Borussia Mönchengladbach trifft am Dienstag im Halbfinale des DFB-Pokals auf Eintracht Frankfurt. Normalerweise ein Festtag, dem man mit einer gewissen Euphorie entgegen sehen würde, gibt es doch eine Reise nach Berlin und im allerbesten - wenn auch angesichts eines Duells mit Bayern oder dem BVB eher unwahrscheinlichen - Fall sogar eine Ergänzung des Briefkopfs in Form des ersten Titels seit 1995 zu gewinnen. Heute dagegen ist in der Fangemeinde die Stimmung eher gemischt bis skeptisch. Das Spiel kommt zu keinem guten Zeitpunkt für Borussia.

Nicht nur die Verletztenmisere und die Ergebnisse der letzten beiden Spiele trüben die Stimmung. Hinzu kommen insbesondere die ernüchternden Eindrücke des anfangs nervösen und ängstlichen sowie zum Ende hin naiven Auftritts gegen Borussia Dortmund, die manchen Fan daran zweifeln lassen, ob die Mannschaft noch zu Höherem in der Lage ist oder ob Borussia Mönchengladbach gerade dabei ist, dauerhaft in das übergroße Mittelfeld der Bundesliga zwischen Ingolstadt und Hertha BSC zurückzufallen. Die Beantwortung der Frage, ob die letzten Jahre ein einmaliger Ausreißer nach oben waren oder ob diese holprige Saison ein Wellental auf dem Weg zu weiteren Erfolgen ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation, je nachdem ob der Betrachter dazu neigt, das Glas halbvoll oder halbleer zu sehen. Die Zukunft wird es zeigen.

Auf jeden Fall sollten sich Trainer und Spieler nicht von dem ganzen Geraune im Umfeld des Vereins anstecken und sich von der Konzentration auf das Wesentliche ablenken lassen. Wesentlich ist, dass das Spiel am Dienstag Abend gewonnen wird. Auch wenn die Verletztenliste lang ist - zu den bekannten Namen gesellte sich am Montag noch Josip Drmic hinzu - wird Borussia elf Spieler aufstellen können, die von ihrer individuellen Qualität her dem Gegner mindestens ebenbürtig sind. Für Borussia spricht weiter die Heimbilanz gegen die Eintracht (21 Siege bei 11 Niederlagen) sowie der Umstand, dass die Frankfurter in den letzten Jahren häufig ein dankbarer Gegner für Gladbach waren. Die letzten beiden Spiele gingen allerdings 0:0 aus, was dieses Mal hoffentlich nicht passieren wird.  Auch dass bei Frankfurt mit Meier und Hasebe zwei durchaus wichtige Spieler ausfallen, mag helfen.

Andererseits hat die Eintracht mit dem Sieg gegen Augsburg gerade eine längere Durststrecke überwunden und damit sicherlich Selbstvertrauen getankt. Letzteres sollte ohnehin aufgrund des Saisonverlaufs vorhanden sein - kaum einer hatte erwartet, dass die sogenannte "launische Diva" ernsthaft um die internationalen Plätze mitspielt. Insofern rangiert man trotz des 17. Platzes in der Rückrundentabelle immer noch über den eigenen Erwartungen. Trainer Nico Kovac pusht das durchaus, indem er seinen Spielern nahelegt, "Geschichte schreiben zu können". Das ist vielleicht dick aufgetragen, dennoch zeigt es, mit welcher Emotion man dieses Spiel in Frankfurt angeht. Leicht wird es also nicht, kämpferisch wird es mit Sicherheit. Deshalb muss Dieter Hecking die am Samstag gegen den BVB zu beobachtende Ängstlichkeit, Nervosität und Zögerlichkeit auf jeden Fall aus den Köpfen der Spieler bringen. Nur dann werden sie gegenhalten und Erfolg haben können.

Dabei kann ihnen das Publikum auf jeden Fall helfen. Gerade in einem KO-Spiel ist die Atmosphäre von erheblicher Bedeutung. So wie das Publikum im Borussia-Park in der Lage ist, eine den Gegner einschüchternde Atmosphäre zu schaffen, so ist es auch in der Lage, die eigene Mannschaft durch schnell aufkommendes Geraune zusätzlich zu verunsichern, wenn ohnehin wenig gelingt. Letzteres sollte am Dienstag Abend absolut tabu sein. Die Mannschaft braucht in der momentanen Situation jede Unterstützung von den Rängen, die möglich ist. 

 

Denkbare Aufstellungen

Borussia: Sommer - Elvedi, A. Christensen, Vestergaard, Wendt - Dahoud, Strobl - Herrmann, Hofmann - Hahn, Stindl

Eintracht: Hradecky - Chandler, Abraham, Andersson Ordonez - M. Wolf, Mascarell, Gacinovic, Oczipka - Rebic, Fabian – Seferovic

 

Der Seitenwahl-Tipp

Uwe Pirl: Ich neige generell dazu, das Glas halbvoll zu sehen. Deshalb und weil Frankfurt bei weitem nicht über die Qualität von Dortmund und Hoffenheim verfügt, werden sich unsere Unzulänglichkeiten nicht noch einmal so gravierend auswirken. Borussia gewinnt ein umkämpftes Spiel 2:1.

Michael Heinen: Borussia ist mal wieder reif für Berlin und schlägt Frankfurt mit 2:1.

Claus-Dieter Mayer: Zum wiederholten Male im Jahre 2017 dreht die Borussia einen 0:2-Rückstand und zieht nach einem dramatischem 3:2 ins Finale.

Christian Spoo: Ohne acht und mit weiterhin mangelnder Stabilität im Spiel nach hinten versaut sich Borussia die Saison. Frankfurt obsiegt mit 3:2 und Borussia fährt erst nächste Saison wieder nach Berlin. 


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