Wir hatten es schon fast vergessen. Wie es sich anfühlt, das tragische Scheitern. Wie es ist mit langem Gesicht und leerem Kopf aus dem Stadion zu schleichen. Das vorerst letzte internationale Spiel von Borussia hatte fast alles, was einen bitteren Abend ausmacht. Crivelli gelang mit seinem späten Siegtor für Basaksehir Istanbul, gleich drei der Glücksmomente, die Borussia in dieser bis dahin so extraordinär verlaufenden Spielzeit erleben durfte, mit einem Schlag komplett wertlos zu machen. Als einziger deutscher Verein ist der Noch-Spitzenreiter der Bundesliga aus dem Europapokal ausgeschieden.

Nüchtern betrachtet war die Partie gegen den Erdogan-Club der zweitbeste Auftritt, den Borussia in dieser Euro-League-Gruppenphase hingelegt hat. Gegen Wolfsberg katastrophal verloren, in den Auswärtssspielen von Istanbul und Rom mit Mühe und Glück gepunktet, hatte die Mannschaft die Angelegenheit am Donnerstag Abend fast über die komplette Spielzeit im Griff. 63 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache, in der ersten Halbzeit fühlte es sich nach 90 Prozent an. Und doch war es eine seltsames Partie: Die Mannschaft war mit Ernst bei der Sache, ließ sich keine Sekunde hängen und kämpfte leidenschaftlich um jeden Ball. Auf der anderen Seite prägte eine bemerkenswerte Ratlosigkeit das Spiel. Die clever verteidigende Abwehr von Basaksehir, die zeitweise aus zehn bis elf Mann bestand, ließ fast keine Lücken. So gab es für ein derart überlegen geführtes Spiel eine minimale Anzahl an Torgelegenheiten für Borussia. Eine von zwei echten verwandelte Marcus Thuram zum eigentlich beruhigenden 1:0. Aber der Treffer änderte an der Grundsituation nichts.So viel hintenrum wurde zuletzt unter Lucien Favre gespielt. Gefühlt neun von zehn Angriffen brachen die Gladbacher ab, weil sie keine Idee hatten, wie sie sich erfolgreich zu Ende bringen lassen. Bei den Versuchen, schnell zu spielen oder die Defensive des Gegners spielerisch auszuhebeln, zeigten sich zudem ungewohnte Präzisionsmängel. Pässe kamen zu lasch oder nur ungefähr dahin, wo der Ball hinsollte. In der letzten Druckphase vor dem 1:2 artete das fast in Standfußball aus. Istanbul stand hervorragend, Borussia ratlos davor. Bewegung im Spiel: Null. In dieser Phase stand zu befürchten, dass man sich einen Konter fangen würde. Im Endeffekt war es aber nicht einmal das, sondern die fast einzige Situation des Spiels, in der Istanbul mit mehr als vier Mann in der gegnerischen Hälfte war, aus der der fatale Wirkungstreffer fiel, der einem wieder vor Augen führte, wie es sich jahrzehnte lang anfühlte, Borussia zu sein. Zur schmerzhaften Dramaturgie dieses Abends zum Vergessen gehört, dass der Ausgleich kurz vor der Pause aus einem Fehler des sonst so sicheren Rückhalts Yann Sommer resultierte, und dass der Mannschaft das mögliche Last-Second-Tor in der Nachspielzeit der Nachspielzeit diesmal verwehrt blieb. Am Innenpfosten vor der Nordkurve wurde die Europareise der Borussenfans vorzeitig abgebrochen. Wie das Team diesen Tiefschlag nun wegsteckt, dürfte nun recht flott zeigen, wie sehr wir schon neue und in welchem Maße wir noch alte Borussia sind. Heute ist da, wo zuletzt der Optimismus saß, vorübergehend nur ein schwarzes Loch. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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