Mit dem eminent wichtigen 2:0-Sieg über den VfL Wolfsburg im Rücken kann Borussia nunmehr etwas beruhigter in die noch ausstehenden vier Pflichtspiele dieses Jahres gehen. Bevor das europäische Freundschaftsspiel in Istanbul ansteht, geht die Reise am Samstag ins Ruhrgebiet, wo der FC Schalke 04 bemüht sein wird, seine Mini-Krise der letzten Woche zu beenden.


Im bisherigen Saisonverlauf hat sich Borussia regelmäßig darin ausgezeichnet, nicht zu nah an die obersten und untersten Ränge der Tabelle heranrücken zu wollen. Wann immer die Gefahr drohte, bei einer weiteren Niederlage in den Abstiegskampf gezogen zu werden, gelang ein meist überraschender Sieg. So verhielt es sich zum Glück auch an diesem Mittwoch, als mit viel Effizienz, etwas Glück und einer deutlichen Leistungssteigerung die Punkte 18 bis 20 eingefahren wurden.

 

Ein Sieg über den VW-Klub mag nach der tollen Vorsaison und angesichts der Tabellenlage der Gäste nicht ganz so überwältigend wirken. Vergessen werden darf aber nicht, dass der Kader der Wölfe mit noch einigen Millionen mehr zusammengestellt wurde als jener von Borussia. Wenn Max Eberl vor dieser Saison 30 Mio. Euro ausgibt, dann war dies nur möglich, weil zuvor ein ähnlich stattlicher Betrag durch Verkäufe in die Kassen geflossen war und weil der Verlust von Spielern mit einem Marktwert von über 50 Mio. Euro entsprechende Kompensationen erforderte. In Wolfsburg ist es hingegen kein großes Thema, wenn regelmäßig solche Millionensummen bewegt werden. Der allmächtige Sponsor macht es möglich, der zusätzlich noch ein paar Milliönchen an den DFB spendet, damit dieser den Effekt des verzerrten Wettbewerbs stillschweigend toleriert.

 

Umso beachtlicher ist es, wenn sich Vereine wie Mainz und Freiburg Jahr für Jahr in diesem fairness-verachtenden Haifischbecken über Wasser halten. Aber auch Borussia schlägt sich in diesem Geschäft in den letzten Jahren ordentlich. Ob es ihnen nachhaltig gelingt, mit den Vereinen mitzuhalten, die in der Lage sind, weit höhere Ablösen und Gehälter zu zahlen, muss sich aber noch herausstellen.

 

Am Samstag bietet sich eine weitere Gelegenheit dazu, denn mit dem FC Schalke 04 wartet ein weiterer Verein aus der Top5 der Bundesliga-Gehaltstabelle. Im Vorjahr war dies ein Duell auf Augenhöhe, das Borussia im direkten Vergleich sogar deutlich für sich entscheiden konnte. In Gelsenkirchen ging die Partie damals jedoch durch ein Tor von Raul verloren. Der Spanier läuft bekanntlich nicht mehr für die Schalker auf, die dennoch über erhebliches Offensivpotential verfügen.

 

Klaas-Jan Huntelaar ist da an vorderster Stelle zu nennen, wenngleich der in dieser Hinrunde bislang noch nicht so recht in Fahrt gekommen ist und erst fünf Saisontore auf seinem Konto verbuchen kann. Je eins erzielte er in den letzten beiden Partien, so dass zu befürchten ist, dass er seine Krise überwunden haben könnte.

 

Nachdem unter der Woche in Hamburg erfolglos rotiert wurde, wird Huub Stevens dem Hunter voraussichtlich wieder das nominell stärkste Offensivtrio zur Seite stellen. Jefferson Farfan und Julian Draxler sind schnelle, trickreiche Außen, während Lewis Holtby gerade zu Saisonbeginn als Spielmacher brillierte, wenngleich er zuletzt in seinen Leistungen etwas nachließ. Ibrahim Affelay wird hingegen nach seiner Verletzung aus dem Länderspiel noch keine Option für das Spiel am Samstag sein.

