichts. Im Angriff konnte Gregoritsch gehalten werden, zudem hat man mit Rodrigo Ribeiro von Sporting Lissabon einen jungen Mittelstürmer verpflichtet.
Bisher ist das kein Kader, der stärker anmutet als der des letzten Jahres. Gibt es noch Abgänge im Mittelfeld, wird es eher deutlich schwächer. Der Trainer ist bei aller Wertschätzung für sein bisheriges Wirken in Augsburg auch nicht dafür bekannt, mehrere Jahre das Level hochhalten zu können. Deshalb legen wir uns fest, Platz 9 wird es nicht wieder, eher Abstiegskampf, in dem dann aber andere doch noch schwächer sind.
Prognose: Platz 12-16