Copyright: Christian Verheyen/Borussia

Zwei Momente werden hängenbleiben von diesem Sonntagnachmittag im Borussia Park: Spieler, die aufstehen, wenn ein Anderer nach langem Leiden endlich seine ersten Minuten auf dem Rasen bekommt. Und ein Spieler, der niederkniet, um so auch so symbolisieren, was 30 Meter weiter oben zurecht auf der Dachvorderkante hängt: „Gegen Rassismus!“ 

Der Spiegel-Journalist Peter Ahrens fasste es nach Spielschluss kurz und prägnant in einem Tweet zusammen: „Das hat mir heute alles ganz gut gefallen aus dem Borussia Park.“ Denn neben den emphatischen und richtigen Zeichen, die die Mannschaft als Kollektiv bei der Einwechslung von Mamadou Doucouré und Marcus Thuram als Individuum gegen Rassismus gesetzt haben, gelang zudem ein sportlich überzeugender wie wichtiger 4:1-Heimsieg gegen Aufsteiger Union Berlin. Nach zuletzt nur einem Punkt aus zwei Spielen war dies die Reaktion einer Spitzenmannschaft, die verdeutlicht, bis zum Ende dieser skurrilen Saison ganz oben mitspielen zu wollen - und zu können.

Von Beginn an wurde in diesem Spiel klar, wer der Favorit ist. Marco Rose musste bedingt durch einige Ausfälle (Strobl, Zakaria, Embolo) etwas umstellen, doch die Qualität, die Borussia zurzeit und trotzdem auf den Platz bringen kann, ist ein wichtiges Pfund. Zudem scheinen einige Spieler nach einem Formtief zurück zu alter Stärke zurückzukehren. Allen voran Florian Neuhaus, der nicht nur wegen seines Tores zum 1:0 einer der besten Spieler auf dem Platz war. Neuhaus war überall zu finden, übernahm Initiative, war bissig in Zweikämpfen und um spielerische Lösungen bemüht. Zudem war die Art und Weise, wie er das Tor erzielte, symbolisch: Mit Zug zum Tor, sich trotz Trikotziehens und Drängelns nicht beirren lassen, um den Ball schließlich mit einem Kraftakt (und etwas glücklich) ins Tor zu schießen. Sei es drum: Es wird für die letzten Partien dieser Saison eben entscheidend sein, so viele Leistungsträger wie möglich in Top-Form zur Verfügung zu haben, wenn überragende Spieler wie Denis Zakaria nicht zur Verfügung stehen.

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In der Offensive hatten die ebenso aktiven wie spielfreudigen Thuram und Plea leichtes Spiel mit den oft ruppigen, aber eben auch oft überforderten Berliner Verteidigern um den ehemaligen BVB-Profi Neven Subotic. Bei Thurams Toren zum 2:0 und 3:1 sowie Pleas Treffer zum 4:1 hatten Borussias Angreifer im Strafraum mehr Abstand zu ihren Gegenspielern als beim offenen Husten in einem Supermarkt in diesen Tagen. Dennoch ist die Konsequenz der Chancenverwertung eben auch eine Frage der Qualität und etwas, das gegen Bremen und Leverkusen noch vermisst wurde. Der kurze Moment der Schläfrigkeit beim zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer nach einem Standard wurde schnell korrigiert, so dass während des Spiels niemand ernsthaft an einem Heimerfolg zweifelte. Auch mit Blick auf den engen Tabellenstand auf den Plätzen 2 bis 5 war es gut und wichtig, auch die Tordifferenz zu verbessern. 

Sicherlich, der Gegner aus Berlin-Köpenick war für Borussia in dieser Form sicher kein Maßstab. Dennoch ist kein Sieg in der Bundesliga selbstverständlich, wie das müde Auswärtsspiel in Bremen wenige Tage zuvor gezeigt hatte. Mit dieser Leistung und der Fokussierung aus dem Union-Spiel braucht Borussia jedoch auch vor dem historisch bedingten Albtraum-Auswärtsspiel in Freiburg keine Angst zu haben.

Ein Sieg im Breisgau wäre das nächste, (sportlich) sehr wichtige Zeichen. 


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