Der Seitenwahl-Redaktion wird traditionell eine gewisse negative Grundeinstellung vorgeworfen. Und zweifelsohne gibt es immer wieder Situationen, in denen wir von Borussia positiv überrascht werden. Dass die Mannschaft z. B. aus den letzten fünf Saisonspielen noch acht Punkte holen würde, hätte keiner von uns auf der Rechnung gehabt. Insgesamt sind die Prognosen der Redaktion aber weit weniger überkritisch als es durch die Borussen-Brille den Anschein haben mag. Bester Beleg hierfür ist die Prognose zu Beginn dieser Saison, bei der sich die Redaktion einig war, ein Ergebnis zwischen Platz 10 und 14 zu erwarten. Im Folgenden reflektieren unsere Redakteure ihre wesentlichen Erkenntnisse dieser komplizierten Saison – mit Blick auf die vorherigen Erwartungen.
Michael Heinen: Ich bin mit meiner Saisonprognose recht zufrieden. Dass es am Ende tatsächlich Platz 12 wurde, ist zugegebenermaßen etwas glücklich. In den letzten Spielen einer Saison spielen Druck und Psyche eine noch größere Rolle als ohnehin im Fußball. Von daher sollten diese Ergebnisse in der Gesamtbetrachtung nicht überbewertet werden. So erfreulich das 1:0 gegen Dortmund und das 4:0 gegen Hoffenheim gewesen sind. Die beiden Siege dürfen nicht über das schwache Bild hinwegtäuschen, dass die Mannschaft insgesamt in dieser Spielzeit abgegeben hat. Man möchte sich nicht ausmalen was hätte möglich sein können, wenn die Mannschaft ihre Stabilität einzelner Topspiele über 34 Spiele hinweg durchgehalten hätte. Mit Ausnahme einer kurzen Hochphase im Spätherbst konnte allerdings keinerlei Konstanz in die Auftritte gelegt werden. 12 Spiele zu Null, aber dafür 53 Gegentore in den übrigen 22 Partien sind nur eine Absurdität dieser insgesamt höchst durchwachsenen Spielzeit. Im Übrigen die sechste Spielzeit in Folge, an deren Ende die Enttäuschung gegenüber der Zuversicht überwiegt.
Das Minimalziel Klassenerhalt wurde zwar am Ende doch noch relativ souverän erreicht. Dies kann und darf aber mittelfristig nicht der Anspruch von Borussia Mönchengladbach sein. Das Ziel, eine glaubwürdige Perspektive für eine bessere Zukunft abzubilden, in der sich Borussia wieder näher an den europäischen Rängen als am Abstiegskampf orientieren kann, wurde verfehlt. Eine echte Entwicklung der Mannschaft oder einzelner Spieler war leider kaum zu beobachten. Ein Lichtblick war die überfällige Demission von Roland Virkus, unter dessen Wirken sich der schleichende Abstieg des Vereins ausgebreitet hatte. Rouven Schröder wird diesen Trend in den kommenden Monaten und Jahren wieder umkehren müssen, damit der schon in dieser Saison akut drohende Abstieg nicht nur aufgeschoben wurde.
Kommen wir zum Positiven dieser Saison. Hier ist an erster Stelle Moritz Nicolas zu nennen, der seine zweite starke Saison in Folge absolviert hat. Die Konstanz, mit der er nahezu fehlerlos agiert, ist absolut beeindruckend. Nach den Daten der Statistik-Experten von Opta hat er in 34 Partien lediglich einen spielentscheidenden Patzer verursacht. Zum Vergleich: Deutschlands vermeintliche Nr. 1 hat in nur 22 Auftritten deren sieben zu verantworten – der mit Abstand höchste Wert aller Bundesligatorhüter, obwohl er in jedem zweiten Spiel seiner Bayern so gut wie nichts zu tun bekommen hat. „Aber Real“, mögen seine nostalgieverliebten Fanboys jetzt einwenden. Wer Borussias Partie in Leipzig gesehen hat, der weiß, dass Weltklasse-Paraden keine Exklusiv-Fähigkeit eines einzelnen Torhüters sind. Ginge es rein nach dem Leistungsprinzip, so wäre eine Nominierung von Moritz Nicolas für die WM alternativlos gewesen. Schade für ihn – und für Deutschland – dass seine Lobby hierfür nicht ausgereicht hat.
