Seitenwahl 1 4Das Verfassen eines Nachberichts zum Spiel beim VfB Stuttgart ist schwierig. Zum Spiel ist eigentlich alles gesagt: Borussia hat die anfangs vorhandenen Chancen nicht genutzt und später im Spielverlauf – wie schon so oft in der laufenden Rückrunde – keine mehr kreiert. Borussia hat – ebenfalls wie schon so oft in der laufenden Rückrunde – hinten die entscheidende Slapstickeinlage fabriziert und den Gegner zum Schießen des entscheidenden Tores eingeladen. Der VfB Stuttgart hat verdient gewonnen. Punkt.

Zeit also, sich einer umfassenderen Betrachtung zuzuwenden:

Borussia Mönchengladbach hat bereits jetzt das wesentliche Saisonziel erreicht - trotz der katastrophal verlaufenden Rückrunde gelingt es der Mannschaft, bis zum letzten Spieltag um den Einzug ins internationale Geschäft mitzuspielen. Auch die erneute Beendigung der Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz ist bereits sicher. Insgesamt können sich die Verantwortlichen des Vereins also erneut eine erfolgreiche Saison auf die Fahnen schreiben.  

In einigen der letzten Saisons wäre diese Einschätzung durchaus nicht unzutreffend gewesen. Angesichts der überaus erfolgreichen Vorrunde, in der Borussia Mönchengladbach trotz einiger unnötiger Schlafmützigkeitseinlagen (Freiburg!) auftrat wie ein sicherer Champions-League-Aspirant, wirkt diese Rhetorik aber zunehmend absurd.

Die Kehrseite dieser Betrachtung ist nämlich: Da der momentane Zustand der Mannschaft den Gedanken im Keim erstickt, in dieser Bundesligasaison auch nur noch ein Spiel zu gewinnen, schon gar nicht gegen Hoffenheim und Dortmund, vermutlich aber auch nicht gegen Nürnberg, wird diese Saison wahrscheinlich erneut auf Platz 9 enden. Angesichts des Saisonverlaufs ein absolut unbefriedigendes Ergebnis.

Auch wenn es dafür sicherlich eine Vielzahl von Ursachen gibt – Spielglück und –pech, Verletzungen, Unzulänglichkeiten der Mannschaft und des Umfelds – ist hauptverantwortlich für den derzeitigen Zustand der Mannschaft: Der Trainer! Vor diesem Hintergrund ist es mehr als befremdlich, was von Dieter Hecking derzeit über „seine“ Mannschaft zu hören und zu lesen ist. Derselbe Trainer, der in der Winterpause gern die Glückwünsche zur überragenden Performance seines Teams bis zu diesem Zeitpunkt entgegennahm und der auch keine Probleme damit hatte, das bis dahin hoffnungsvolle Ergebnis als seine Trainerleistung gewürdigt zu sehen, weist momentan jegliche Verantwortung für die seitherige Entwicklung von sich. Da ist neuerdings davon die Rede, dass man in der Vorrunde weit über den eigentlichen Verhältnissen gespielt habe. Da wird plötzlich in Andeutungen davon gesprochen, was am – von ihm selbst mit zusammengestellten – Kader an Veränderungen erforderlich seien. Da wird nach dem Spiel in Stuttgart wortreich erklärt, dass die Mannschaft zu lange geschützt worden sei (obwohl man dieselbe Mannschaft doch selbst seit drei Wochen schlechtredet). Das Ganze einhergehend mit kaum noch erträglichen Grummeleien in Richtung von haupt- und nebenberuflichen Berichterstattern, die samt und sonders als ahnungslos hingestellt werden. Mit anderen Worten: Seit der Bekanntgabe des Trainerwechsels zum Saisonende agiert Hecking schlicht und einfach destruktiv. So sehr man seinen Frust über die bevorstehende Ablösung nachvollziehen kann, so wenig akzeptabel ist dieses Verhalten gegenüber dem Verein. Zum Vorschein kommt an dieser Stelle wieder der Dieter Hecking, dessen überstürzte Wechsel von Aachen nach Hannover und von Nürnberg nach Wolfsburg wenig Loyalität seinem Arbeitgeber gegenüber erkennen ließen.

Dieses Bild belegt, dass die wohlmeinende und ehrenwerte Strategie von Max Eberl, Hecking einen gesichtswahrenden Abgang zum Saisonende zu verschaffen, komplett nach hinten losgegangen ist. Wenn ein leitender Angestellter wie Hecking es nach einer ihm zuzugestehenden kurzen Phase des Frusts nicht schafft, trotz seines bevorstehenden Abgangs wieder in einen Modus konstruktiven Arbeitens zurückzufinden, ist ein Trainerwechsel nicht „populistisch“. Im Grunde genommen ist eine sofortige Ablösung von Dieter Hecking seit mehreren Wochen überfällig, will man ernsthaft noch über das Minimalziel Einstelligkeit hinausgehende Ziele verfolgen. Da dies aber nicht passieren wird, wie Max Eberl gestern auf der Mitgliederversammlung erneut verkündete, freuen wir uns über Borussia Mönchengladbach als Kontinuitätschampion: Dreimal hintereinander Platz 9 schafft auch nicht jeder.


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