AJ7X2779Seitenwahl 17Aug19Lag es etwa am fehlenden Vorbericht von SEITENWAHL, dass Borussia Mönchengladbach am Samstagabend in der ersten Halbzeit so deutlich unterlegen war? Sicher nicht, denn auch wenn dort vielleicht die Möglichkeit einer Freiburger Dreierkette diskutiert worden wäre, so ist davon auszugehen, dass die Verantwortlichen unserer Borussia diese Variante auch ohne Lektüre von SEITENWAHL auf dem Schirm hatten.

Gladbach war zu diesem Spiel mit der Ansage angetreten, die mit dem Schalke-Spiel begonnene Wende zum Positiven fortzusetzen und eine Serie zu starten, um doch noch in Reichweite der internationalen Wettbewerbe zu gelangen. Dass Freiburg als unmittelbarer Konkurrent für dieses Unterfangen kein einfacher Gegner werden würde, muss allen Beteiligten klar gewesen sein. Um so rätselhafter war dann das, was man in den ersten 45 Minuten als Gladbach-Fan angeboten bekam. Nach einem eigentlich ganz vernünftigen Start in das Spiel bekam die Heimelf im Grunde kein Bein mehr auf den Boden und wurde von den Freiburgern mittels schneller Angriffe in der Defensive ein ums andere Mal vor schier unlösbare Probleme gestellt. Das Abwehrverhalten der gesamten Mannschaft war – so klar muss man das ausdrücken – in der ersten Halbzeit eine Katastrophe, die sich nicht allein damit erklären lässt, dass die Freiburger aufgrund der gewählten Formation das Mittelfeld breiter bespielen konnte als das den Gladbachern lieb war. Sowohl Trainerteam als auch Mannschaft müssen sich fragen lassen, warum auf diesen ziemlich offensichtlichen Schwachpunkt nicht früher reagiert wurde, sei es durch Umstellungen, Tieferstehen oder einfach eine etwas engagiertere Arbeit gegen den Ball. So jedenfalls konnte man sich bei dem überragend haltenden Yann Sommer und dem eigenen Spielglück bedanken, dass es zur Halbzeit nicht bereits 0:3 stand.

Ganz gegenteilig verlief dann Halbzeit 2: Die Umstellung auf Dreierkette mit einem faktisch den Libero gebenden Zakaria (eingewechselt für den zuvor nicht aufgefallenen Hannes Wolf) führte zu einer Spiegelung der Spielsysteme. Dies, verbunden mit einer deutlich mehr Energie ausstrahlenden Gladbacher Borussia und dem nötigen Glück sowohl beim eigenen Tor zum 1:1 als auch beim nicht gegebenen Freiburger Ausgleich zum 2:2 führte letztlich zum glücklichen Sieg.

Was bleibt an Diskussionspunkten?

Als Erstes erneut der VAR. Als in der 69. Minute Lainer den Ball eroberte und Borussia einen schönen Spielzug daraus machte, der im Endeffekt zu einem Freiburger Eigentor führte, wurde dieses nicht gegeben, weil Lainer nach seiner Balleroberung auf dem Fuß seines Gegenspielers gelandet war. Spontan war ich der Meinung, dass sowas kein Foul sein kann (schließlich war keinerlei Absicht damit verbunden und da der Ball ohnehin weg war, bestand auch kein Zusammenhang mit der Fortsetzung des Spiels). Der VAR sah das anders. Der Kicker in seinem heutigen Artikel wie ich. Zur Versöhnung gab es dann die – korrekte – Abseitsentscheidung beim nicht gegebenen Freiburger Ausgleich.

Zweitens war es wieder einmal ein Spiel, in dem man zu dem Eindruck kommen konnte, dass der individuell (wenn auch nur in Nuancen) unterlegene Gegner im Vergleich zu Borussia Mönchengladbach das strukturiertere Spiel spielt. Die Freiburger Konter in der ersten Halbzeit ebenso wie der präzise ausgespielte Freiburger Angriff in der Nachspielzeit stehen als Beispiele für eine Eingespieltheit, die man im Gladbacher Spiel derzeit schmerzlich vermisst und die – so sieht es aus – dadurch ersetzt wird, dass man sich (zu sehr) auf die individuellen Qualitäten einzelner Spieler verlässt.

Das leitet über zu meinem dritten Punkt: Zakaria und Thuram nähern sich ihrer Bestform. Insbesondere Zakaria lieferte zweifellos seinen besten Auftritt in der laufenden Saison ab; hier war wieder der Denis Zakaria zu sehen, für den die Interessenten vor seiner Verletzung Schlange standen. Thuram und insbesondere sein Durchsetzungsvermögen vor dem zweiten Tor sind ebenfalls eine Erwähnung wert.

Viertens gibt es mal einen Anlass, Medien zu loben: Sowohl die taktischen Erläuterungen von Ralf Gunesch während des Spiels als auch die Nachbereitung dieser Themen mit den Protagonisten nach dem Spiel durch das DAZN-Team gehörten mit zum Kenntnisreichsten, was ich persönlich in dieser Saison auf dieser Ebene erlebt habe. Das zeigt, dass es durchaus möglich ist, auch unmittelbar nach einem Spiel inhaltlich über Taktik und Systeme zu sprechen, wenn man über die Frage „Herr X/Y/Z, wie fühlen Sie sich nach diesem Sieg/dieser Niederlage?“ hinauszugehen bereit ist.

Fünftens ein Nachtrag zum ausgefallenen Vorbericht: Claus-Dieter Mayer hätte auf ein mühsames 2:1 nach 0:1-Pausenrückstand getippt (soll ich schreiben).


Folge uns auf Twitter