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Hannover 96Hannover 96

Manche Bezeichnung hört man nicht gern. Wer publicitygierig und talentarm genug ist, um sich im Dschungelcamp einzuquartieren, möchte dennoch nicht als verzweifelter C-Promi gelten. Das einstige Top-Model, das inzwischen Wonderbra und pfundweise Make-Up zu Hilfe nimmt, um die Spuren des Alterns zu verschleiern, hört den Begriff verblühte Schönheit gar nicht gern. Und bei Hannover 96 schätzt man es nicht, in einem Atemzug mit dem Wort Abstiegskampf genannt zu werden. Nun war diese Einstufung auch im Kreis dieser Redaktion nicht unumstritten, denn es gibt durchaus Argumente, die für ein Abschneiden im gesicherten Mittelfeld sprechen. Zumindest auf dem Papier sollte der Kader dafür genug Substanz besitzen, zumal Nationaltorwart Enke wenigstens für diese Saison noch gehalten werden konnte. Und so enttäuschend die letzte Spielzeit verlief, am Ende holten die 96er, trotz erheblichen Verletzungspechs, immerhin solide 40 Punkte.

 

 

 

Gleichwohl: Sorgenfrei können die Niedersachsen schwerlich auf die neue Spielzeit blicken. Ob die Systemumstellung vom Ein-Stürmer-System auf ein 4-4-2 wirklich mehr offensive Variabilität und mehr defensive Stabilität zugleich bewirkt, bleibt abzuwarten. Beides wäre jedenfalls bitter nötig. Offensiv war man zu sehr von Arnold Brugginks Scorerqualitäten abhängig, die der Niederländer erneut erst in der Rückrunde entdeckte. Forssell, Stajner und Hanke blieben oft unter ihren Möglichkeiten, und ein Ende der Verletzungssaga Jan Schlaudraffs ist weiterhin nicht in Sicht.

Vor allem die teils katastrophalen Defensivleistungen aber drückten die 96er, neben der nicht minder desaströsen Auswärtsbilanz. 69 Gegentore: Das schaffte noch nicht einmal einer der drei Absteiger. Neben der Systemumstellung und der Rückkehr der lange verletzten Cherundulo und Vinicius richten sich die Hoffnungen vor allem auf den ablösefrei verpflichteten Karim Haggui. In Leverkusen zumindest lieferte der tunesische Nationalspieler meist grundsolide Leistungen ab. Mit ihm und Christian Schulz soll die Innenverteidigung wieder zu der Stabilität finden, die ihr Eggimann, Fahrenhorst und Ismaël nicht geben konnten. Ismaël beendete inzwischen wie Tarnat seine Karriere, Fahrenhorst wechselte nach Duisburg. Schulz aber, zuvor im defensiven Mittelfeld beheimatet, hat sich nach einigem Sträuben inzwischen mit der Versetzung in die Viererkette angefreundet und war dort in der Spätphase der letzten Saison meist noch bester Hannoveraner Verteidiger.

Nach den großen Sprüchen und Ausgaben der letzten Saison wählt Hannover diesmal die leisen Töne und einen radikalen Sparkurs. An Zugängen sind neben Haggui nur Perspektivspieler zu verzeichnen: Constant Djakpa, Valdet Rama und der von den Amateuren beförderte Sofien Chahed. Unter dem Strich bleibt: Hannover 96 wirft derzeit genug Fragen auf, um die Einordnung als Abstiegskandidat zu rechtfertigen. Fruchtet aber die taktische Umstellung und wird man diesmal von Verletzungen weniger stark gebeutelt, so könnte sich herausstellen, dass 96 im Dschungelcamp nichts verloren hat.


