Wo kommen sie her?

Max Eberl wurde diesen Sommer nicht müde zu betonen, wie herausragend Platz 5 in der vorigen Saison gewesen sei und wie wenig euphorisch dies von vielen Fans wertgeschätzt wurde. Die allermeisten Fans des Vereins zeigten sich allerdings mit der Qualifikation zur Europa League am von ihm so heißgeliebten „langen Ende“ schon zufrieden. Angesichts von zwischenzeitlich 10 Punkten Vorsprung auf jenen Platz 5 wäre es aber kein gutes Zeichen, wenn nicht auch eine gewisse Enttäuschung über das Verpassen der Champions League bestehen würde.

Keine Frage: Platz 5 ist alles in allem ein für Borussia-Verhältnisse ordentliches Saisonergebnis. Von den finanziellen Möglichkeiten gehört der Verein eher auf die Plätze 6 bis 8. Bayern, Dortmund und Red Bull sind wirtschaftlich weit enteilt. Auch Gazprom und VW sind deutlich zahlungskräftiger als die Postbank. Dahinter tummeln sich mit Leverkusen, Hoffenheim, Bremen, Frankfurt oder Berlin eine Handvoll Vereine, mit denen sich Borussia mehr oder weniger auf wirtschaftlicher und sportlicher Augenhöhe befindet.

Zu bedenken ist aber, dass sich Schalke 04 in der Vorsaison quasi selbst aus dem Spiel nahm und dass Borussia im Kontrast zu einigen Konkurrenten weder Doppelbelastung noch allzu großes Verletzungspech zu beklagen hatte. Generell gilt: Für einen Platz in Europa muss Borussias Saison gut verlaufen. Im letzten Jahr lief es lange Zeit sogar sehr gut, was zu einer überragenden Hinrunde beitrug.

Ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass die Mannschaft in den letzten 14 Partien nur noch 13 Punkte holte und dort die Bilanz eines Absteigers vorwies – namentlich des VfB Stuttgart, der in diesem Zeitraum dieselbe Punktzahl einfuhr. Dieter Hecking ist es über fast vier Monate hinweg nicht gelungen, diesen Negativlauf aufzuhalten. Am Ende war es ein mickriger Punkt, der die Mannschaft vor Platz 7 und einer ungemütlichen Sommertour über die Dörfer Ost- und Südeuropas bewahrte. Eingefahren wurde dieser z. B. durch ein unfassbar glückliches 2:2 gegen die TSG Hoffenheim. Dass es in der Woche darauf gegen die vom Abstieg demoralisierten Nürnberger noch einmal zu einem Sieg reichte, kann nicht über die desolate Rückrundenbilanz hinwegtäuschen, die perspektivisch gesehen einige Fragen aufwarf:

Wie konnte es zum wiederholten Male passieren, dass die Mannschaft in der zweiten Saisonhälfte derart deutlich einbrach und auf einmal wirkte als habe sie ihre vorher gezeigten Qualitäten komplett verdrängt?

Wieso zeigt die Mannschaft sehr oft sogar während eines Spiels höchst unterschiedliche Gesichter und ist nur selten in der Lage, ihr Spiel 90 Minuten durchzuziehen?

Ist die Mannschaft zu brav und fehlt ihr ein Leader der Marke Stranzl oder Galasek, der sie in solchen Momenten der zunehmenden Lethargie wachrüttelt?

Dieter Hecking war dies zuletzt von außen leider nicht mehr gelungen, weshalb es perspektivisch sinnvoll war, ihn trotz des erreichten Saisonziels durch einen viel versprechenden Trainer mit modernen Ideen zu ersetzen.

Was passiert gerade?

Dieser neue Trainer heißt Marco Rose und war zuletzt einer der meist umworbenen Trainer im deutschsprachigen Raum. Spätestens als sich die Verantwortlichen in Leipzig für den noch etwas umworbeneren Julian Nagelsmann entschieden hatten, wurde Rose klar, wie begrenzt seine Aufstiegschancen im eigenen Haus sind. Seine nationalen Erfolge mit RB Salzburg, die er zweimal zur Meisterschaft und einmal zum Pokalsieg führte, haben angesichts des komplett ausgeschalteten Wettbewerbs im österreichischen Spitzenfußball wenig Wert. Was eher für ihn sprach sind seine modern-ansehnliche Fußball-Philosophie sowie die Aufritte in der Europa League, wo die Salzburger u. a. Dortmund und Leipzig erfolgreich Paroli boten. Dies scheint auch Max Eberl gefallen zu haben, der ihm zutraut, Borussia langfristig in der Spitzengruppe der Bundesliga zu etablieren.

