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Werder BremenNach einer völlig verkorksten Hinrunde reiste Borussia Mönchengladbach nach Bremen. Bereits im Vorfeld schien das Unterfangen aussichtslos, gab es in Bremen seit dem legendären 7:1 Auswärtssieg nichts mehr zu bestellen. Wie erwartet spielten die Hanseaten die Borussia an die Wand, verzweifelten aber zunehmend an den Paraden eines Logan Bailly. Und als man endlich das 1:0 erzielen konnte, sorgte die Borussia mit dem Ausgleich kurz vor Schluss für eine Überraschung. Der Punktgewinn war umso wichtiger, als man am Niederrhein den Glauben an sich selbst zurück gewann und am Schluss die Klasse erhalten konnte. Nein, die Rede ist nicht von dieser Saison. Wir schreiben das Jahr 2009 und gerne hätten viele Fans vor dem heutigen Spiel eine Wiederholung der damaligen Ereignisse gesehen. Am Samstag befürchteten viele Borussenfans Business as usual bei ihrer Mannschaft. Nach guten und erfolgreichen Spielen enttäuschte die Borussia bislang jedes Mal. Hoffnungsvollen Siegen folgte stets die herbe Enttäuschung auf dem Fuß. Diesmal erlebten Borussia Fans aber ein Déjà-vu der besonderen Art.

Lucien Favre ließ die Mannschaft nahezu unverändert zum Spiel gegen Hoffenheim. Lediglich für den verletzten de Camargo kehrte Mo Idrissou in die Startelf zurück. Roman Neustädter spielte erneut flankiert von Reus und Arango im zentralen Mittelfeld. Wer ein Anknüpfen an das Hoffenheim-Spiel erwartet hatte, wurde allerdings enttäuscht. Von Beginn an nahm Werder Bremen das Heft in die Hand und drängte die Rheinländer in die Defensive. Bereits nach drei Minuten konnte Silvestre auf der linken Seite frei auf Wagner flanken. Dieser köpfte freistehend aufs Tor, wo Bailly mit einem Weltklasse-Reflex den Ball noch an den Innenpfosten lenkte. Bremen drückte, Mönchengladbach verlegte sich auf Konter. In der 5. Minute wurde Marco Reus nach einem feinen Solo kurz vor dem Strafraum unfair von Frings gebremst. Der anschließende Freistoß brachte allerdings nichts ein. Dies blieb jedoch eine Ausnahme vor dem hanseatischen Tor.

 

Bremen bestimmte Spiel und Rhythmus. Nach 17 Minuten zwang Bargfrede Bailly erneut zu einer starken Parade. Eine Minute später scheiterte Mertesacker mit einer Volley-Abnahme nur knapp. Auf der Gegenseite schickte Reus Idrissou. Der Pass geriet allerdings ein wenig zu lang, Torhüter Wiese konnte kurz vor dem enteilten Idrissou klären. Bremen erhöhte nun den Druck. In der 25. Minute vernaschte der starke Pizarro Stranzl auf der linken Seite. Sein Schuss wurde von Dante in höchster Not geklärt. Der Peruaner war es auch, der kurz darauf erneut auf der linken Seite durchsetzen konnte. Seine Flanke fand einen Abnehmer in Form von Bargfrede, dessen Volleyschuss erneut vom starken Bailly entschärft wurde.

 

Fünf Minuten später war es dann allerdings soweit. Bei einem der wenigen Entlastungsangriffe wurde Daems von Frings unfair vom Ball getrennt. Schiedsrichter Gräfe, der ansonsten eine gute Partie pfiff, ließ fälschlicherweise weiterspielen. Pizzaro konnte von rechts frei in den Strafraum flanken, wo sich Stranzl verschätzte. Wagner nutzte diesen Fehler und ließ Bailly mit seinem Flugkopfball keine Chance. Auch wenn dieser Treffer unter irregulären Bedingungen zustande kam, änderte dies nichts an der hoch verdienten Führung für Werder. In der 44. Minute hätte Borowski sogar auf 2:0 erhöhen können, doch seine Direktabnahme landete an der Lattenunterkante. Bailly wäre erneut ohne Abwehrchance gewesen. Mit 1:0 gingen beide Teams in die Pause. Borussia Mönchengladbach hätte sich nicht über einen höheren Rückstand beschweren dürfen.

