Trotz der gleichermaßen unglücklichen wie ungeschickten Niederlage in Freiburg steht Borussia im Rennen um Europa nach wie vor ordentlich da. Sechs Punkte Vorsprung plus Tordifferenz gegenüber dem achtplatzierten FC Augsburg darf man sich trotz des schweren Restprogramms nicht mehr nehmen lassen – und im Duell um den sechsten Platz hat man es gegen Mainz 05 im letzten Heimspiel selbst in der Hand, für einen versöhnlichen Abschluss einer eher enttäuschenden Rückrunde zu sorgen. Beste Voraussetzung dafür wäre freilich ein Punktgewinn auf Schalke. Keine einfache Aufgabe, denn im Vergleich zu Borussia gelang es dem Team von Jens Keller nach der Winterpause deutlich häufiger, das eigene Leistungsvermögen auf den Platz und sich selbst damit wieder auf Champions League-Kurs zu bringen. Also nichts zu holen im Pott?

Schalke: Erfolgreicher Jugendstil

Mit Blick auf den Aufwärtstrend in Gelsenkirchen ist es durchaus erstaunlich, dass nahezu die Hälfte der Schalker Startformation noch eine Spielberechtigung für eines der U-Mannschaften besitzt. Teilweise trat man verletzungsbedingt sogar mit 7 Spielern unter 25 Jahren an und war dennoch – zumindest in der Bundesliga – nicht weniger erfolgreich.

Seit man Trainer Keller im Winter nach langem Hickhack durchaus überraschend doch das Vertrauen für den Rest der Saison übertrug, scheint der stets hinterfragte Schwabe seine Vorstellungen intern immer stärker durchzusetzen. So bekamen u.a. die hochgehandelten Talente Ayhan, Goretzka und Meyer im Laufe der Rückrunde (zum Teil notgedrungen) deutlich mehr Spielzeit. Auch den am Ende der Hinrunde etwas durchhängenden Draxler, Kolasinac, Matip und Neustädter schenkte er weiterhin das Vertrauen – und die Spieler zahlten es mit starken Leistungen zurück.

Bei allem Jugendstil ist jedoch die Bedeutung von Rückkehrer Klaas-Jan Huntelaar nicht hoch genug einzuschätzen. Mit seiner ungebrochenen Torgefahr (9 Tore in 14 Rückrundenspielen) ist er zusammen mit Kevin-Prince Boateng die tragende Säule im 4-2-3-1-System der Schalker. Und selbst auf der Torwart-Position scheint Ruhe eingekehrt zu sein – der lange Zeit ignorierten Ralf Fährmann durfte beweisen, das sich offenbar doch ein Keeper von Format in der Reihen der Knappen befindet.

So konnte man sich auf Schalker Seite recht schnell wieder in die finanziell so dringend benötigten Champions League-Plätze spielen und hat nun beste Aussichten, mit Platz drei erneut die direkte Qualifikation zu schaffen. Für die ganz Großen reichte es dann aber bisher doch noch nicht – gegen Bayern (1:5) wie Real Madrid (1:6; 1:3) bezog man jeweils heftige Prügel. Was auf den ersten Blick nach Lehrgeld gegen zwei Übermannschaft dieser europaweiten Spielzeit aussieht, offenbart jedoch bei genauer Betrachtung eine Schwachstelle der Schalker Mannschaft, die sich auch gegen Teams wie Braunschweig, Bremen oder zuletzt der Niederlage in Stuttgart zeigte – für ein Spitzenteam ist die Defensive nicht immer so sattelfest, wie es die Qualität der Einzelspieler auszusagen scheint.

41 Gegentore sind zwar immerhin der fünftbeste Wert in der Liga, doch auch beim Zulassen von Chancen ist man nicht unbedingt geizig – liegt hier die Chance für Borussia?

Borussia: Dortmunder Blaupause nicht vergessen

Es wohl nicht zu erwarten, dass Borussia versuchen wird, auf Schalke mit einer ähnlichen Dominanz aufzutreten wie in der ersten Halbzeit im Freiburg. Gegen die Breisgauer hat sich erneut gezeigt, dass das so tief verinnerlichte System Lucien Favres nur dann erfolgreich ist, wenn es mit einer guten Chancenverwertung gepaart wird.