Eine ausreichend starke Lobby im Verein scheint immer noch Eugen Polanski zu haben, der offensichtlich doch weiter Trainer wird bleiben dürfen. Wenn er dies tatsächlich den letzten beiden Heimspielen zu verdanken hat, dann spräche dies leider für eine gewisse Kurzsichtigkeit der Verantwortlichen. Ich sähe die Verpflichtung eines Trainers, der anderswo bereits nachhaltige Erfolge nachgewiesen hat, für erfolgversprechender an. Ob die im Boulevard genannten Poulsen, Eckert und Co. geeignet und verfügbar wären, ist Sache des Borussen-Scoutings. Vielversprechende Trainer gibt es zu genüge auf dieser Welt, sodass man sich nicht auf die riskante Wette einlassen müsste, ob Eugen Polanski aus einem besseren Kader mehr herausholen könnte. Sollte ihm der Verein dennoch sein Vertrauen aussprechen, so ist dem sympathischen Ur-Borussen jegliches Glück dieser Welt zu wünschen, mich und alle anderen Kritiker in der kommenden Saison Lügen zu strafen und nach sechs unglücklich verlaufenden Spielzeiten endlich mal wieder eine positive Saison zu verantworten.

Mike Lukanz: Jaja, das haben sie sich schön gedacht bei Borussia. Am letzten Spieltag greifen sie auf einmal tief in die Trickkiste, liefern ein absurd kitschiges Saisonfinale und glauben, damit wäre alles wieder gut: 4:0-Heimsieg gegen ein Europapokal-Team, erstes Tor von Bolin, Tabakovic trifft im letzten Auftritt, Traumtor von Diks, Rückkehr von Kleindienst und ein Kontertor von Robin Hack. Überall strahlende Gesichter. Aber wir kennen aus Hollywood und Netflix, dass ein Happy End keine miese Story vorher kaschieren kann. Das ist fürs Gefühl, hat aber mit der Ratio eines Multi-Millionen-Unternehmens nichts zu tun. Sollte es zumindest nicht.
Aber lasst uns nicht um den heißen Brei reden: Ein Rückblick auf die Saison ist unweigerlich mit der wichtigsten Personalie verbunden: Eugen Polanski. Wer sich für einen Moment der inzwischen antrainierten Reflexe entledigt, sofort zu allem eine feste Meinung zu haben, kommt zu dem Schluss, dass die Analyse gar nicht so einfach zu sein scheint. Ja, Polanski hat den Klassenerhalt geschafft, 12 Spiele zu Null gecoacht und ist mit der Mannschaft am Ende auf einem okay-en Tabellenplatz gelandet; in einer Saison, die die Mannschaft ohne zwei ihrer besten Spieler auskommen musste und dessen Kader der Trainer kaum mitgehalten konnte. Dagegen stehen einmal mehr viele, zu viele seelen- wie inspirationslose Auftritte, die, so viel Fairness sei erlaubt, auch schon vor Polanski nicht aus dem Kader auszutreiben waren. Ist doch etwas im Wasser an der Hennes-Weisweiler-Allee? Und wenn ja, müssen sie den Anbieter gewechselt haben, denn in den 2010er-Jahren schien dieses Phlegma ja verschwunden, auch wenn nicht jedes Jahr mit Europa endete.
Was machen wir also mit Polanski? Meine Intuition sagt, dass es einen neuen Impuls braucht. Polanski kam nach dem 3. Spieltag, nicht nach dem 17.; er hatte also trotz allem ausreichend Zeit. Eine richtige Spielidee war selten auszumachen, ständige Positions- und Taktikwechsel und eine selbst für Außenstehende offenbar nicht vorhandene Fähigkeit, im Spiel auf Entwicklungen zu reagieren. Dazu eine am Ende wenig souveräne und oft schnippische Kommunikation. Der Verstand indes denkt pragmatisch: Eine Entlassung kostet Geld. Geld, das wir auch in den Kader stecken könnten. Und ja, vielleicht hat Polanski das Argument auf seiner Seite, dass er einmal mit einem auch mit ihm abgestimmten Kader eine komplette Vorbereitung absolvieren zu dürfen. Die Tabelle sagt, dass Borussia am Ende ebenso weit von Europa weg war wie vom Relegationsplatz, auch wenn das Gefühl eines Abstiegs stets präsenter war als das nach Europa-Reisen.
Herz sagt also nein, Verstand sagt vielleicht - aber fast 40 Jahre Prägung als Borussia-Fan sagen: Das geht schief, und im Herbst suchen wir wieder einen Feuerwehrmann. Es ist verhext.