 

Lucien Favre reagierte in der Pause und brachte Nordtveit für den schwachen Marx. Eine Maßnahme, die zunächst keine Änderung an den Kräfteverhältnissen brachte. Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete. Bremen dominierte das Spiel und den Gegner, Gladbach lief hinterher. In der 61. Minute kam es zum ersten Schuss auf das Tor der Bremer, doch der heute schwache Neustädter schoss weit in den Nachthimmel. Lucien Favre wechselt mit Hanke für Idrissou zum zweiten Mal, erneut ohne Effekt. Doch auch Werder Bremen konnte seine optische Überlegenheit nicht ausnutzen und verpasste es nachzulegen. Lediglich Marin prüfte nach 77 Minuten Bailly, der jedoch keine Schwierigkeiten hatte, dessen Schuss über die Latte zu lenken. Ähnlich wie in Wolfsburg dauerte es lange, bis Gladbach aus seiner Starre erwachte. In der 85. Minute wurde Reus fein frei gespielt und zwang mit einem platzierten Schuss Tim Wiese zu einer Klasseparade.

 

Dies schien wie ein Weckruf zu wirken. Die Fohlen riskierten nun mehr und kamen plötzlich zu Chancen. Nachdem Stranzl zuvor einen Kopfball in die Arme von Wiese köpfte, kam er nur eine Minute vor dessen Tor zur nächsten Großchance. Leider konnte er den Ball nicht kontrollieren und schoss freistehend über das Tor. Auf der Gegenseite hatten die Hausherren nun Raum zu kontern. Zwei Minuten vor Schluss enteilte Arnautovic Filip Daems, der ihn nicht mehr entscheidend stören konnte. Frei vor Bailly überwand er den Gladbacher Schlussmann, unsäglich langsam kullerte der Ball aber glücklicherweise am Tor vorbei. Bremer versuchte den knappen Sieg über die Zeit zu retten. Drei Minuten Nachspielzeit wurden angezeigt. Der mittlerweile eingewechselte Wesley vertändelte leichtfertig den Ball im Mittelfeld und zwang Silvestre, die Situation mit einem Foul zu entschärfen. Mönchengladbach kam so in der 92. Minute zu einer letzten Möglichkeit. Der zuletzt viel gescholtene Juan Arango hob den Freistoss butterweich in den Strafraum, wo Dante per Kopf den ebenso überraschenden wie glücklichen Ausgleich markieren konnte.

 

Mönchengladbachs Punktgewinn ist ohne Zweifel glücklich, wenn auch nicht so glücklich wie vor zwei Jahren, als die Kräfteverhältnisse noch deutlicher waren. Ohne Glück ist der Abstiegskampf jedoch auch nicht zu gewinnen. Insofern wird das Déjà-vu sicherlich dankbar angenommen. Das Unentschieden bringt die Elf vom Niederrhein zwar nicht weiter, allerdings auch nicht den befürchteten Knock-Out. Die Art und Weise wie der Punktgewinn zustande kam, kann psychologisch aber ganz wichtig sein, besonders vor dem nun immens wichtigen Heimspiel gegen Kaiserslautern. Es darf also weiter gehofft werden.

 

Werder Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Prödl, Silvestre - Frings - Bargfrede, Borowski (71. Wesley) - Trinks (58. Arnautovic) - Pizarro, Wagner (58. Marin).

 

Borussia Mönchengladbach: Bailly - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Marx (46. Nordtveit), Neustädter, Fink (78. Herrmann) - Reus, Arango - Idrissou (64. Hanke).

 

Tore 1:0 Wagner (39.), 1:1 Dante (90.).

 

Gelbe Karten: Prödl, Bargfrede, Marin.

 

Schiedsrichter: Gräfe.

 

Zuschauer: 40.500.

 

 


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