Dies möchte Rose u. a. mit der Implementierung eines neuen Spielsystems erreichen. Als Verfechter der „Klopp-Schule“ soll sein Fußball für aggressives Pressing und blitzschnelles Umschaltspiel stehen. Vorne könnte dies die Rückkehr zu einem System mit zwei Stürmern bedeuten, nachdem sich Borussia jahrelang schwer tat, überhaupt einen echten Strafraumstürmer zu finden. Neben dem bevorzugten 4-4-2-System – Wichtigtuer reden gerne auch von 4-1-2-1-2 – soll die Mannschaft aber bei Bedarf flexibel z. B. auf ein 4-3-3 umschwenken können.

Ein guter Trainer sollte bei allen frischen Ideen immer in der Lage sein, sein System dem vorhandenen Spielermaterial anzupassen. So ist Roses Äußerung zu verstehen, sein altes Salzburg-System dem neuen Team nicht einfach nur überstülpen zu wollen. Als Problem könnte sich nämlich erweisen, dass auf der wichtigen Person im defensiven zentralen Mittelfeld mit Christoph Kramer und Tobias Strobl beide Kandidaten nicht unbedingt für ihre Schnelligkeit berühmt sind. Borussias Weltmeister ist immerhin sehr laufstark, hat dafür in der Vergangenheit aber schon öfter Schwierigkeiten gehabt, die defensive Stabilität als alleiniger Sechser aufrecht zu erhalten. Dies wird umso wichtiger, da die beiden Außenverteidiger höchst offensiv eingesetzt werden und regelmäßig einer Absicherung bedürfen.

Bei Stefan Lainer wird sich erst noch erweisen müssen, ob er seine Stärken als Laufwunder und Mentalitätsmonster in der deutschen Liga genauso gewinnbringend wird einbringen können wie zuletzt in Österreich. Oscar Wendt wiederum wird in seinem 9. Jahr bei Borussia unter Beweis stellen müssen, dass er mit seinen bald 34 Jahren noch immer nicht zum alten Eisen gehört und zudem auch ohne offensives Pendant die linke Seite beackern kann. Am besten funktioniert hat er meist im Zusammenspiel mit einem defensiv starken Außenstürmer wie z. B. Fabian Johnson, der ihm bei seinen eigenen Offensiv-Vorstößen ggf. den Rücken freihielt. Es erscheint mutig, ihn ohne diesen Faktor sowie durch die Absicherung eines einzigen 6ers von der Leine zu lassen.

Da Andreas Poulsen keine ernsthafte Alternative für den Schweden ist, wurde mit Ramy Bensebaini ein vielseitiger Abwehrspieler verpflichtet, der ebenso als Links- wie auch als Innenverteidiger eingesetzt werden kann. Der algerische Africa-Cup-Sieger hat mit seinen 24 Jahren bereits 101 Erstligaspiele in Frankreich absolviert und verfügt daher über eine gesunde Mischung aus Erfahrung und Entwicklungsfähigkeit.

Die Außenbahnen wären damit zumindest quantitativ ausreichend stark besetzt. In der Innenverteidigung scheint der Stammplatz des Duos Elvedi/Ginter sicher. Nicht immer wird Borussia aber so verletzungsfrei durch die Saison kommen wie im Vorjahr. Sollte einer der beiden längere Zeit ausfallen, könnte Bensebaini auch dort eine Alternative darstellen, da er diese Position in der algerischen Nationalmannschaft bereits des Öfteren einnahm. Ansonsten wird man auf den Durchbruch eines talentierten Youngsters wie Louis Jordan Beyer oder Mamadou Doucouré angewiesen sein. Auch Tony Jantschke, der verletzungsbedingt im Kader für das Pokalspiel fehlte, plagen Schnelligkeitsdefizite, wenngleich er dies teilweise mit seiner Erfahrung und Stellungsspiel wettmachen kann.

