im falschen Film?
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im falschen Film?

Es gibt sie noch, diese Tage, an denen man als Fan von Borussia Mönchengladbach das Grinsen nicht aus dem Gesicht bekommt. Wann der letzte dieser Art war, schwer zu sagen. War es unter Marco Rose? Vielleicht sogar unter André Schubert? Auf jeden Fall lange her. Heute ist so ein Tag: Klassenerhalt eingetütet, Borussia Dortmund geschlagen und vor allem – und das ist fast das bemerkenswerteste – ein richtig gutes Spiel der eigenen Mannschaft gesehen.

Was hatten wir erwartet: Überwiegend eine Niederlage, eine polanskische Mauertaktik, bei der mit sehr viel Glück ein Pünktchen gegen übermächtige Dortmunder herausspringen würde.

Was bekamen wir: Einen hochverdienten Last-Minute-Sieg, eine Mannschaft, deren Auftreten scheinbar aus dem Nichts ein völlig anderes war, als in den vergangenen Wochen und – auch das gehört zur Wahrheit – ein sehr harmloses Team vom Nordrand des Sauerlandes.

Borussia zeigte gegen Dortmund all das, was wir in dieser Saison so häufig und so schmerzlich vermisst haben. Mut, Selbstvertrauen, Energie, Laufbereitschaft, 100 Prozent Engagement über 90 +4 Minuten. Von Beginn an war zu sehen: Diesmal wollte man sich nicht einigeln, nichts ermauern. Borussia stresste die Dortmunder teilweise schon am eigenen Strafraum, es gab kaum Phasen, in denen man den Gegner kommen ließ. Borussia war fast über die komplette Spielzeit das aktivere, das galligere und, um das zu zitieren, was Polanski von seiner Mannschaft vermeintlich immer sehen will, gierigere Team.

Dabei konnte sich Borussia auf den Mannschaftsteil verlassen, der ohnehin seit vielen Wochen recht zuverlässig abliefert: Die defensive Dreierkette. Philipp Sander und Nico Elvedi machten beide ein Spiel ohne Fehl und Tadel. Serhou Guirassy war komplett abgemeldet. Keine Torchance hatte der Dortmunder Mittelstürmer, keinen Zweikampf konnte er für sich entscheiden. Ob am Boden oder in der Luft, die Gladbacher Verteidiger agierten abgeklärt und sicher, konnten zeitweise bemerkenswert hoch stehen, ohne in Gefahr zu geraten. Sander und Elvedi gefielen in der Spieleröffnung und schalteten sich auch immer wieder ins Spiel nach vorne ein. Nico Elvedi gelang nach einem Stöger-Freistoß ein sehenswertes Tor, das wegen einer Abseitsstellung allerdings zurecht nicht gegeben wurde. Fabio Chiarodia, der für den offenbar noch nicht ganz fitten Kevin Diks links in der Kette spielte, machte defensiv auch alles richtig. Ihm fehlte allerdings sichtlich der Mut, mehr zu versuchen. Der 20-Jährige hatte vor allem Fehlervermeidung im Sinn. So endete nahezu jeder Versuch, über seine Position aufzubauen in einem Rückpass auf Moritz Nicolas.

Elvedi und Sander waren die stärksten Akteure, zu sehen war aber eine echte Mannschaftsleistung, in der erstaunlich viel ineinandergriff. Die unmotivierten Fehlpässe und Ballverluste im Mittelfeld, die in dieser Saison zum Standardrepertoire gehören, waren kaum zu sehen. Oft waren die Gladbacher in engen Situationen den entscheidenden Tick eher am Ball als der Gegner. Rocco Reitz und Wael Mohya gingen dabei mit Engagement und Ehrgeiz voran.

Allein vor dem Dortmunder Tor war es dann aber doch vorbei mit der Gladbacher Herrlichkeit. So souverän das Team in den hinteren drei Vierteln des Platzes auftrat, so schwer tat es sich erneut im gegnerischen Strafraum. Teilweise fehlten bei Kopfbällen die entscheidenden Zentimeter, noch häufiger aber kam es gar nicht zum Abschluss, trafen die vorbereitenden Spieler falsche Entscheidungen, so dass die Angriffe im Nichts verendeten. Franck Honorat gelingt nach wie vor nach vorne nicht viel. So emsig er seinen Job als Schienenspieler auf rechts machte, so unglücklich agierte er, wenn er seinen einstigen Renommierjob als Flankengeber oder Passgeber ausführen sollte.

All das war letzten Endes aber egal, als Reitz durchsteckte, Tabakovic startete, vor Kobel kühl blieb und der VAR den Linienrichter korrigierte. Verdient gewonnen, Relegation vermieden, ein schöner Tag.

Borussia Dortmund allerdings war an diesem Tag nicht wirklich Borussia Dortmund. Diverse Ausfälle waren nicht der Grund, die kann man mit einem Kader wie er Niko Kovac zur Verfügung steht, kompensieren. Aber zu keinem Zeitpunkt machte der Ballsportverein den Eindruck, es gehe noch um viel. Und so ist es ja auch: Die Champions League ist sicher, ob man nun Vize- oder Trizemeister wird, ist letzten Endes fast egal. Das TV-Geld, das da mehr fließt, ist für einen Verein wie diesen ein Peanuts-Betrag. Und so blitzte nur selten auf, dass in schwarz-gelb Spieler unterwegs waren, deren individuelle Fähigkeiten die ihrer Gladbacher Gegenspieler um einiges übersteigen. Ganz gelegentlich deuteten Brandt, Sabitzer oder Schlotterbeck an, was sie können, aber eben nur gelegentlich und ohne Konsequenzen für Borussia.

So könnte man, wäre man bösen Willens, die ganze Geschichte des Spiels auch anders erzählen: Selbst gegen ein sattes Team, das die Saison nurmehr austrudeln lässt, reicht es für Borussia nur mit viel Glück zu einem Sieg. Und wer weiß, hätte Elvedis Tor gezählt oder Borussia auf andere Weise früher im Spiel den Führungstreffer erzielt, vielleicht wäre Dortmund doch noch einmal aufgewacht. Aber so war die Dramaturgie perfekt und bösen Willens sind wir ohnehin nicht. So lassen wir das Grinsen heute erst einmal im Gesicht stehen, freuen uns über das versöhnliche Ende eines Scheißjahrs (W. Bonhof), auf zwei mehr oder weniger entspannte Restspieltage und machen uns über Borussias Zukunft erst ab Dienstag wieder Gedanken.

Die Bilder der Saison