Borussia Mönchengladbach wird auch in der Saison 2026/27 in der Bundesliga spielen. Lasst uns alle kurz durchatmen, denn Freude kann nach einer Saison, die beinahe in einer Katastrophe geendet hätte, nun wirklich nicht aufkommen.
Der Autor dieser Zeilen hatte in seinem Tipp ein räudiges 0:0 orakelt, was nur im Ergebnis so eingetreten ist. Denn in der ersten Halbzeit bot Borussia tatsächlich ein erstaunlich ordentliches Auswärtsspiel und hätte durchaus in Führung gehen können, vielleicht sogar müssen. Es gab gefällige Kombinationen zwischen den Strafräumen; das hohe Pressing, bis dato ein eher unergründetes Stilmittel am Niederrhein, führte tatsächlich zu vielen Ballverlusten der Gastgeber. Zum Halbzeitpfiff wies der Statistikbogen 10 (in Worten: zehn) Torschüsse aufs Tor für Borussia aus. Potzblitz! Haris Tabakovic hat sein Pulver für diese Saison aber leider schon seit Wochen verschossen, Franck Honorat war bemühter als zuletzt, jedoch weiterhin glücklos. Dennoch: Borussia schien willens, mit einem Auswärtssieg alle Zweifel über die Ligazugehörigkeit in der kommenden Saison beseitigen zu wollen.

Die zentrale Abwehr um Nicolas, Elvedi, Sander und Chiarodia stand weitestgehend stabil, wenngleich auch Wolfsburg durchaus zu ein, zwei Torchancen kam. Mit Blick auf die blanke Panik vor einem drohenden Abstieg im Vorfeld der Partie mutet es fast lustig an, dass das Spiel in der grotesk hässlichen Stadt am Mittellandkanal schon das elfte der laufenden Saison ohne Gegentor war. Defensive gewinnt offenbar nicht nur Meisterschaften, sondern verhindert auch Abstiege. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das 0:0 ebenso die zwölfte Bundesligapartie ohne eigenen Treffer war.
Borussia wäre jedoch nicht Borussia, wenn sie nicht erneut in der zweiten Hälfte eine merkwürdige Passivität an den Tag legte. Dass Wolfsburg zu mehr und leider Gottes auch sehr guten Chancen kam, war somit folgerichtig und nicht wenige Anhänger ahnten bereits, dass das Spiel so laufen könnte, wie es eben zu oft gelaufen ist. Eine sehr besondere Pointe hätte dann Giovanni Reyna in der 85. Minute setzen können. Nach einer Flanke vom eingewechselten Robin Hack (ja, er ist wieder da!) stieg Reyna, ebenfalls von der Bank gekommen, technisch etwas unbeholfen zum Kopfball hoch, der Ball flog in Zeitlupen-Geschwindigkeit an den rechten Pfosten und leider nicht ins Tor. Roland Virkus hatte seinen Tweet mit „Na, wer hat ihn geholt? WER?“ schon fast fertig, musste ihn aber genau so schnell löschen, wie der Torschrei vieler tausender Borussen-Fans verstummte (bevor jetzt einige hektisch nachgucken: Nein, Virkus nutzt keine Social-Media-Kanäle. Zumindest nicht unter seinem Namen).
Unterm Strich und hinter einer halbwegs neutralen Brille wurde schon deutlich, warum beide Mannschaften tabellarisch da stehen, wo sie nunmal stehen. Die Spannung zog das Spiel aus der Saisonphase und der Tabellensituation, nicht durch fußballerische Glanzlichter. Es könnte uns jedoch nicht egaler sein, denn es war parallel der 1.FC Heidenheim, der mit seinem Heimsieg gegen den FC St. Pauli sowohl den VfL Wolfsburg, als auch Borussia einen großen Gefallen tat. Keinen Gefallen tat einmal mehr Jens Castro seinem Arbeitgeber, als er in der Nachspielzeit mit einem unnötig harten Einsteigen eine nicht unberechtigte Rote Karte bekam und wahrscheinlich in dieser Saison nicht mehr spielen wird.
Dennoch: durchatmen.
*Damit es einmal hier steht: Nein, rechnerisch ist Borussia bei sechs Punkten Vorsprung auf Rang 16 und sieben Punkten auf Rang 17 noch nicht gerettet, da noch neun Punkte zu holen sind. Mit Blick aufs Restprogramm der Konkurrenten, die sich auch noch gegenseitig die Punkte abnehmen werden, und dem deutlich besseren Torverhältnis, müsste sich schon so ziemlich alles gegen Borussia verschwören. Daher sind wir an dieser Stelle mal SEITENWAHL-untypisch optimistisch und verkünden hochoffiziell und redaktionsintern abgestimmt den Klassenverbleib. (Einzig der Kollege Christian Spoo traut dem Braten noch nicht.)

Damit sei auch direkt ein erstes, vorsichtiges Fazit dieser Saison erlaubt: Borussia ist dem sportlichen Worst-Case-Szenario gerade noch so ausgewichen, wenngleich mehr über die Ziellinie taumelnd als überzeugend.
Rouven Schröder hat dutzende Baustellen in diesem Sommer vor der Brust, dessen ist er sich ziemlich sicher bewusst: Der Kader ist nach wie vor unrund, zu teuer & qualitativ auf vielen Positionen nicht gut genug. Die Zukunft von Leihspielern ist nicht geklärt. Das Festgeldkonto ist weiterhin ziemlich leer. Niemand weiß, ob Tim Kleindienst und Robin Hack ihre alte und diese Saison so sehr vermisste Form wiedererhalten werden. Der Trainer Eugen Polanski hat wenig Argumente gesammelt, seinen Vertrag bis 2028 erfüllen zu dürfen. Am Ende wird Borussia vor allem das eine Zwischenhoch im Spätherbst 2025 gerettet haben, als sie aus fünf Spielen 13 Punkte holte. Man spielt leider die dritte Saison in Folge mit mittleren bis großen Abstiegssorgen, irgendwann wird das nicht mehr gutgehen. Bremen, Schalke oder der HSV lassen grüßen.