Während die Defensive insgesamt ein wenig Sorge bereitet, hat das französische Angriffsduo Thuram/Plea bei den bisherigen Eindrücken gut harmoniert und scheint zunächst gesetzt. Plea muss nachweisen, dass seine Leistung in der vergangenen Hinrunde näher an seinem eigentlichen Leistungsniveau liegt als jene aus der Rückrunde. Die Erwartungen auf Thuram hingegen sollten nicht zu stark überhöht werden. Spätestens seit seinem hübschen Kopfballtreffer im Pokal wird er von nicht wenigen Fans als kommender Toptorjäger herbeigesehnt. Erinnert werden muss aber daran, dass Thuram in seiner bisherigen Karriere nicht wirklich als großer Torjäger in Erscheinung getreten ist. In seinem Alter ist er zweifelsohne noch entwicklungsfähig, aber seine Stärken lagen bislang eher in seinem hohen Engagement und der Einleitung gefährlicher Situation. Bei aller Liebe zum Dribbling wird er noch lernen müssen, wann es ggf. besser sein kann, einen besser postierten Mitspieler oder direkt den Abschluss zu suchen. Auch wenn ihm ein Stammplatz absolut zuzutrauen ist, wäre es insgesamt eher der Normalfall, dass er in seinem ersten Jahr in der Bundesliga schwankende Leistungen abliefert und in schwächeren Phasen auch mal von der Bank ins Spiel kommt. Mit Embolo, Herrmann, Stindl und Edeljoker Raffael verfügt Borussia über einige Alternativen, die ihm diesen Raum zur Entwicklung bieten werden.

„Wir verkaufen Qualität und kaufen dafür Potential“. Dieses Credo von Scouting-Chef Steffen Korell offenbarte sich auch in dieser Transferperiode wieder einmal – u. a. in Person des Weltmeister-Sohns. So umstritten wie Thorgan Hazard bei einigen Fans war. In 182 Pflichtspielen war er an 91 Treffern beteiligt und hatte somit in jeder zweiten Partie eine Torbeteiligung. Diese Fußstapfen sollen jetzt Thuram und Embolo im Paket ausfüllen, also zwei zweifelsohne talentierte Akteure, die aber beide erst noch den ganz großen Durchbruch schaffen müssen. Ob dies gleich auf Anhieb in ihrer ersten Borussen-Saison gelingt?

Falls das Duo Thuram/Plea seine zuletzt starken Eindrücke dauerhaft bestätigt, könnte Breel Embolo seine Chance im dreigeteilten offensiven Mittelfeld suchen. Diese Rolle füllte er einst in der Schweiz bereits ordentlich aus, sodass ihm dies absolut zuzutrauen ist. Der verletzungsbedingte Ausfall von Jonas Hofmann, der frühestens im Oktober wieder einsatzbereit sein wird, könnte Embolo sogar schon zum Ligaauftakt gegen Schalke in die Startelf katapultieren. Neben ihm dürften Zakaria und Neuhaus trotz des durchwachsenen Pokalauftritts vorläufig gesetzt sein. In der Liga wird Borussias Mittelfeld aber Besseres abliefern müssen. Durch die fehlenden Offensivaußen sind die Wege weit und die Pässe müssen auch über größere Distanzen präziser kommen als zuletzt.

Michael Cuisance, Fabian Johnson, Ibrahima Traore oder Laszlo Benes heißen die Alternativen fürs offensive Mittelfeld. Dem Slowaken traut Rose offensichtlich einiges zu, was etwas überrascht angesichts der Tatsache, dass seine halbjährliche Leihe nach Kiel nicht gerade überragend verlaufen ist. Gegen Aue deutete Benes mit zwei Treffern seine Qualitäten an. Ansonsten waren seine Leistungen aber „nur“ ordentlich, sodass er sich nicht einmal als unumstrittener Stammspieler in Liga 2 durchsetzen konnte. Nur 9 Partien in der vergangenen Rückrunde absolvierte Benes über mehr als 30 Minuten, steuerte in dieser Zeit aber immerhin neben den beiden Treffern sechs Assists bei.