 

Ein Fragezeichen steht ebenso hinter dem griechischen Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos, der sich unter der Woche leicht verletzte. Sein Ausfall wäre durchaus ein Verlust, wenngleich mit Matip ein ebenso bundesligaerfahrener Ersatz bereitstünde. Einer der offensiv gefährlichsten Außenverteidiger der Liga ist Christian Fuchs, der besonders bei Standards und Weitschüssen zu beachten ist. Seine Defensivarbeit hingegen weist ebenso wie bei Uchida auf der rechten Seite immer wieder Schwächen auf, die Lukas Rupp und Juan Arango hoffentlich ähnlich eiskalt ausnutzen werden wie zuletzt beim Wolfsburger Fagner.

 

Die aus Gladbacher Sicht interessantesten Schalker spielen im defensiven Mittelfeld. Der inzwischen zum Torjäger mutierte Roman Neustädter wird erstmals auf seine alten Kollegen treffen. Jermaine Jones hingegen wird dieses Mal wenigstens nicht auf den lädierten Fuß von Marco Reus treten können, sich aber wahrscheinlich dennoch gewohnt robust präsentieren.

 

Bliebe noch die Position, die im Gelsenkirchen dieser Tage am heftigsten diskutiert wird. Huub Stevens hinterfragte nach dem Hamburg-Spiel, ob sein Keeper Lars Unnerstall die schwierige Situation nervlich aushielte. Der Keeper hatte beim ersten Tor der Hamburger zum wiederholten Male unglücklich ausgesehen, weshalb er bei den eigenen Fans keinen guten Stand hat. Mit Ralf Fährmann und Timo Hildebrand stehen zwei weitere potentielle Stammkeeper bei Fuß. Es spricht vieles dafür, dass Stevens wieder auf den erfahrenen Hildebrand setzt, der bis zu seiner Verletzung ohnehin als Nummer 1 gesetzt war.

 

Erfahrung kann der Verein brauchen, da er erstmals in dieser Saison ein wenig schwächelt. Durch drei sieglose Spiele in Folge hat der Verein seine zuvor so hervorragende Ausgangssituation als erster Bayern-Jäger aus der Hand gegeben. Daheim ist die Elf von Huub Stevens aber trotz des 1:1 gegen Eintracht Frankfurt aus der vorigen Woche eine Macht. 5 Heimspiele wurden gewonnen, nur gegen den FC Bayern München setzte es eine Niederlage. Bei den letzten 16 Versuchen konnte Borussia bei den Schalkern kein einziges Mal siegen. Oft gab es stattdessen deprimierende Niederlagen. So sehr es zu wünschen wäre, dass diese Serie am Samstag endlich reißt und Borussia mit einem weiteren Sieg bis auf einen Punkt an die Schalker und Platz 4 heranrobbt. Es bedarf schon einer kleinen Sensation, damit der Mannschaft dieser Coup gelingt und sie aus dem bisherigen Muster dieser Saison sowie dem Bundesliga-Mittelmaß ausbricht.

 

Schalke: Hildebrand – Uchida, Papadopoulos, Höwedes, Fuchs – Farfan, Jones, Neustädter, Holtby, Draxler – Huntelaar

 

Borussia: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt – Rupp, Nordtveit, Marx, Arango – Herrmann, de Camargo

 

Seitenwahl-Tipps

 

Michael Heinen: Es verbleibt alles beim alten und Borussia im sicheren Mittelfeld. Das 0:2 auf Schalke verhindert, dass noch in diesem Jahr der Blick wieder auf das obere Tabellendrittel gerichtet werden darf.

 

Christian Spoo: Eine Packung wie in Bremen oder Dortmund gibt es nicht. Trotzdem schafft Schalke schnell klare Verhältnisse. Für Borussia reicht es noch zum Ehrentreffer, macht am Ende ein 2:1 für die Neustädter-Elf.

 

Christoph Clausen: Zwei Gladbacher Siege in Folge gab es in dieser Bundesligasaison noch nicht. Und der Gegner scheint trotz der jüngsten Niederlage zu stark, als das sich dies am Samstag ändern könnte. Nach dem 0:2 verbleibt die Borussia im Tabellenmittelfeld.


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