Eintracht Frankfurt

Eintracht FrankfurtKeine Kontroverse gab es redaktionsintern bei der Einordnung der Eintracht. Wer punkt- und torgleich mit Bielefeld Letzter der Rückrundentabelle war und insgesamt gleich dreizehn Punkte weniger holte als in der Saison zuvor, der wird sich über die Prognose Abstiegskampf kaum ernsthaft beschweren können. Zumal die finanzielle Situation auf dem Transfermarkt keine großen Sprünge zuließ: Innenverteidiger Maik Franz kam für 700.000 Euro aus Karlsruhe, Pirmin Schwegler für eine halbe Million aus Leverkusen. Schwegler, um den man lange mit den Bayer-Verantwortlichen feilschte, soll die Lücke im defensiven Mittelfeld schließen, die die Abgänge von Fink und Inamoto gerissen haben. Ansonsten beschränkte man sich auf ablösefreie Neuzugänge, wobei neben manch Ergänzungsspielern mit Selim Teber aus Hoffenheim und dem großen Torwarttalent Ralf Fährmann aus Schalke zwei durchaus vielversprechende darunter sind.

Am meisten Beachtung aber fand der Neuankömmling auf der Trainerbank. Friedhelm Funkel hatte trotz treuester Rückendeckung seitens der Vereinführung entnervt das Handtuch geworfen, zermürbt von der immer aggressiveren Dauerkritik des Publikums. Vor allem auch die wenig ansehnliche Spielweise verärgerte die Fans. Die war nichts Neues, aber in den vergangenen Jahren hatten wenigstens die Resultate gestimmt. Um mit Jorge Valdano zu sprechen: „Wenn das ergebnisorientierte Spiel keine Ergebnisse bringt, nennt man es dann immer noch so?" Unter Michael Skibbe soll das alles anders werden. Offensiven, attraktiven und erfolgreichen Fußball stellt der neue Trainer in Aussicht und setzt insbesondere auf den Brasilianer Caio große Hoffnungen. Die konnte der Spielmacher, vor einem Jahr für die Frankfurter Rekordsumme von 3,8 Millionen verpflichtet, im letzten Jahr zwar nie erfüllen, wozu auch manche Unpässlichkeit ihr Teil beitrug. In dieser Saison aber soll Caio sein wahres Leistungsvermögen zeigen, weshalb Skibbe mit verbalen Streicheleinheiten nicht spart.

Die Vorbereitung indes war bislang nur sehr bedingt geeignet, Aufbruchsstimmung zu entfachen. Dem  überzeugenden Sieg gegen Teplice standen vier Niederlagen nebst einem blamabel mühsamen Erfolg gegen den Fünftligisten Stadtallendorf entgegen. Nun hat Skibbe zwar Recht damit, dass es kaum Unwichtigeres gibt als Testspielergebnisse. Aber insbesondere von der Art und Weise, wie sich seine Spieler beim 0:3 gegen den kroatischen Erstligisten Osijek präsentierten, zeigte sich der sonst so optimistische Coach nachhaltig schockiert. Einmal in Fahrt gekommen, monierte Skibbe gleich auch die Disziplin einiger außerhalb des Platzes und drohte Suspendierungen an. Mag sein, dass sich die Dinge bessern, wenn die verletzungsgeplagten Amanatidis, Fenin und Chris wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Vorerst aber spricht manches dafür, dass der Eintracht erneut eine höchst ungemütliche Saison bevorsteht.

 

VfL Bochum

VfL BochumNoch weniger umstritten als im Fall Frankfurt ist die Einordnung des VfL Bochum in die Kategorie der Abstiegskandidaten. Ist man als Borussenanhänger aufgerufen, die Mannschaften aufzuzählen, die der eigene Verein hinter sich lassen kann, ist der andere VfL immer dabei, eher noch als zum Beispiel der Aufsteiger Nürnberg. Man möchte glatt die Phrase von der psychologischen Wichtigkeit auspacken angesichts der Tatsache, dass just diese beiden Vereine, wohl neben den Aufsteigern die Kellerkandidaten eins und zwei, direkt zum Saisonauftakt gegeneinander antreten dürfen bzw. müssen.


