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Jetzt also Mainz, Bundesliga. Profaner, so scheint es, kann eine solche Woche nicht enden. An dieser Stelle ersparen wir uns auch sämtliche „Ausgerechnet“-Floskeln mit Blick auf den Gegner, bei dem der künftige BVB-Angestellte einst seine geplante Karriere als Trainer begann. Und dennoch birgt die Partie eine gewisse Sprengkraft. Doch der Reihe nach. 

Zum verkündeten Wechsel Marco Roses ist alles gesagt, auch und vor allem hier bei SEITENWAHL. Und es dauerte natürlich nur wenige Tage, bis auch die Gerüchteküche um mögliche Spielerabgänge wieder neue Nahrung bekam (ist das ein krummes Bild?). Jetzt will Jonas Hofmann also zum FC Chelsea, nachdem schon Marcus Thuram, Denis Zakaria, Alassane Plea und Nico Elvedi als abwanderungswillig gekennzeichnet wurden. Dass niemand der Genannten ihrem Noch-Trainer zum börsennotierten Ballsportverein folgen wird, hat er ja hoch und heilig versprochen. Und wer sind wir, ihm nicht zu glauben!

Die einzige Medizin, die die offenen Wunden in Mönchengladbach heilen kann, ist sportlicher Erfolg. Die kommenden Wochen werden zeigen, wohin die Reise geht. Ob wir uns Mitte März, auf Platz 9 in der Bundesliga stehend und aus beiden Pokalwettbewerben ausgeschieden, angucken und uns fragen, wann Borussia die Saison eigentlich aus den Händen geglitten ist? Oder liegen sich alle jubelnd in den Armen, weil Borussia auf dem Weg nach Berlin ist, das große ManCity geärgert hat und wieder in den Tabellenregionen unterwegs ist, die es Max Eberl zumindest vereinfachten, einige der oben Genannten zum Bleiben zu bewegen? Nach Mainz folgt das „Heimspiel“ gegen die zurzeit wohl beste Fußballmannschaft der Welt, Manchester City, und dann Leipzig, der BVB im Pokal und Bayer Leverkusen binnen acht Tagen. Hmpf.

Mit Blick auf dieses Programm wird das Heimspiel gegen die Rheinhessen zu einem Muss-Sieg. Auch wenn die von Ex-Borusse Bo Svensson deutlich stabilisierten Mainzer sich zu einem sehr unangenehmen und wettbewerbsfähigen Bundesligisten entwickelt haben, alles andere als ein Heimsieg wäre eine Katastrophe: tabellarisch als auch für die Stimmung. Wir wollen uns an dieser Stelle gar nicht ausmalen, wenn das durchaus nicht unrealistische Szenario von mehreren deutlichen Pleiten hintereinander eintritt. Das Gebäude Borussia, das vor gar nicht langer Zeit nach rauschenden Europapokal-Nächten gegen Real Madrid, Inter Mailand oder Donezk noch so glänzend und stabil erschien, droht gefährlich tiefe Risse zu bekommen. Auch wenn Eberl tapfer und mit teils rhetorisch überzogener Verve im Hinter- und Vordergrund versucht zu kitten und der Verein schnell ein „Interview“ mit Kapitän Lars Stindl auf der vereinseigenen Homepage hinterhergeschoben hat.

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Zu den Fakten: Borussia wartet seit drei Spieltagen auf einen Sieg und musste in der Tabelle etwas abreißen lassen. Die Leistung bei den zurzeit starken Wolfsburg hat etwas Mut gemacht, zumindest kämpferisch hat sich die Mannschaft nichts zu schulden kommen lassen. Spielerisch, das gehört leider zur Wahrheit, gibt es jedoch deutliche Luft nach oben. Dieses Problem zieht sich schon etwas länger durch die Saison und wurde lediglich durch die spektakulären Spiele gegen Bayern, Dortmund oder auch Real Madrid und Inter Mailand kaschiert. 

Mit Blick auf die genannten Aufgaben der kommenden Wochen ist davon auszugehen, dass Rose erneut die Köln-Taktik rausholen wird, sprich: es ist mit einigen Wechseln in der Startelf zu rechnen. Wie das in dieser Saison oft geendet ist, muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden. Zur sogenannten Belastungssteuerung gibt es jedoch wenig Alternativen. Es liegt demnach an den Herren Wolf, Wendt oder Herrmann, endlich zu zeigen, dass sie das Niveau halten können, das Borussia braucht. 

Wie unangenehm Mainz sein kann, hat unlängst Bayer Leverkusen erfahren, das im Heimspiel gegen die Nullfünfer bis zur 89. Minute mit 2:0 führte. Am Ende stand es dann 2:2, das Mainz feierte wie einen Sieg. Seit Bo Svensson das Ruder am Bruchweg übernommen hat, entfacht die Mannschaft kraft ihrer fehlenden spielerischen Klasse keine Feuerwerke auf den Platz, aber sie kämpft, beißt, rennt und kratzt; zeigt also Attribute, die Borussia in der Regel überhaupt nicht schmecken. RB Leipzig auch nicht, denn die verloren sogar in Mainz. 

