Die Borussia hat im vorerst letzten Heimspiel der Champions League ein sehr ordentliches Spiel gegen Manchester City hingelegt. Die Belohnung dafür ist die Weiterversetzung in die Europa League und damit alles, was man sich nach der Auslosung realistisch erhoffen konnte. Das konzentrierte und hellwache Spiel der Borussen gegen ihren milliardenschweren Gegner samt zeitgenössischer Trainerikone sorgt nun nach den letzten, unglücklichen Spielen für etwas mehr Optimismus.

Ohne den aus privaten Gründen fehlenden Hazard entschied Andre Schubert sich gegen eine Aufstellung mit drei offensiven Spielern und brachte eine Mannschaft auf den Rasen, die wohl das klarste 4-4-2 der letzten Zeit spielte. Etwas überraschend stand nicht Vestergaard neben Christensen in der Vierer-Abwehrreihe sondern Tony Jantschke. Offenbar hatte Schubert mehr Respekt vor der Schnelligkeit und Beweglichkeit der Angreifer von Manchester als vor hohen Bällen.


In der Praxis konnte sich die Formation jedenfalls sehen lassen, auch weil Strobl Christoph Kramer solide vertrat und vor der Abwehr absicherte. Auf der linken Außenbahn fanden Wendt und Johnson in vertraute Aufstellungen und Rollen, auf der rechten Bahn führte Nico Elvedi eine ausgezeichnete Partie. Stellungsspiel und Zweikampfstärke, Timing und Technik, alles demonstrierte der zwanzigjährige Schweizer gestern gegen stärkste Kundschaft. "The embarassing nutmeg", sein Beinschuss gegen Stones, findet Erwähnung in der englischen Presse.


Natürlich dominierte Manchester die Partie größtenteils, was bei Spielern wie de Bruyne, Aguero, Jesus Navas, Silva und Gündogan nicht anders zu erwarten war. Die entscheidende Frage war, wie die Borussia darauf reagieren würde. Genauer, ob Schubert seiner Neigung zu  aktivem Spiel und zu hohem Zustellen des Gegners widerstehen können würde. Er konnte, wie die Entscheidung für eine Viererkette schon deutlich machte, und die Borussen führten die Partie, wie man sie gegen überlegene Gegner spielen muss: Giftig, bissig, aufmerksam und mit Lust auf schnelle Konter. Und mit einem Raffael, der für alles, was Guardiola auf den Platz schicken kann, ein gleichwertiger Gegner ist.

Die Frage, ob man besser mit drei oder vier Abwehrspielern aufläuft, ist wohl zur hitzigsten Diskussion geworden, die man bei Borussia je in taktischen Fragen erlebt hat. Schubert neigt zu einer offensiven und durchaus mutigen Sicht auf das Spiel, er will den Gegner spielerisch dominieren, ihm den Platz und den Ball wegnehmen und das Spiel bestimmen. Dafür kommt ihm ein 3-4-3 oder 3-5-2 sehr gelegen, mit dem er die Mannschaft nach vorne schieben und den Gegner überrennen will. Übrigens müssen "nur" drei Abwehrspieler nicht unbedingt eine bedingungslose Offensive bedeuten, diese Varianten kamen vor Jahren in Italien in Mode und Juventus spielt es gegen jeden Gegner so durch.

Den Borussen scheint aber, trotz ihrer Offensivqualitäten, eine Aufstellung mit vier Abwehrspielern mehr zu liegen. Es scheint zu weniger eins-gegen-eins Duellen in brenzligen Situationen zu kommen und zu weniger Möglichkeiten für spielentscheidende Fehler. In den nächsten Spielen gegen Hoffenheim und Dortmund wird Schubert sich zwischen Gefühl und Vernunft entscheiden müssen.

Zurück zum Spiel von gestern: Das Unentschieden hatten sich die Borussen am Ende herzlich verdient. Dass das Ergebnis, die Art und Weise dazu und das Weiterkommen in der Europa League einen Fortschritt darstellen gegenüber den letzten Spielen, ist offensichtlich. Die Frage, wie weit die Mannschaft damit nach vorne kommt, bleibt aber erst mal offen. Immerhin dürfte die Sicht auf Spieler und Trainer jetzt etwas freundlicher ausfallen als zuletzt.

Die schwachen Ergebnisse der letzten Spiele hatten im Vorfeld dazu geführt, dass positive Ansätze nicht wahrgenommen wurden; so war die erste Halbzeit gegen Köln zum Beispiel kaum schwächer als die Leistung von gestern. Entsprechend wurde der Derbygegner auch dominiert und kam nur dank einer schlechten Chancenverwertung der Borussen mit einem glücklichen Sieg aus der Partie. Vielleicht gibt das Ergebnis gegen City den Gladbachern nun den nötigen Anschub, um beim nächsten Mal das Glück auf die eigene Seite zu zwingen.

Borussia:

Sommer - Elvedi, Jantschke, Christensen, Wendt; Traoré (41. Hofmann), Strobl, Dahoud (60. Vestergaard), Johnson; Raffael (84. Hahn), Stindl

Manchester City:

Bravo - Otamendi, Stones, Kolarov; Fernandinho, Gündogan; Jesus Navas, de Bruyne, Silva, Sterling (68. Sagna); Aguero

1:0 Raffael, 23.
1:1 Silva, 45.

gelb-rot gegen Stindl in der 51. und Fernandinho in der 63. Minute


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