Denn womöglich ist ein anderer Mann noch viel wichtiger: Rouven Schröder. Zwischen dem Abpfiff nach dem 4:0 gegen Hoffenheim und während in diese Zeilen schreibe, hat Borussia bereits zwei Transfers für die neue Saison eingetütet (Batz & Herold), diverse weitere Namen sind im Gespräch. Es ist erstaunlich und begrüßenswert, wie vorbereitet Schröder zu sein scheint. Es werden Fakten geschaffen und nicht auf ominöse Dominosteine gehofft, die im Nachklang dieser (ebenso absurden) Weltmeisterschaft fallen mögen. Grüße gehen raus an Roland Virkus! Die Wahl der Spieler, bereits verpflichtete wie kursierende, zeigt darüber hinaus, dass Schröder sehr genau die Schwachstellen im Kader erkennt und beheben möchte. Letztlich wird er es sein, der auch die Trainerposition als Schwachstelle ausmacht, oder eben nicht.
Christian Spoo: Natürlich hatten wir alle Recht, zumindest was die Prognose zum tabellarischen Abschneiden von Borussia in der Saison 2025/26 angeht. Meine persönliche – nicht allzu eng gefasste – lautete „irgendwo zwischen Platz 10 und 14". Borussia landete genau dazwischen. Aber sonst? Eine Saison ohne bangen Blick nach unten hielt ich für möglich, da lag ich falsch. Nun bin ich grundsätzlich niemand, der jemals eine rosarote Brille getragen hätte, aber mein Blick nach unten wandte sich exakt zu dem Zeitpunkt, als Florian Badstübner in sein Headset textete, dass das 1:0 von Haris Tabakovic gegen Borussia Dortmund entgegen seiner ersten Annahme nicht aus Abseitsposition erzielt worden war und deswegen zähle. Bis dahin lebte ich fußballerisch in Sorge. Geradezu amüsant liest sich mit dem Wissen von heute die Behauptung, Borussia habe Alassane Plea positionsgetreu ohne großen Qualitätsverlust ersetzt. Welchen Spieler hatte ich dabei im Hinterkopf? Ich fürchte, es war Shuto Machino und für diese Idee gebührt mir wirklich der Golden-Bus-Driver-Award. Die Hoffnung auf einen Mentalitätswechsel der schon in der Vorsaison extrem wankelmütig daherkommenden Mannschaft, sie wurde so deutlich geäußert wie später enttäuscht. Dass es eine neue klare Hierarchie geben könnte, reines Wunschdenken. Nein, die Saison war auch für jemanden, der immer eher die Wolke als den Silberstreif am Horizont sieht, eine Enttäuschung. Ich habe einige der schlechtesten Spiele von Borussia von Anbeginn meiner Anhängerschaft (ca.1977) gesehen, ich habe einen Verein gesehen, der an seinen piefig-provinziellen Strukturen zu Grunde zu gehen drohte. Da allerdings liegt dann auch der Teil der Entwicklung, der zarten Anlass zum Optimismus bietet: Es deutet sich an, dass die genannten Strukturen im Begriff sind, überwunden zu werden. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und die Signale auf der Mitgliederversammlung gegen Ende der Saison waren alles andere als eindeutig, aber es besteht die Hoffnung auf einen weniger ehrpusseligen, vergangenheitsbesoffenen und kleinunternehmerischen Kurs.

Uwe Pirl: Die Saison ist rum und wie ist das Fazit? Borussia kam auf Platz 12 mit 38 Punkten ein, das entspricht in etwa dem Mittel meiner Erwartungen, die ich vor der Saison im Borussen-Check mit „bei normalem Verlauf oberer oder unterer Mittelfeldplatz, bei schlechtem Verlauf akute Abstiegsgefahr“ formuliert hatte.
Was bleibt von dieser bescheidenen Saison?
Auf jeden Fall eine nicht beendete Trainerdiskussion. Eugen Polanski hat – das ist das Positive – die Mannschaft in der Bundesliga gehalten. Er hat die Abwehr stabilisiert. Er hat es aber nicht geschafft, der Mannschaft ihre Wankelmütigkeit auszutreiben. Er vermittelt darüber hinaus auch nicht den Eindruck, den Fußball neu erfinden zu können oder zu wollen. Über Motivationsrhetorik hinausgehende Statements zum Spiel sind von Polanski nicht überliefert. Vor dem Hintergrund bleiben erhebliche Zweifel daran bestehen, ob Polanski wirklich das große Trainertalent ist, als das man ihn seitens der Vereinsführung sieht (oder den Fans zu verkaufen sucht). Ob es mit ihm weitergeht ist unklar, wenn ja, kann er eine Probe seines Talents liefern.
