Wir sind verpflichtet unseren Fans gegenüber, uns selbst gegenüber und auch den anderen Mannschaften gegenüber, die vielleicht von unserem Spiel in Hannover abhängig sind. Vergangene Saison standen wir unten drin, da haben wir auch darauf gehofft, dass die Mannschaften, für die es vermeintlich um nichts mehr geht, alles versuchen.“ – Sportdirektor Max Eberl vor dem Spiel. Doch im Wissen der zu erwartenden verbalen Rundumschläge von Medien und Fans bedienen sich Trainer Michael Frontzeck und einige seiner Spieler nach Abpfiff argumentativer Schutzreflexe, die ebenso unnötig und überflüssig wie das Ergebnis auf dem Platz sind. Souveränität sieht anders aus.

 

 

„Ich wehre mich (…) dagegen, dass man nach diesem einen zugegebenermaßen sehr schlechten Spiel, die Leistung der Mannschaft der gesamten Saison in Frage stellt.“ – Dieses Zitat von Frontzeck nach Spielschluss, zitiert auf borussia.de, war vorhersehbar. Wie ein geprügelter Hund bedient sich der Cheftrainer immer wieder dieses Totschlagsarguments, um Kritik bereits im Vorfeld ersticken zu wollen. Doch damit machen es sich einige bei Borussia zu einfach. Die Wenigsten stellen nach dem 1:6-Debakel in Hannover die gesamte Saison in Frage, denn dafür gibt es wenig Gründe. Doch das zugegeben zufriedenstellende Abschneiden der Saison darf nicht als ultimative Argumentationskeule gegen jeden noch so kleinsten Widerspruch herhalten. Dass Borussia sich in dieser Spielzeit gefangen und stabilisiert hat, wurde und wird ausreichend gewürdigt, sowohl in den Medien als auch unter den Fans. Nicht umsonst fahren alle 14 Tage tausende Gladbacher mit zu den Auswärtsspielen, trotz einer erneut dürftigen Ausbeute auf des Gegners Platz. Und nicht umsonst zaubern die gleichen Fans bei den Heimspielen immer wieder eine tolle Atmosphäre ins Stadion, die sogar Louis van Gaal vergangene Woche explizit lobte. Lob dieser Art nimmt der Verein gerne auf und zitiert es in aller Ausführlichkeit auf der Homepage. Das ist Rosinenpickerei, die aus PR-Sicht nachvollziehbar, teils jedoch zu offensichtlich und nach einer Klatsche wie der gestrigen einfach unangebracht ist. Anscheinend dreht sich nicht nur Pippi Langstrumpf die Welt, wie sie ihr gefällt.

 

Die Spieler haben am Samstag eine peinliche, beschämende und nicht entschuldbare Leistung abgeliefert, die in ihrer Außenwirkung nicht zu unterschätzen ist. Da darf es nicht zu viel verlangt sein, auch vom Trainer deutliche Worte Richtung Mannschaft zu hören, statt beleidigt und genervt kritischen Nachfragen zu begegnen. Weil Borussia ihren Fans, sich selbst und den anderen Mannschaften gegenüber verpflichtet war. Sagten nicht die Fans, sondern Max Eberl.


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