Abschlussstark

Abschlussstark

Auf eins können wir uns vermutlich alle einigen am Ende einer mehr als schwierigen Saison: Das letzte Spiel Borussias bildet einen versöhnlichen Abschluss. Es war für alle, die es mit den Gladbachern halten, ein wirklich schöner Nachmittag im Borussia-Park. Bei angenehmen Temperaturen gab es einen munteren Kick zu bewundern, in dem die Heimmannschaft über 90 Minuten das bessere Team war und einen auch in der Deutlichkeit durchaus verdienten Sieg über einen Champions-League-Aspiranten feierte. Sehenswerte Tore inklusive.

Was aber bedeutet das 4:0 gegen die TSG Hoffenheim über die Tatsache „schöner Nachmittag“ hinaus für Borussia? Bedeutet es überhaupt etwas und weiß man das im Verein? Im Grunde zeigte sich an diesem Nachmittag wieder ein Charakteristikum der Mannschaft, das nicht in den Griff zu bekommen zu sein scheint: Extremer Wankelmut. Wie kann eine Mannschaft gegen Dortmund und Hoffenheim wirklich zielstrebigen und gut anzuschauenden Fußball mit großem Engagement auf den Platz bringen, in Augsburg und zu viele anderen Gelegenheiten innerhalb der vergangenen vier Jahre aber wahlweise lustlos, überheblich, ängstlich, schlampig oder ideenarm auftreten? Und gibt es irgendwo eine Idee, wie man der Mannschaft diesen Wankelmut austreiben kann?

Der Umbruch soll es richten, davon ist allerorten die Rede. Aber was gehört umgebrochen? Wird die Mannschaft automatisch besser, wenn die Großverdiener Florian Neuhaus, Marvin Friedrich und Jonas Omlin nicht mehr mittrainieren? Schafft die Verpflichtung weiterer Leistungsträger von Zweitligamannschaften endlich die gewünschte Struktur? Gibt es die neben dem Umbruch ähnlich häufig geforderte „Idee vom Fußball“ bereits, oder soll die erst während der angekündigten „Analyse“ nach dem Ende dieser Saison entwickelt werden? Und natürlich ist da die Frage, die die Medien gerade massiv umtreibt (und viele Fans sicher auch): Gehen Umbruch und Idee mit Eugen Polanski oder benötigt Borussia auf dieser Position ebenfalls neues Personal?

Diese Fragen werden nun in den kommenden Wochen auf die eine oder andere Weise beantwortet werden, greifen wir dem nicht vor sondern schauen nochmal kurz auf den Samstagnachmittag zurück. Wie schon der Ballsportverein Dortmund zeigte auch die TSG „1899“ Hoffenheim nicht das, was sie in dieser Saison bis zum Auftritt im Borussia-Park so stark gemacht hatte. Im Gegensatz zu Dortmund hatte Hoffenheim allerdings noch viel zu gewinnen bzw. verlieren. Im Nachhinein wissen wir: Ein Sieg in Mönchengladbach hätte das kurpfälzische Milliardärsspielzeug in die Champions-League bugsiert. Von der Gier (um es auf polanskisch zu sagen) darauf war bei der Mannschaft von Christian Ilzer allerdings wenig bis gar nichts zu sehen. Zehn Minuten lang drückte Hoffenheim, spätestens mit dem Gladbacher Führungstor aber war das vorbei und die TSG lieferte den Auftritt, den man eher Borussia zugetraut hätte: Fahrig, mutlos, unkonzentriert. Und Borussia tat das Ihre dazu, dass das Hoffenheimer Spiel so gut wie nie zur Entfaltung kam. Borussia kann auch Viererkette, Nico Elvedi und Kevin Diks machten beide ein blitzsauberes Spiel, Lukas Ullrich war endlich so griffig, wie man sich einen Linksverteidiger vorstellt. Der auf die Reitz-Position vorgerückte Philipp Sander ließ seinen Katastrophen-Auftritt gegen Augsburg vergessen und harmonierte gut mit Yannic Engelhardt, der sein Gladbacher Jahr mit einem ebenfalls sehr ordentlichen Auftritt und einem Scorerpunkt abschließen konnte. Als Schlüssel-Wechsel gegenüber dem Augsburg-Spiel erwies sich die Herausnahme von Franck Honorat zugunsten von Hugo Bolin. Der Schwede war engagiert, spielstark und torgefährlich.

Auch Wael Mohya auf der anderen Seite machte es gut, Kevin Stöger spielte solide, was angesichts seiner sonstigen Neigung zum missglückten Kabinettstückchen als Lob gemeint ist. Und Haris Tabakovic krönte seinen unter dem Strich als erfolgreich zu betrachtenden kurze Karriereabschnitt als Borusse wie es sich gehört: Mit einem Tor (und einem weiteren, bei dem ihn außer dem VAR eigentlich niemand im Abseits hatte stehen sehen).

Schön auch, was sich gegen Ende der Partie zutrug: Ein Traumtor von Kevin Diks, die Einwechslung von Tim Kleindienst und das i-Tüpfelchen von Robin Hack. Lange sah man keinen Borussen mehr so entschlossen wie Hack bei der Balleroberung, der dann ein sehenswerter Sololauf mit coolem Abschluss folgte. Da war sie, die vielzitierte „Gier“. Und man fragt sich unweigerlich, was diese Saison möglicherweise hätte verhindert werden können, hätte Borussia diesen Robin Hack zur Verfügung gehabt.

Nun ist es also wirklich vorbei, das „Scheißjahr“, und die kommenden Wochen werden möglicherweise spannender als das Saisonfinale. Womöglich ändert sich aber auch gar nichts. Borussia ist immer noch Borussia, Schröder hin, Schröder her. Und dass das schöne letzte Spiel nicht doch die Brillengläser des einen oder anderen Analytikers ein wenig ins Purpurne färbt, wird sich kaum verhindern lassen. Zitieren wir uns zum Abschluss kurz selbst: Dass es nach dieser Saison mehr Analyse, Aufarbeitung und Konsequenzen geben wird, als nach den letzten Spielzeiten, als dasselbe Prozedere angekündigt wurde, man möchte dran glauben, wetten sollte man darauf aber nicht.

Die Bilder der Saison