Die negative Überraschung der Vorrunde trifft auf eine der positiven. Das erste Heimspiel unter dem neuen Trainer Dieter Hecking hat für Borussia wegweisenden Charakter. War der Auswärtssieg in Leverkusen ein Strohfeuer oder hat eine längerfristige Stabilisierung eingesetzt? Gegen einen Gegner, mit dem man sich in Gladbach traditionell etwas schwer tut, kann man einen wichtigen weiteren Schritt in Richtung Stabilität und relativer Sorgenfreiheit tun. Dass der SC Freiburg einen echten Prüfstein darstellt, sollte jedem klar sein. Die Badener spielen eine Saison auf hohem Niveau, was aber wegen der im Grunde wenig überraschenden Überperformance des Mitaufsteigers aus der Getränkedose relativ unbemerkt vonstatten geht. Freiburg punktete zuletzt in Leverkusen und Schalke, schlug Berlin und war gegen Bayern nicht ohne Chance. Warum sollte so ein Team nicht auch in Gladbach etwas holen? Weil, so steht zu hoffen, Borussia 2017 ein anderes Team ist, als Borussia 2016.

Was 45 Minuten Fußball ausmachen können, ist in Mönchengladbach in diesen Tagen gut zu spüren. Eine erfolgreiche Halbzeit reichte aus, um den Rückrundenstart von „verpatzt“ in „gelungen“ umzuetikettieren, um die Stimmung von „zu Tode betrübt“ in „himmelhochjauchzend“ zu verwandeln. Zumindest für die Anhängerschaft gilt das uneingeschränkt. Im Verein, rund um die Mannschaft, sollte man sich hüten, die sensationelle Wende des Leverkusen-Spiels allzuhoch zu hängen. Trainer Dieter Hecking neigt ganz offensichtlich nicht zum Ausflippen. Er machte vor dem wegweisenden Spiel gegen Freiburg deutlich, dass er selbst keine Sekunde in die Versuchung gerät, die zweite Halbzeit von Leverkusen überzubewerten und dass er das von seinen Spielern genauso erwartet.

Stärken und Schwächen dieser Partie sind an dieser Stelle hinreichend analysiert worden. Dass Dieter Hecking beim 4-4-2-System bleibt, darf man als gegeben voraussetzen. Personelle Veränderungen drängen sich nicht auf, da auf den in Frage kommenden Positionen die Alternativen fehlen. Der Schwachpunkt der Abwehr, Jannik Vestergaard, könnte zwar positionsgetreu durch Neuzugang Timothée Kolodziejczak ersetzt werden, der Franzose aber scheint noch nicht in der Verfassung, in der Bundesliga eine echte Verstärkung zu sein. Beim Testspiel unter der Woche gegen den VfL Bochum drängte er sich genauso wenig auf, wie seine Mitspieler. Patrick Herrmann ist zwar wieder fit, aber zu mehr als einem Platz auf der Bank wird es für den Flügelstürmer nicht reichen. Außerdem erlebt Ersatz Jonas Hofmann einen kaum mehr für möglich gehaltenen Aufschwung. Er gehörte in Leverkusen zu den besten Borussen.

Fast ganz ohne Personalnot bereitet sich der SC Freiburg auf das Gastspiel in Mönchengladbach vor. Trainer Christian Streich räumte vor der Partie sogar ein, die Auswahl von Startelf und Kader würden ihm Bauchschmerzen bereiten – weil mehr Spieler einen Einsatz verdient hätten, als Plätze da sind. Bis auf die langfristig verletzten Kempf und Stenzel und den noch nicht ganz fitten Winterneuzugang Vincent Sierro kann Streich aus dem Vollen schöpfen. Dass er trotz des Sieges vom vergangenen Wochenenende die eine oder andere Umstellung erwägt, ließ er durchblicken. Konkret nannte er die Stärke der Borussenoffensive als Anlass, seinerseits die Abwehr etwas zu verändern. Raffael und Stindl flößten ihm Respekt ein, gab Streich zu Protokoll. Auch hier muss er die Raffael und Stindl der zweiten Halbzeit von Leverkusen meinen. In den Spielen davor machte die Borussenoffensive jahresübergreifend eher durch ihre mangelnde Effizienz auf sich aufmerksam.

Stark ist neben Mannschaftsgeist und Spielanlage beim SC Freiburg definitiv die Abteilung „vorwärts“. Nils Petersen kommt bevorzugt von der Bank, könnte aber wegen seiner Kopfballstärke gegen die in dieser Frage anfälligen Gladbacher eine Chance von Beginn an erhalten. Mit Janik Haberer hat sich dazu zuletzt ein Nachwuchsmann in den Vordergrund gespielt. Florian Niederlechner hat sich im zweiten Anlauf in der Bundesliga etabliert. Grund genug also, bei Borussia besonderes Augenmerk auf die Defensivarbeit zu legen. Steht die Mannschaft hinten gut und zeigt sich die Offensive wieder von ihrer effizienten Seite, sollte das zärte Pflänzchen Aufschwung am Samstag ein weiteres Stück wachsen.

Aufstellungen

Borussia: Sommer – Jantschke, Christensen, Vestergaard, Wendt – Kramer, Dahoud – Hofmann, Hazard – Stindl, Raffael

Freiburg: Schwolow – Kübler, Gulde, Söyüncü, Günter – Höfler, Frantz – Philipp, Grifo – Haberer, Petersen

Seitenwahl-Prognose

Christian Spoo: Besser als im letzten Heimspiel, aber noch nicht gut. So präsentiert sich Borussia gegen Freiburg. Vorne läuft es nicht so gut, wie in der zweiten Halbzeit gegen Leverkusen. So weiß am Ende niemand ganz genau, wie das 1:1 gegen Freiburg einzuordnen ist.

Thomas Häcki: Es ist nicht alles Gold was glänzt. Und Freiburg ist der gewohnte unangenehme Gegner. Aber erstens weht ein neuer Wind und zweitens ist auch das Glück wieder da. Am Ende gewinnt die Borussia mit 2:1. Gut so!

Michael Heinen: Der Bann ist gebrochen. Nach dem Schlüsselspiel in Leverkusen gewinnt Borussia auch das erste Heimspiel im neuen Jahr und schlägt Freiburg 3:1.


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