Im Vergleich zur Vorsaison hat sich das Team des VfL nur unwesentlich verändert. Zwei Neuzugänge nur sollen die Mannschaft verstärken, verlassen haben den VfL ausschließlich Spieler, die der Verein nicht mehr haben wollte. Trainer Marcel Koller durfte, wenngleich nach nur elf Punkten in der Hinrunde im Winter noch „auf der Kippe" letzten Endes bleiben.

Die Bochumer Abwehr bleibt unverändert, trotz 55 Gegentoren in der vergangenen Saison. Das Innenverteidigerduo Maltritz/Mavraj genießt das Vertrauen des Trainers. Im Tor bewährte sich zum Ende des Spielzeit Philipp Heerwagen, der seinen Platz zunächst sicher haben dürfte.

Der Schwede Andreas Johansson wurde vom BK Halmstad nach Bochum geholt. Nach über zwölf Jahren an der schwedischen Ostküste wagt der einmalige Nationalspieler des Dreikronenteams noch einmal etwas Neues. Bei Bochum soll er die Position vor der Abwehr bekleiden und damit die Defensive stärken. Christoph Dabrowski, bisweilen gemeinsam mit Daniel Imhof dort aufgeboten, kann seine Stärken im Spiel nach vorne im linken Mittelfeld besser einbringen. Paul Freier war in der vergangenen Spielzeit oftmals nur ein Schatten seines früheren selbst, auch Mimoun Azouagh vermochte nur selten zu überzeugen. Wenn diese beiden ihr fraglos vorhandenes Potenzial ausschöpfen, nur dann dürfte das Bochumer spiel ansehnlicher und erfolgreicher ausfallen, als im Vorjahr. Gut in Form zeigte sich zum Ende der Saison der Kameruner Joel Epallé, der damit die Position hinter den Spitzen zunächst sicher haben sollte. Der vor Jahresfrist auch in Gladbach als potenzieller Neuzugang gehandelte Dennis Grote hat die Erwartungen nicht erfüllt.

Im Bochumer Angriff hat sich vergleichsweise viel getan. Dass es keine gute Idee war, allein auf die Treffsicherheit von Stanislav Sestak zu setzen, zeigte sich spätestens, als der Slowake sich in der Hinrunde verletzte und erst spät in der Saison wieder richtig in Tritt kam. Vahid Hashemian hat die Erwartungen, die an seine Rückkehr geknüpft waren, noch deutlich weniger erfüllt, als Kollege Freier. So holte der VfL im Winter Diego Klimowicz, noch einen Mann, den viele Gladbacher Fans gerne im eigenen Trikot gesehen hätten. Der Argentinier steuerte immerhin vier Tore zum Klassenerhalt bei. Ein Angriff Sestak / Klimowicz ist sicher der im Vergleich potenziell stärkste Mannschaftsteil des VfL. Außerdem wurde mit Zlatko Dedic ein weitere Angreifer internationalen Formats verpflichtet, so dass Bochum den Ausfall eines Stürmers nun kompensieren können sollte.

Im Vergleich zu Borussia hat der VfL im Sturm möglicherweise einen gewissen Vorteil, kann er doch zwei bundesligaerfahrene Torjäger aufbieten. Allerdings ist es schon bemerkenswert, dass mit Diego Klimowicz ein Mann den Hoffnungsträger gibt, der unwesentlich jünger ist als Oliver Neuville, den viele in Gladbach nur noch als trikotragenden Vorruheständler einordnen. Abgesehen davon spricht wenig dafür, dass Bochum eine bessere Saison spielt, als 2008/09.


SEITENWAHL-Prognose:

Christoph Clausen: Hannover Platz 10-14, Frankfurt und Bochum Platz 13-16
Christian Spoo: Hannover Platz 12-15, Frankfurt 13-14, Bochum 17
Mike Lukanz: Hannover 10-12, Frankfurt 15-18, Bochum 17-18

 
Vorherige Beiträge zum Thema
SEITENWAHL-Bundesligacheck 2009/2010: Die Aufsteiger

 


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