Enttäuschend war vor allem die Mentalität der Mannschaft, bei der man als Beobachter nicht immer den Eindruck haben konnte, dass jeder alles gibt. Vor allem die talentierteren im Kader, allen voran Honorat und Neuhaus, aber streckenweise auch Stöger blieben den Beweis ihrer mentalen Stabilität oder aber ihrer lückenlosen Motivation schuldig. Ulrich lässt keine Weiterentwicklung erkennen, Scally auch nicht. Hack und Kleindienst waren das ganze Spieljahr verletzt, was kein gutes Licht auf die medizinische Abteilung wirft. Machino ist bisher ein Fehleinkauf, was nicht allein am Spieler liegt, sondern auch daran, dass er nicht auf der Position eingesetzt wird, die ihm liegt.
Trotzdem gibt es auch positive Aspekte. Moritz Nicolas hat sich zu einem der besten Bundesligatorhüter entwickelt. Kevin Diks konnte den Anspruch eines Abwehrchefs erfüllen. Sander entpuppte sich als sehr brauchbarer Innenverteidiger, Chiarodia ist einen Schritt weiter. Wael Mohya und Hugo Bolin deuten an, dass wir in ihnen noch viel Freude haben könnten. Hack wirkt wieder gesund. Spieler der Saison ist aber eindeutig Haris Tabakovic, dem ich offen gestanden diese Leistung nicht zugetraut hätte. 13 Tore sind eine sehr ordentliche Ausbeute und waren die Lebensversicherung für Borussia Mönchengladbach. Aber auch der Einsatz, den „Fluppe“ in jedem Spiel buchstäblich bis zur totalen Erschöpfung zeigt, wird bei mir hängen bleiben. Ihm wäre wirklich zu wünschen, dass die Verletzung aus dem letzten Spiel einer WM-Teilnahme nicht im Wege steht.
Für die Zukunft extrem wichtig sein wird eine andere Personalie aus dieser Saison, die des Sportdirektors. Rouven Schröder kommt von außen und vertreibt den Muff aus 125 Jahren Borussia. Frischer Wind ist zu verspüren, eine Neuaufstellung der sportlichen Abteilung wird angegangen und das Schmoren im eigenen Saft ist – fast – beendet. Ob das Erfolg hat? Wir werden sehen …

Claus-Dieter Mayer: Wie bei vielen Arbeitgebern üblich gibt es in meiner Organisation einmal im Jahr das sogenannte „Performance and Development Review“ (PPDR). Dabei gibt es immer den spannenden Moment, in dem man sich die Liste der im Vorjahr formulierten Ziele anschaut (die man natürlich zwischenzeitlich komplett vergessen hatte), um dann zu überlegen, ob man irgendetwas davon auch wirklich erledigt hat. Ein bisschen ähnlich ist es, den eigenen Borussia-Tipp aus dem August des Vorsommers nach neun endlosen Monaten wieder hervorzukramen. Oh mein Gott, was habe ich da wohl geschrieben? Hoffentlich hatte ich nicht das Mega-Comeback von Flo Neuhaus mit krönender WM-Nominierung vorhergesagt. Oder den Durchbruch des unschlagbaren Seoane-Balls als Krönung aller taktischen Entwicklungen im Fußball der letzten 150 Jahre. Beim Überfliegen meines damaligen Textes konnte ich mich aber schnell entspannen: Peinliche Fehleinschätzungen sind dort Mangelware, es dominieren eher deprimierend akkurate Prognosen (wie auch bei den geschätzten Kollegen).
