Das Abenteuer Champions League ist für Borussia Mönchengladbach vorüber. Es hat sich voll und ganz gelohnt. Finanziell, mit Einnahmen von über 30 Millionen Euro, für die Entwicklung der Mannschaft, deren Spieler sich sehr passabel mit der europäischen Spitze gemessen haben und für den Verein, der daran erinnern konnte, welche Stadt hinter "Borussia" genannt gehört. Auch weil seine Fans in Manchester noch einmal eine Abschlussvorstellung gegeben haben, die im Gastgeberland für mindestens soviel Respekt gesorgt hat wie die der Mannschaft.

 

Insgesamt hat haben die Borussen ihrer reichen Geschichte ein lesenswertes Kapitel hinzugefügt: Mit der ganzen bisherigen Hinrunde, dem Kampf gegen den jähen, blitzartigen Einbruch, gegen die Angst vor dem totalen Einbruch in der Champions League; mit der sensationellen Wiederauferstehung in der Bundesliga, dem Anschluss in der Königsklasse mit dem erfolgreichen Bestehen gegen Juventus, dem Feiertag gegen Sevilla und dem letzten Aufbäumen der ersatzgeschwächten Mannschaft gegen die Superreichen aus Manchester. Und ihrem hauchdünnen Scheitern.


Stoff zum erzählen und weitererzählen, der ureigenste Webstoff des Mythos Borussia, für den das Spiel in England ein eigenes Ornament bilden wird. Natürlich kann man fachliche Analysen treiben, darauf verweisen, dass City erneut eine zweite Halbzeit produzierte, der die Borussen einfach nicht gewachsen waren, dass es 7:0 Ecken gab und nur eine überdurchschnittliche Chancenverwertung die Gladbacher überhaupt so weit brachte. Aber so etwas ist für künftige Einserkandidaten des Trainerlehrgangs, die ganze Geschichte ist ohnehin faszinierender.


Denn der Absturz kurz vor dem Achtungserfolg des Einzugs in die Europa League traf ein Team, das immer neue Rückschläge und Verletztenmeldungen zu verkraften hatte und das für Stammkräfte neue Spieler einbauen muss, die gerade ihren Ausstand aus der A-Jugend gegeben haben. Nachdem die jungen Christensen und Dahoud sich hervorragend in Deutschlands höchster Liga vorgestellt haben, kam am Samstag der junge Schweizer Elvedi zu seinem Startelfdebüt - gegen die unschlagbaren Bayern. Mit drei 19jährigen schockten die Borussen die Übermannschaft und elektrisierten die Bundesliga, bevor sie nach Nordengland flogen, um gegen das mit Hunderten von Millionen aufgepimpte Manchester City zu bestehen. Und das taten sie, 80 Minuten lang. Sie nahmen ihr Herz in die Hand und fighteten nach dem frühen Rückstand zurück. Der verrückteste Linksaussenverteidiger der Bundesliga, Oscar Wendt, galoppierte wieder durch die hellblauen Reihen und zur Pause führte das junge Borussenteam mit 2:1.


Dann aber drehten die Hausherren um den gigantischen Yaya Touré auf und fingen an, Yann Sommer nach und nach die Hände heiß zu schießen. Die Borussen sahen immer weniger von der gegnerischen Hälfte und das Tor von Joe Hart schien eine Meile entfernt zu stehen. Tausende von Gladbacher Fans auf den Rängen legten ihre ganze Leidenschaft in einen Support, den das sterile Etihad Stadium im durchkommerzialisierten englischen Fußball sonst nicht zu sehen bekommt. Durch das Stadion hallte nur Borussia, auf dem Rasen spielte nur City und es stand immer noch 2:1.


Für den pausenlos laufenden Dahoud brachte Schubert mit Marvin Schulz den vierten 19jährigen Spieler, bevor die Borussen einen neuen Schlag hinnehmen mussten, der die Mannschaft letztlich in die Knie zwang: Fabian Johnson humpelte verletzt vom Platz und Borussia ohne ihn in die Schlussphase. Ohne Johnson, der sich auf dem Platz jedes Mal zerreisst um Wendt seinen Freiraum zu ermöglichen, während die Engländer mit Bony einen Stürmer auf den Platz nahmen. Und dann brach das Gewitter über die Gladbacher herein und in fünf Minuten schlug es drei mal in Sommers Tor ein und als alle Hoffnungen für ein Weitermachen in der Europa League auf Juventus Turin ruhten, vergab Morata in Sevilla in der letzten Minute aus 6 Meter den Ausgleich. Mögen sie jetzt Barcelona zugelost bekommen und die Katalanen werden ihren glühendsten Fan finden.

Das Abenteuer Champions League ist vorbei und das Tagesgeschäft Bundesliga geht weiter. Am Samstag gegen Bayer Leverkusen, die in der Bundesliga nicht zu konstanter Leistung finden, die aber ihrerseits in der Champions League Barça standhalten konnten. Und obwohl der Mutterkonzern sich auf sein Kerngeschäft beschränken will, kann er partout seine Fußballabteilung nicht getrennt an die Börse bringen. Jene Abteilung wird sich gegen Mönchengladbach voraussichtlich sehr ins Zeug legen, um den Abstand von zur Zeit fünf Punkten nicht noch anwachsen zu lassen. Und nach dem derzeitigen Stand der Dinge werden Traoré und Johnson wohl nicht dabei sein, um Leverkusen an diesem Vorhaben zu hindern.


Daher bekommt Josip Drmic voraussichtlich eine Chance, seinem alten Arbeitgeber noch ein paar Grüße dazulassen. Andre Schubert muss sich bei aller Offensivfreude um die Balance des gesamten Teams sorgen. Hazard auf dem linken Flügel für Johnson ist denkbar, was Oscar Wendt zu mehr Vorsicht in der Abwehr nötigen würde. Außer einem Einsatz von Drmic auf rechts ist aber auch denkbar, dass Elvedi als Außenverteidiger im Team verbleibt und Julian Korb eine Planstelle davor seine Chance bekommt, die starken Leistungen der letzten Spiele zu bestätigen. Und genau so wichtig wie drei Punkte oder ein Punkt wären null Verletzte, denn in der kommenden Woche steht bereits das Pokalspiel gegen Bremen an.

Aufstellungen:


Borussia: Sommer - Korb, Christiansen, Nordtveit, Wendt; Drmic, Xhaka, Dahoud, Hazard; Raffael, Stindl

Leverkusen: Leno - Hilbert, Toprak, Tah, Wendell; Bellarabi, Kramer, Kampl, Mehmedi; Kießling, Hernandez

SEITENWAHL-Tipps:

Michael HeinenIn Leverkusen sah Borussia zuletzt meist gut aus. So sieht es auch dieses Mal aus. Trotzdem reicht es am Ende nur zu einem 1:1 durch zwei Tore von Kramer.

Christian Heimanns: Der Tank steht so langsam auf Reserve, dennoch nehmen die Borussen ein 1:1 mit.

Christian Spoo: Kaputt und enttäuscht - so gewinnt man nicht in Leverkusen. Und selbst wenn die Gastgeber nach ihrem CL-Aus deutlich weinerlicher unterwegs waren, als die tapferen Borussen, behalten sie am Samstag mit 2:0 die Oberhand.


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