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Die Voraussetzungen vor dem Wolfsburg-Spiel waren nicht gut: Großes Verletzungspech, nur vier Punkte aus den letzten fünf Partien und der frustrierende Rückfall aus den Champions-League-Plätzen – erstmals seit dem 7. Spieltag. Nicht wenige Experten fürchteten, die Mannschaft könne so auch gegen den VW-Werksklub verlieren und sich selbstzufrieden auf dem Erreichen des immer noch respektablen 5. Platzes ausruhen. Wie so oft wurden die Experten von Borussia eines Besseren belehrt, denn die Mannschaft von Marco Rose lieferte eine der besten Leistungen dieser Rückrunde ab und besiegte den Tabellennachbarn auch in dieser Höhe verdient mit 3:0.

Zur Erinnerung: Im Vorjahr war es nur ein einziges Tor, das die Fohlen am Saisonende von den Wölfen trennte. Trotz deckungsgleicher Platzierungen sind es aktuell 13 Zähler. Allein das sollte verdeutlichen, dass sich die Parallelen zur vergangenen Saison allerhöchstens auf den Verlauf der Platzierungen beschränken. In der Saison 2018/19 war es der Mannschaft über die gesamte Rückrunde hinweg nicht gelungen, den Abwärtstrend in Form einer äußerst unansehnlichen Reihe erfolgloser Spiele zu stoppen. Mit mehr Glück als Verstand wurde zumindest noch der 5. Platz gesichert mit schlussendlich 55 Punkten. Aktuell sind es bereits 59 und dank des Sieges über Wolfsburg besteht weiterhin die Hoffnung, Leverkusen in den kommenden beiden Wochen doch noch zu überholen.

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Dafür bedarf es zum einen der Schützenhilfe zweier Mannschaften, für die es vermutlich um nichts mehr gehen wird. In Berlin ist der „Labbadia-Effekt“ bereits vor Wochen verpufft. Nach drei Niederlagen in Folge ist schwer vorstellbar, dass die Hertha eine ernstzunehmende Hürde für die zuletzt konstant starken Leverkusener darstellen wird. Die Mainzer haben zwar zuletzt bei den charakterlosen Dortmundern überrascht. Sofern sie sich am kommenden Wochenende bereits retten sollten, wäre fraglich, ob sie sich am letzten Spieltag in Leverkusen noch einmal zu einem ähnlichen Husarenstreich motivieren können. Es muss aber kein schlechtes Omen sein, dass sich auch hier die Experten einig sind, Bayer in der Favoritenrolle zu sehen.

Unabhängig vom Auftreten der Leverkusener gibt es zum anderen aber noch eine andere nicht ganz unwesentliche Voraussetzung dafür, dass der Traum von der Champions League im Borussia-Park bald wieder Realität wird. So muss Borussia ebenfalls die „Hürde“ Hertha überwinden. Vorher geht es aber zum Absteiger aus Paderborn, der sich in seinem vorläufig letzten Bundesliga-Heimspiel vermutlich achtbar wird schlagen wollen. Im dritt- und vorletzten Heimspiel gelang das nur suboptimal bei 1:6- bzw. 1-5-Niederlagen gegen Dortmund und Bremen. Mit 8 Punkten holten die Ostwestfalen in der Rückrunde bislang sogar noch einen Punkt weniger als Schalke 04 – viel tiefer kann ein Verein kaum sinken.

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Personell gehen beide Teams auf dem Zahnfleisch. Fehlen bei Borussia Zakaria, Thuram, Elvedi, Strobl und voraussichtlich Plea, so muss Paderborn auf Kilian, Strodiek und Vasiliadis verzichten. So könnte es aber zu einem Wiedersehen mit gleich zwei Ex-Borussen in der Startelf kommen, denen der ganz große Durchbruch am Niederrhein versagt geblieben ist. Auch in Paderborn spielen Sven Michel und Marlon Ritter eine sehr durchwachsene Saison, sodass der Abstieg für sie nicht die schlechteste Nachricht ist, um sich in der 2. Liga mit Spielern ihres Kalibers auf Augenhöhe messen zu können.

Bei Borussia dürfte Tony Jantschke den gelbgesperrten Elvedi ersetzen, während der zuletzt gelbgesperrte Bensebaini für Oscar Wendt ins Team zurückkehren könnte. Dies wären dann aber auch die einzigen Änderungen, die gegenüber der Startformation gegen Wolfsburg zu erwarten sind. Wenn die Mannschaft dann auch ihr Auftreten der Leistung vom Dienstag anpasst, steht der Erfüllung der ersten Pflichtaufgabe nichts mehr im Wege.

Seitenwahl-Tipps

Michael Heinen: Man stelle sich vor, Bayer ließe Punkte in Berlin und Borussia gleichzeitig in Paderborn. So viel Borussia war früher. Die aktuelle Fohlenelf ist da abgezockter und lässt dem Absteiger mit einem 4:1-Auswärtssieg keine Chance.

Christian Spoo: Es wird schwieriger, als angesichts der Tabellenstände beider Teams vielleicht erwartet. Paderborn fehlt einiges, Moral gehört aber nicht dazu. Dass das Team sich nach dem Abstieg hängen lässt, ist nicht zu erwarten. Borussia sollte sich auf mehr Widerstand einrichten, als am Dienstag. Trotzdem reicht es zu einem 2:1-Sieg.

Claus-Dieter Mayer: Die Borussia hat mit dem Absteiger etwas mehr Mühe als erwartet, erfüllt aber ihre Pflicht mit einem 2:0 Sieg.


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