Nicht abschotten!

Nicht abschotten!

Die Pflicht ruft, die in diesem Fall gerne auch ein bisschen Kür sein darf. Bevor Borussia mit dem Auswärtsspiel in Leipzig in die Bundesliga-Saison startet, steht wie schon gewohnt die erste Hauptrunde im DFB-Pokal an. Der Gegner, der TSV Schott Mainz, hat zum vierten Mal diese Runde erreicht, jeweils durch den Gewinn des Landespokals Südwest. Weiter ist der Verein auch nie gekommen. 2022 gab es eine 0:3-Niederlage gegen Hannover 96, ein Jahr später ein 1:6 gegen den Ballsportverein Dortmund und ein weiteres Jahr darauf unterlagen die Mainzer der SpVgg Fürth mit 0:2. Nach einem Jahr Pause – im Landespokal hatte man gegen Pirmasens den Kürzeren gezogen – steht für die Nummer zwei in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt zum zweiten Mal ein Duell gegen einen Erstligisten an. Schott Mainz ist in den vergangenen Jahren zwischen Viert- und Fünftklassigkeit gependelt. Vier Aufstiegen seit 2017 folgte jeweils der Abstieg nach einer Saison. Der Name „Schott“ rührt von der Schott AG, einem Technologieunternehmen das Spezialglas und Glaskeramik produziert. Das Unternehmen stand Pate bei der Gründung des Vereins im Jahr 1953 und fungiert seit jeher als Hauptsponsor, der TSV wird aber eigenverantwortlich geführt. Der Kader der ersten Herrenmannschaft besteht fast ausschließlich aus Spielern, die im Südwesten sportlich sozialisiert wurden, die meisten haben maximal Regionalligaerfahrung. Nur die Verteidiger Jan Just und Silas Schwarz haben für Waldhof Mannheim Spiele in der Dritten Liga bestritten. Der Spieler mit dem höchsten nominellen Marktwert ist der 20-jährige Mittelfeldmann Sean Horozovic, der die Jugendmannschaften des Lokalkonkurrenten Mainz 05 durchlaufen hat, dort auch Erfahrung in der UEFA-Youth-League sammelte und seit einem Jahr für Schott spielt.

Im Stadion des FSV Mainz 05 findet auch das Pokalspiel am Sonntag um 15:30 statt. Dass Borussia als haushoher Favorit dorthin fährt, bedarf keiner Erklärung.

Wie Borussia zurzeit sportlich einzuschätzen ist, ist kaum zu sagen. Auch das Pokalspiel gegen den Oberligisten muss nicht unbedingt Aufschluss in dieser Frage bringen, wenngleich klar sein sollte, dass das Team die Aufgabe mit der gebotenen Demut und Seriosität angehen muss. Der „Kleine“ im Pokal wird sich zerreißen und dass sie kämpfen können, haben die Mainzer erst am Dienstag gezeigt, als sie im Landespokal mit 3:1 nach Verlängerung gegen den Ligakonkurrenten Wormatia Worms gewannen.

Nicht wirklich zerrissen hat sich der letzte Gegner Borussias in der Vorbereitung. Die gut besuchte Partie gegen Aston Villa zur Saisoneröffnung im Borussia-Park geriet zum Muster ohne großen Wert. Gerade in der ersten Halbzeit, als Eugen Polanski die vermeintliche erste Garde auf dem Platz hatte, standen dort für die Engländer überwiegend Ergänzungsspieler, die sich eher verhalten gegen die folglich überlegenen Borussen wehrten. So sah zwar das Meiste, was die Gladbacher zeigten, gut aus, viel bedeuten muss das aber freilich nicht.

Immerhin lässt die Aufstellung gegen Aston Villa gewisse Rückschlüsse auf die erste Elf zu, die es auch im Pokal wird versuchen dürfen. Dabei zieht Eugen Polanski dem Wechselkandidaten Joe Scally auf der rechten Position in der Viererkette den Neuzugang Daiki Hashioka vor. Auf der linken Seite hat Lukas Ullrich einen Vorsprung gegenüber David Herold. Die Leistung beider gegen Aston Villa lässt das als vernünftig erscheinen. In der Innenverteidigung ist Kevin Diks gesetzt, daneben machte der junge Jan Leszczynski einen guten Eindruck. Dass Polanski den Neuzugang durchspielen ließ, dürfte auch ein Fingerzeig sein. Fabio Chiarodia ist ohnehin noch nicht wieder fit und Ko Itakura erst seit Donnerstag wieder in Gladbach, möglicherweise ist der Rückkehrer noch gar nicht im Kader.

Im defensiven Mittelfeld spricht alles für das Duo Sander/Stöger. Enzo Leopold sammelte in der zweiten Halbzeit gegen Villa eher Minus- als Pluspunkte, ganz im Gegensatz zu Mathieu Nguefack. Dass Polanski den Nachwuchsmann spielen lässt, ist durchaus wahrscheinlich, dass er das von Beginn an tun wird, eher nicht.

Mehr überlegen muss der Trainer, wie er die offensiveren Positionen im Mittelfeld besetzt. Hugo Bolin scheint gesetzt zu sein, Franck Honorat erinnerte gegen Aston Villa an einen Spieler, der früher Mal sehr erfolgreich für Borussia gespielt hat. Der hieß auch Franck Honorat, war über die komplette vergangene Spielzeit aber von einem unmotivierten Doppelgänger vertreten worden. Sollte Honorat (welcher auch immer) spielen, bliebe dem zuletzt vom Pferd geküssten und daher indisponierten Wael Mohya zunächst wohl der Platz auf der Bank, es sei denn, Polanski setzt Mohya anstelle von Robin Hack ein.

Im Sturm gibt es keine Fragezeichen. Tim Kleindienst ist wieder da und wenn er gesund ist, spielt er und das ist auch richtig so.

Auf die gewohnten Tipps verzichten wir an dieser Stelle. Eigentlich wäre alles, als ein klarer Sieg für Borussia, eine große Überraschung, aber der Pokal und so. Wirklich wissen, wie gut oder schlecht Borussia im ersten Jahr nach dem Umbruch, der diesmal wirklich einer war, ist, werden wir erst nach ein paar Bundesligaspielen. Unsere Prognose dazu könnt Ihr hier in der kommenden Woche lesen, wenn wir uns vermutlich, hoffentlich, auch auf eine zweite Runde im DFB-Pokal freuen können.

Die Bilder der Saison