Für den Slowaken gilt aber genau wie für Cuisance, Doucoure oder Beyer, dass man gespannt sein darf, welcher junge Spieler in dieser Saison den nächsten Entwicklungsschritt geht und sich im Idealfall sogar in die Startformation drängt. An solchen Punkten wird auch das Wirken von Marco Rose und seinem Trainerteam gemessen werden, denn es muss das Ziel sein, die Talente der jungen Akteure zu fördern und diese weiterzubringen. Unter Hecking war dies zuletzt bei kaum einem Akteur nennenswert zu beobachten gewesen.

Wo gehen Sie hin?

Auf auf auf in die Champions League – so möchte man diese Frage gerne emotional beantworten. Auf den ersten Blick wäre diese Zielsetzung nur logisch nach dem 5. Platz zuletzt. Unabhängig vom Trainer gilt für Borussia aber auch in der kommenden Spielzeit die Maxime, dass ein europäischer Platz nur bei guter Konstellation möglich erscheint. Anders als im Vorjahr wird es eine Doppelbelastung geben, denn anders als RB Leipzig wird Borussia die Spiele in der Europa League ernst nehmen. Die aktuellen Ausfälle von Stindl, Kramer und Hofmann deuten zudem an, dass Borussia nicht unbedingt erneut so verletzungsfrei durch die Saison kommen wird wie über weite Strecken des Vorjahres. Auch wenn der Kader insgesamt eine ordentliche Breite hat, so gibt es ein paar Spieler, deren längerfristiges Fehlen eine gehörige Qualitätseinbuße bedeuten würde.

Zu Saisonbeginn wird die größte Frage sein, ob und wie schnell sich die Mannschaft auf das neue System wird einstellen können. Zudem darf nicht vergessen werden, dass die Bilanz der letzten 14 Ligaspiele alles andere als berauschend war und sich erst noch zeigen muss, ob diese Negativserie mit dem Ende der Saison einfach so hinter sich gelassen werden konnte. So sehr es dem Fanherz schmeichelt, dass die meisten Experten Borussia auf einem internationalen Platz sehen. Die Erfahrung lehrt, dass es in der öffentlichen Wahrnehmung sehr schnell in beide Richtungen geht. Nur wenige Niederlagen würden ausreichen, um aus dem sympathisch-modernen Trainer-Multitalent ganz schnell einen überbewerteten Schubert-Klon werden zu lassen, der offensichtlich nur in der österreichischen Operettenliga funktioniert. Es spricht viel dafür, dass beide Sprachregelungen im Laufe dieser Saison zum Tragen kommen werden. Borussia wird aber die Geduld und die Disziplin haben, dies auszuhalten und erst zum Saisonende ein echtes Fazit zu ziehen, das nicht nur den dann erzielten Tabellenplatz, sondern auch die absehbare Perspektive für die Zukunft beinhalten wird. Denn auch wenn es Max Eberl zuletzt anders vorgekommen sein mag: Borussias Fans haben kein Problem damit, bei unglücklichem Saisonverlauf ein oder zwei Jahre im Tabellenmittelfeld zu versacken. Viel entscheidender ist, dass die Mannschaft und der Verein perspektivisch so gut aufgestellt ist, dass sich die zukünftige Wahrscheinlichkeit für einen (möglichst dauerhaften) Platz im oberen Tabellendrittel eher erhöht als reduziert.

Seitenwahl-Prognosen

Michael Heinen: Borussia hat die Qualität, erneut um die internationalen Plätze mitzuspielen. Wo genau sie dann landen werden, hängt von vielen Faktoren ab. Ich befürchte, dass es erneut schwankende Leistungen zu beobachten geben wird mit der bekannten Palette von überragenden Siegen bis hin zu unerklärlichen Lustlos-Vorstellungen. Ich bin gespannt, wie Rose darauf reagieren wird und ob er dies bereits in dieser Saison in den Griff bekommt. In der ersten Saisonhälfte wird es dauern bis die Mannschaft das neue System verinnerlicht hat. In der Rückrunde könnte die Physis zum Problem werden, denn das Dauerpressing kostet ebenso wie die Doppelbelastung viel Kraft, die zum Ende hin fehlen kann. Insgesamt bin ich daher für diese Spielzeit eher pessimistisch und glaube, dass es für Borussia schwer wird, den tabellarischen Erfolg des Vorjahres zu wiederholen. Da ich mich hier festlegen sollte, tippe ich auf einen 7. Platz in der Endauswertung, aber dafür einige begeisternde Auftritte in der Europa-League.