Ich beklage dort z. B. einen Mangel an Vorfreude auf die Saison und kann im Nachhinein nur festhalten, dass es auch höchst wenig gab, worauf man sich hätte freuen können. Platz 10 bis 14 war die tabellarische Einschätzung, die den tatsächlichen Ausgang ja wunderbar in ihrer Mitte hat. „Übergangssaison forever!“ war ein kleiner Ausruf von mir, der meinen präventiven Frust wohl ganz gut zusammenfasste – und so kam es dann auch. Was ich nicht (oder zumindest nicht explizit) vorhergesehen hatte, ist, dass man sich mit Seoane und Virkus frühzeitig vom kompletten Führungsteam trennen würde. Eigentlich eine prima Sache – wäre dies im Mai 2025 passiert. Vor allem der Trainerrauswurf war nach dem katastrophalen Einbruch zum Ende der Spielzeit 24/25 eigentlich unvermeidlich. Man entlässt den Trainer nicht nach nur drei Spielen und einem Punkt, wenn man völlig von ihm überzeugt ist. Insofern war diese Entlassung auch das Eingeständnis eines dicken Fehlers seitens der Vereinsführung, an den man sich bei der diesjährigen Saisonanalyse bitte sehr gut erinnern sollte. Dieser Umbruch in der Führung während der Hinrunde macht die Bewertung aber auch sehr kompliziert, denn Polanski und Schröder mussten ja erst einmal mit der Scheiße klarkommen, die ihnen Seoane und Virkus hinterlassen hatten. Was den Trainer angeht, so haben wir das, glaube ich, schon öfter durchgekaut: Klassenerhalt geschafft, in der Hinrunde auch eine Stabilisierung hinbekommen, aber auf Dauer (er hatte immerhin 31 Spieltage Zeit) auch nichts wirklich entwickelt. Die Leistung des Sportdirektors wird man wohl erst in einem Jahr richtig beurteilen können, wenn sich zeigt, wie die Aktivitäten in der kommenden Transferperiode gewirkt haben. Zumindest ist es schon mal wohltuend, dort jemanden zu haben, der Professionalität ausstrahlt und kommunizieren kann.
Natürlich gab es aber auch in so einer verkorksten Saison vereinzelte Lichtblicke. Jens Castrop war vielleicht zuweilen etwas zu temperamentvoll, zeigte aber einige Klassepartien und könnte auf Dauer ein Leistungsträger werden. Kevin Diks ist das bereits und half sehr dabei, die Gladbacher Defensive zu stabilisieren. Auch der Youngster Mohya machte Hoffnung auf mehr. Das sollte aber nicht davon ablenken, dass es nichts schönzureden gibt. Die Spielzeit 2025/26 wird wohl auf ewig durch die letzte Minute im Heimspiel gegen Mainz symbolisiert bleiben, und man kann nur hoffen, dass im Sommer die Weichen gestellt werden, die verhindern, dass man solche Momente noch einmal erleben muss.

Michael Oehm: Ich hatte in meiner Prognose den 12. Platz als das höchste der Gefühle ermittelt und einen Platz 14 prophezeit. Ganz so schlimm ist es nicht gekommen, allerdings ging es trotzdem einen weiteren Schritt nach unten. Die Prognose stand seinerzeit unter dem Eindruck der ersten Pokalrunde, als man einem Fünftligisten zeitweise hinterherlaufen musste. Dass einem da Angst und Bange um die Defensive wurde, wen wundert's? Nun hat man in dieser Saison die Zahl der Gegentore um vier verringern können. Von einem sehr hohen Niveau kommend, ist das keine wirkliche Verbesserung. Und dass sich diese 53 Tore allerdings auf 21 Spiele verteilen, ist nahezu grotesk. Zugleich sank zudem die Zahl der erzielten Tore von 55 auf 42, weshalb man auch 7 Punkte weniger als in der Vorsaison erzielte. Angesichts der Schwäche der Liga ist auch das mehr als nur dürftig.
Immerhin: die Untergangssaison ist es nicht geworden, aber eine echte Übergangssaison was es eben auch nicht. Es stimmt schon: Es hat sich etwas verändert. Eugen Polanski übernahm am 4. Spieltag. 5 Gegentore gingen also nicht auf seine Kappe. Ein Schnitt von 1,2 Punkten pro Spiel wird wohl immer für den Klassenverbleib reichen, der freie Fall unter Seoane wurde gestoppt. Zudem wurden wir zwei weitere Spieltage später auch von dem stets bemühten aber glücklosen Kommunikationsdesaster erlöst, das bis dahin auf dem Posten des Geschäftsführers Sport saß. Es war also nicht alles schlecht.
Für eine kurzfristige Besserung, eine echte Neuausrichtung hat das alles jedoch noch nicht gereicht, denn der Tanker Borussia wendet sich nur äußerst schwerfällig; so langsam, dass man bisweilen gar nicht weiß, ob das Ruder überhaupt bewegt wird. Aber man muss hoffen, dass es das tut. Geradeaus fährt man nämlich auf den Eisberg zu.