20220729 Landschaft Schwarzwald

Bildquelle: nir_design auf Pixabay

Egal, es wird schwer! Borussia Mönchengladbach trifft am Sonntag in der ersten Runde des DFB-Pokals in Freiburg auf den SV Oberachern, den südbadischen Pokalsieger. Dass es so etwas gibt, liegt an einer Besonderheit des baden-württembergischen Sports, der noch kleinstaatlicher organisiert ist als in den meisten anderen Bundesländern. Während bereits 1952 aus den nach dem 2. Weltkrieg gegründeten Ländern Württemberg-Hohenzollern, Württemberg-Baden und (Süd-)Baden das heutige Bundesland Baden-Württemberg hervorging (auch wenn sich innerhalb desselben die Landesteile Baden und Württemberg nach wie vor in herzlicher Abneigung verbunden sind), haben zahlreiche Sportverbände in den verschiedensten Sportarten diese Länderfusion ignoriert und sind seither meist in einen südbadischen („Freiburg“), einen nordbadischen („Karlsruhe/Mannheim“) und einen württembergischen („alles, was man ungestraft als Schwabe bezeichnen darf“) Verband gegliedert. Das gilt auch für den Fußball, was insbesondere in Südbaden vergleichsweise unbekannte und niedrigklassige Pokalsieger ermöglicht, spielen doch mit der 2. Mannschaft des SC Freiburg und dem Bahlinger SC ganze zwei Mannschaften aus dem südbadischen Verband höher als in der Oberliga Baden-Württemberg.

Über den SV Oberachern ist recht wenig zu erfahren. Der Verein aus dem Acherner Stadtteil Oberachern, laut Wikipedia ein Dorf am Fuße des Schwarzwaldes mit ca. 4000 Einwohnern, geprägt von Streuobstwiesen, Weinbergen und Mischwald, wurde 1928 gegründet und spielte bis 2003/4 ausschließlich auf Kreisebene. Seither gab es mehrere Aufstiege bis in die Oberliga Baden-Württemberg, die man 2021/22 auf Platz 13 mit 5 Punkten Vorsprung vor dem ersten Abstiegsplatz abschloss. Das an diesem Punkt gern vorgenommene Philosophieren über denkbare Spielsysteme und Aufstellungen des Gegners entfällt mangels Kenntnis.

Mit dem Spiel in Freiburg endet für Gladbach eine schwer zu bewertende Vorbereitung. Durchwachsenen Testspielen – gegen unterklassige Gegner torgefährlich, aber mit unübersehbaren Schwächen in der Defensive, gegen Erstligisten hinten dicht, aber vorne keine Tore – stehen Zufriedenheitsbekundungen aus dem Kreis der Mannschaft gegenüber, die sich dahingehend zusammenfassen lassen, dass man jetzt endlich wieder wisse, was man für einen Plan habe und sich deshalb auf die Saison freue. Wie nachhaltig das ist, wird sich zeigen, für Oberachern allerdings muss es reichen, alles andere wäre ein neuerliches Armutszeugnis. Bei Borussia fallen mit Beyer, Friedrich, Koné und dem in der Vorbereitung als Linksverteidiger ausprobierten Hannes Wolf einige Defensivspieler aus, sodass es in der Abwehr bereits wieder eng wird.

Eine voraussichtliche Stammelf konnte man in den Testspielen nicht erkennen. Nicht unwahrscheinlich, dass die Viererkette hinter Sommer (oder Sippel, sollte sich der Trainer für einen Pokaltorwart entscheiden) aus Bensebaini (oder Netz), Elvedi, Itakura und Scally (oder Lainer) bestehen wird. Davor kann man Kramer (dessen Stellenwert wieder gestiegen zu sein scheint) und Neuhaus erwarten, eine sehr offensiv und exklusiv bestückte Dreierreihe davor könnte aus Plea, Stindl und Hofmann bestehen und Thuram bedienen, den der Trainer ja bekanntlich als Mittelstürmer sieht. Das wäre eine erste Elf, die man so auch in der Bundesliga erwarten würde. Es kann aber auch sein, dass der Trainer die Begegnung nutzt, um noch einmal jüngeren Spielern oder solchen aus der sogenannten zweiten Reihe eine Chance gibt, sich zu zeigen.

In welcher Aufstellung auch immer: Borussia Mönchengladbach ist natürlich klarer Favorit in diesem Spiel, auch wenn – Spende ins Phrasenschwein – der Pokal seine eigenen Gesetze hat und man besonders in diesem Wettbewerb keinen Gegner unterschätzen darf.  

 

Der SEITENWAHL-Tipp:

Uwe Pirl: Borussia macht da weiter, wo die Testspielauftritte gegen unterklassige Mannschaften aufgehört haben. Vereinzelte Wackler der sich selbst aufstellenden Abwehr können die Südbadener nicht ausnutzen, vorne führt die individuelle Qualität der Gladbacher zu Toren: 4:0 für Gladbach.

Claus-Dieter Mayer: Der 2:0 Sieg ist zu viel für eine Blamage, aber auch zu wenig, um für Zufriedenheit zu sorgen und bereitet die Anhängerschaft der Borussia schon einmal auf eine "Graue Maus"-Ära vor.

Michael Heinen: Borussia siegt im Dreisamstadion. Wie lange mussten wir auf diese Schlagzeile warten. Mit einem anfangs holprigen, aber letztlich ungefährdeten 3:0 setzt sich Borussia durch.

Thomas Häcki: Das Spiel hat letztlich einen Hauch von Generalprobe vor dem Bundesligastart. Die Borussia gewinnt locker mit 6:0. Wo die Borussia steht lässt sich danach aber nicht sagen.

Volkhard Patten: Ich werde Borussia zum ersten Mal im Dreisam-Stadion sehen und kann mich über einen ungefährdeten 6:0-Sieg in Freiburg freuen. So eine Bilanz haben nicht viele Mitglieder unserer Fanszene.

Christian Spoo: Daniel Farke wartet weiter auf seine erste Niederlage als Borussentrainer. Das 4:1 gegen Oberachern ist Pflicht und die wird absolviert.


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