Am Ende wurde es Sommerfußball der angenehmen und versöhnlichen Sorte. Borussia Mönchengladbach schlägt den sympathischen Traditionsverein aus dem Kraichgau mit 5:1 und beendet trotzdem  eine alles in allem enttäischende Bundesligasaison erstmals nach elf Jahren nicht einstellig. Die Fehler, die dazu führten, wurden nicht am 34. Spieltag gemacht. Diese aufzuarbeiten, soll deshalb auch nicht Teil dieses Artikels werden. Dennoch ist das Spiel symptomatisch für den Verlauf der Saison, nämlich in der Form, dass man auch in diesem Spiel sehen konnte, was die Mannschaft in guten Phasen kann, aber auch, welche Defizite bestehen.   

Anders als in den letzten Spielen bekamen wir dieses Mal die Defizite bereits am Anfang des Spiels zu sehen. Bereits nach drei Minuten sorgte eine schöne Ballstaffette der Hoffenheimer für das 0:1. Ermöglicht wurde dieser aber nur durch eine kollektive Tiefschlafeinlage der Gladbacher defensive, die es trotz in der Entstehung des Spielzuges einigermaßen gut besetzter Räume verweigerte, sich den Gegenspielern auf eine zweikampftaugliche Distanz zu nähern und stattdessen vornehm abstand hielt. So ging es dann noch eine Weile weiter. Kipppunkt des Spiels war wohl die vergebene Großchance von Kramaric nach schönem Zuspiel von Raum in der 16. Minute. Wären die Gäste hier 2:0 in Führung gegangen, hätten wir wohl einen Saisonabschluss der eher unschönen Sorte erlebt. Denn wir wissen alle, dass eine der grundlegenden Schwierigkeiten unseres Teams ist, mit Rückschlägen umzugehen und nach Rückständen nicht auseinander zu fallen. Kramaric war aber gnädig und deshalb gab es Raum für die Wende im Spiel.  

Borussia schoß dann vor der Halbzeit drei Tore. Zunächst einmal zeigte die Mannschaft etwas, was über die ganze Saison nur selten zu sehen war: Systematisches Anlaufen verbunden mit einem Schließen der sich hinter und neben dem anlaufenden Spieler befindlichen Räume. Das Ergebnis war ein Ballverlust im Hoffenheimer Aufbauspiel, aus dem Plea zunächst einen Schuß und Stindl danach ein Abstaubertor machte.  

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Es folgte ein von Plea sicher verwandelter Elfmeter, den Embolo mit einem Störmanöver nach einem Slapstick-Querpass der Hoffenheimer im eigenen Strafraum herausholte.

Danach demonstrierte Borussia die fußballerische Extraklasse, die uns in dieser Saison so oft vorenthalten wurde, von der man aber immer wusste, dass sie vorhanden ist. Neuhaus Chipball auf Hofmann und dessen Verarbeitung zum Tor sind dafür ein gutes Beispiel.

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Gleiches gilt für die Zusammenarbeit des Duos Hofmann und Embolo vor dem 4:1 und die schnelle Reakion von Plea gepaart mit der Coolness und Präzision von Hofmann vor dem 5:1.  Am Ende hätte Herrmann mit einem schönen Seitfallzieher beinahe noch das sechste Tor gemacht - aber das wäre wohl auch des Guten zuviel gewesen. 

Wollte man aus dem Spiel (und der letzten Saisonphase) Erkenntnisse ziehen, dann wohl folgende: Ohne Hofmann sinkt die Qualität des Kollektivs signifikant. Jonas Hofmann ist - bei aller Wertschätzung für die anderen zehn Spieler auf dem Platz - im Moment der Gladbacher, der allein durch seine Anwesenheit seine Mitspieler besser macht. Seit er nach Verletzungspause wieder dabei ist, läuft es besser. Embolo in der aktuellen Verfassung ist ebenfalls ein Unterschiedsspieler, den man unbedingt halten sollte. Und: Durch die wieder überzeugenderen Leistungen hat sich die Mißstimmung zwischen Team und Fans etwas relativiert. Auch in dieser Beziehung war es wichtig, mit einem Erfolgserlebnis in die Sommerpause zu gehen. 

Nach dem Spiel kam dann - nicht gänzlich unerwartet - die Bekanntgabe durch Adi Hütter, dass man im gegenseitigen Einvernehmen beschlossen habe, die Zusammenarbeit zu beenden. Was in diesem Zusammenhang "gegenseitiges Einvernehmen" bedeutet, ist schwer zu sagen. Von "Hütter wollte nicht mehr, weil man ihm die großen Versprechen anlässlich seiner Verpflichtung im Hinblick auf den Kader damals wie heute nicht erfüllen konnte bzw. kann" bis hin zu "Borussia möchte sich von Hütter trennen, weil man nicht mehr an eine erfolgreiche Zukunft mit ihm glaubt" ist vieles denkbar. Wie auch immer man diese Trennung bewertet, erfreulich am Ablauf ist die Tatsache, dass man anders als beispielsweise die Protagonisten des FC Augsburg ohne gegenseitige Vorwürfe auskam und dass die handelnden Personen kein böses Wort übereinander verloren. Nach der holprigen Kommunikation der letzten Wochen war bereits das alles andere als selbstverständlich.   

 

 

 


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