Mike Lukanz: Zugegeben, es wäre ein Leichtes, euphorisch in die neue Saison zu starten. Die Champions League wurde zuletzt nur knapp verpasst, der Kader ist gefühlt stärker dieses Jahr, dazu ein neuer Trainer, ein neues System, endlich wieder mit richtigen Stürmern. Soweit das Herz. Der Verstand jedoch kann die vergangene Saison einschätzen und weiß um die Probleme, die all die Neuerungen mit sich bringen. Die ersten vier Plätze der Liga sind zudem praktisch vergeben, da muss schon vieles richtig und bei anderen vieles falsch laufen. Eine erneute Qualifikation für die Europa League sollte jedoch machbar und zugleich das Ziel sein.

Claus-Dieter Mayer: Der große Umbruch fand in Mönchengladbach nur im Betreuerstab statt, der Kader wurde nur punktuell ergänzt. So wird eine zum Teil noch von Lucien Favre zusammengestellte Ballbesitzmannschaft nun von einem auf Pressing fixierten Trainerteam geleitet: gewisse Anpassungsprobleme und Reibungspunkte sind dabei zu erwarten. Die Qualität und Intelligenz auf beiden Seiten sollte allerdings dafür reichen, dass die Borussia auch in der Saison 2019/20 ein heißer Kandidat auf die Positionen unmittelbar hinter den Championsleague-Plätzen bleibt. Wenn nicht, wird auch Marco Rose bald erkennen müssen, dass nicht Dieter Hecking zu sein auf Dauer nicht genug ist um Gladbach Fans zufriedenzustellen.

Christian Spoo: Was macht den "Rose-Fußball" aus und wie setzt die Mannschaft das um? Anlaufschwierigkeiten wird es geben. Sowohl die Mehrzahl der Spieler als auch die Anhänger sind anders sozialisiert. Ist die Umstellung des Systems ohne großen Umbau des Kaders überhaupt möglich? Wie reagieren die Fans, wenn Borussia hinten offen wie ein Scheunentor ist, und Plea, Thuram und Konsorten vorne nicht gleichzeitig netzen wie einst Jupp Heynckes? Und wie groß ist die Geduld im Verein und im Umfeld, wenn die Anpassungsprozesse Zeit brauchen? Davon ausgehend, dass man dem Trainer Zeit geben wird, rechne ich mit einem sehr holprigen Start und einer Konsolidierung in der zweiten Halbrunde. Im Endklassement wird Borussia zwischen Rang sieben und zehn einlaufen.

Thomas Häcki: Die Systemumstellung wird Zeit benötigen. Die wichtigste Frage ist, wie viel Geduld das Umfeld mitbringt. Wenn es ruhig bleibt, traue ich der Borussia erneut Europa zu. Platz 5 wäre ein schöner Erfolg.

Uwe Pirl: Borussia geht mit vielen Fragezeichen in die neue Saison. Wird es dem neuen Trainer gelingen, sein Spielsystem zu implementieren? Gibt es einen tauglichen Kompromiss zwischen Ballbesitz und Pressing? Ist der nur punktuell ergänzte Kader bereit, diese Herausforderung anzunehmen? Funktioniert das System Rose auch in einer Liga, in der man jede Woche Vollgas spielen muss? Schlagen die Neuzugänge ein? Hält Yann Sommer einen Elfmeter? Kann man den Abgang von Thorgan Hazard kompensieren? Zündet die neue Anordnung der Vereinshymnen oder wird "Tempo" der neue Hauptsponsor ("Die Seele brennt wird Ihnen präsentiert von "Tempo"!")? Wie auch immer die Antwort auf diese Fragen aussehen wird - der Kader hat Qualität, vielleicht sogar in der Breite an Qualität gewonnen. Insofern sollte es der Anspruch sein, um Platz 3-7 mitzuspielen. Platz 3 oder 4 wird es nur bei optimalem Verlauf werden. Weniger als Europa würde jedoch schon als Mißerfolg zählen. Das ist der Anspruch, an dem sich Borussia auch in der Folgesaison messen lassen muss - optimalerweise mit einem ansehnlicheren Fußball als zuletzt.


Folge uns auf Twitter