Im Gegensatz zu manch anderen Teams, die auf Drucksituationen zum Teil variabler reagieren und mit Systemumstellungen oder Einwechslungen im Laufe einer Partie die Akzente verlagern, scheint Borussia nach wie vor auf Gedeih und Verderb auf das Gelingen des „Plan A“ angewiesen. Die drei, vier Großchancen, die Borussia sich mit diesem Stil in nahezu jedem Spiel erarbeitet, müssen zumindest zur Hälfte verwertet werden, um Ruhe und Stabilität in der Mannschaft zu halten. Geht dies schief, ist eine Zitterpartie wie in vielen Rückrundenspielen fast schon vorprogrammiert.

Daher kann das Vorbild für die anstehende Aufgabe nur der Auswärtssieg in Dortmund sein. Nicht nur, weil sich die Reviernachbarn in ihrer Spielweise und ihren Stärken und Schwächen durchaus ähneln, sondern vor allem aufgrund der Art und Weise, wie Borussia im ehemaligen Westfalenstadion auftrat: Kompakt, zielstrebig und kaltschnäuzig hielt man den BVB bis zum Platzverweis von Nordtveit nahezu komplett in Schach und setze selbst erfolgreich Nadelstiche. Von vier bis fünf richtig guten Angriffen konnte man zwei verwerteten – das reichte am Ende sogar für drei Punkte.

Da passt es fast schon, dass am Sonntag wohl mit Ausnahme der Viererkette wieder die gleiche Gladbacher Mannschaft auf dem Platz stehen wird, die in Dortmund verdient mit 2:1 gewann. Durch Xhakas Sperre aus der Kategorie „extra dämlich“ wird Kramer wohl wieder in die erste Elf rücken, ansonsten ist wie so häufig kaum mit Änderungen zu rechnen – außer vielleicht, Lucien Favre traut dem wiedergenesenen Stranzl schon wieder einen Startelfeinsatz zu.

Es ist zu hoffen, dass der VfL die negative Töne der letzten Tage abschütteln und sich voll auf die wichtige Aufgabe fokussieren kann. Die Angst, den europäischen Wettbewerb doch noch zu verspielen und nach Platz 3 in der Hinrunde am Ende mit einer „verlorenen Saison“ leben zu müssen, ist in Teilen des Umfeld bereits angekommen. Da wäre es doch am schönsten, würde die Mannschaft diese Zweifel schon am Sonntag aus der Welt schaffen.


Voraussichtliche Aufstellungen:

Borussia: ter Stegen – Jantschke, Brouwers (Stranzl), Dominguez, Daems – Kramer, Nordtveit – Arango, Herrmann – Raffael – Kruse

Schalke: Fährmann – Hoogland, Ayhan, Matip, Kolasinac – K. P. Boateng, Neustädter – Goretzka, M. Meyer, Draxler – Huntelaar


SEITENWAHL-Tipps:

Michael Heinen: Auf Schalke wird Borussia eine Topleistung abrufen müssen, um punkten zu können Leider gelingt dies nicht ganz, so dass die Partie mit 1:2 verloren geht und einige Fans schon wieder den Abgesang auf die Europa League anstimmen.

Christian Heimanns: Die Borussen haben diese Saison schon einige Auswärtsspiele so gestaltet, dass sich die Niederlage am Ende unglücklich weil vermeidbar anfühlte. Das wird am Sonntag nicht so sein, das 2:0 für die Schalker lässt keine Fragen offen.

Christian Spoo: Der Stachel von Freiburg sitzt tief, die Mannschaft reagiert nicht mit Trotz sondern mit Verunsicherung. Schalke hat deswegen leichtes Spiel und schlägt Borussia mit 4:1.

Christoph Clausen: Knüpft die Mannschaft an die ersten sechzig Freiburger Minuten an, kann sie in Schalke gewinnen. Knüpft sie an die letzten dreißig Minuten an, geht sie unter. Die Mischung aus beiden Szenarien ergibt am Ende ein 2:2. Achtbar, für höhere Ambitionen aber zu wenig.

Thomas Häcki: Also bitte! Momentan sprechen wir bei der Partie von einem Klassenunterschied. Nicht weil wir (theoretisch) keine Klasse hätten, sondern weil wir sie (praktisch) in der Rückrunde viel zu selten abrufen. Deshalb wäre alles andere als ein Heimsieg auch eine (angenehme) Überraschung. Da unsere Abwehr zuletzt Tag der offenen Tür hatte, gewinnt Schalke folgerichtig 3:1.

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