All diese moralischen Erfolge hat die tabellarische Brisanz für Mainz jedoch nicht verschwinden lassen. Mit nur 14 Punkten trägt der Klub immer noch einen schweren Rucksack, es wird wohl bis zum letzten Spieltag auf ein Fernduell mit Arminia Bielefeld hinauslaufen, wer sich zumindest auf den Relegationsplatz wird retten können. 

Im Mainzer Kader sticht kein Spieler hervor. Den, der es in der Hinrunde noch tat, hat man im Winter in die Premier League zu Crystal Palace transferiert: Jean-Philippe Mateta. Jener französische Stürmer, der bei Borussia knappem, aber letztlich verdientem 3:2-Auswärtssieg im Oktober 2020 beide Tore für Mainz erzielte. Mit seinen sieben Saisontoren ist Mateta nach wie vor der beste Torschütze des Vereins in der laufenden Saison. Zweitbester Schütze ist der Abwehrspieler Moussa Niakhaté mit drei Treffern. Allein die beiden Genannten sind für 50% aller Mainzer Treffer verantwortlich. 

Für das Spiel im Borussia-Park wird Svensson wohl wenig Veränderungen zum 2:2 in Leverkusen vornehmen: Im Tor wird Robin Zentner beginnen. Stefan Bell wird als zentraler Verteidiger einer voraussichtlichen Fünferkette agieren, in der da Costa und Mwene außen spielen. Im Sturm wird wohl der Rückkehrer Adam Szalai neben Karim Onisiwo auflaufen. Letzterer ist mit einem Saisontor auch nicht gerade ein Schreckgespenst gegnerischer Abwehrreihen. Mit Vorlagen füttern soll die beiden Danny Latza, der ebenfalls noch auf sein erstes Saisontor wartet. Mainz funktioniert als Mannschaft, nicht über individuelle Klasse. Aber das hatten wir ja schon. 

Auf Borussia wird ein Geduldsspiel zukommen. Gegen tief stehende und aggressiv verteidigende Gegner tut sich die Mannschaft traditionell schwer, weil der Platz für die Tiefenläufe fehlt. In Erwartung einer Aufstellung um Embolo, Herrmann und Wolf sollten alle, die es mit Borussia halten, kein rauschendes Fußballfest erwarten. Was zählt, sind einzig drei Punkte. Sonst wird es ungemütlich, sehr ungemütlich. 

Die Tipps der SEITENWAHL-Redaktion:

Uwe Pirl: Mainz bleibt Mainz bleibt der Tabellenvorletzte. Wenn der zukünftige Ex-Trainer nicht wieder hirnlos rotiert, muss Borussia das Spiel gewinnen. 2:0.

Christian Spoo: Wer auf schönen Fußball hofft, hofft vergebens. Die Ereignisse der Woche schlagen sich nicht erkennbar auf dem Rasen nieder. Weil Mainz aber nur Mainz ist, gewinnt Borussia trotzdem mit etwas Mühe und mit 1:0. 

Thomas Häcki: Heimspiel. Favorit. Roses Mannen zeigen, dass sie nichts verlernt haben. 1:1 nach Führung.

Mike Lukanz: Borussia muss gewinnen, tut es aber nicht. Das 1:1 wird zumindest rückblickend in ein paar Wochen als „immerhin nicht verloren“ in Erinnerung bleiben.  

Claus-Dieter Mayer: Die gute Nachricht: Die Mannschaft zeigt sich unbeeindruckt von den Ereignissen der letzten Tage. Die schlechte Nachricht: Man schafft es weiterhin nicht eigentlich schlagbare Gegner daheim zu besiegen (außer es ist Schalke) und müht sich am Ende zu einem 1:1. Gott sei Dank schafft es Max Eberl bei der anschließenden Pressekonferenz borussiafeindliches Gerede von einem Unentschieden als Fake News zu entlarven und wird dafür verdientermaßen aller Orten gefeiert.

  • 04. Dezember 2021 @ballreiter Das biggest Spiel der Bundesrepublik war bereits am vergangenen Samstag.
  • 04. Dezember 2021 @guek62 Ein guter Plasma-TV ersetzt jeden Heizkörper.
  • 04. Dezember 2021 @ko93678955 Wünschen nur das Beste! 🙏
  • 04. Dezember 2021 Der #BVB hat die letzten 6 Spiele gegen die #Bayern alle verloren, bei einer Tordifferenz von 6:21. #BVBFCB ist gen…
  • 04. Dezember 2021 @torhamster04 Vor Wolfsburg, es war 1 Woche vor Wolfsburg. Schöne Grüsse an Markus Reiter und den eiskalten @ulfkirsten9 🙂
  • 04. Dezember 2021 @u_bonnekoh Rummelboxen.
  • 04. Dezember 2021 @ballreiter Schustersbernd hat vor ein paar Wochen in einem Interview mit der Marca sehr über ihn gespottet.

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