Für einen Moment fühlte es sich an wie ein Punktgewinn, als Arango in der 89. Spielminute den Ausgleich für die Borussen erzielt. Die Kuriosität eines Kopfballtreffers vom Venezolaner konnte einen ebenfalls kurzfristig von dem ablenken, was das 1:1 gegen Stuttgart für die Gladbacher tatsächlich bedeutet: Den Verlust von zwei Punkten im Kampf um vordere Platzierungen

Vielleicht ist es ja wirklich so, dass Statistiken und "Angstgegner" im Fußball etwas zu bedeuten haben. Vielleicht lesen sich Fußballprofis in den Minuten vor einem Spiel das "Kicker"-Sonderheft durch, statt den Ermahnungen ihres Übungsleiters zu lauschen und ersehen daraus, ob man heute gut spielen wird oder eher nicht. Wie sonst kann man es sich erklären, dass die Stuttgarter, die in der Liga im dicksten Abstiegskampf zwischen Hoffen und Bangen schweben, beim Viertplatzierten auswärts mit einem Selbstbewusstsein antreten und am gegnerischen Strafraum ins Pressing gehen, als ob sie die Meisterschaft klarmachen würden? Und wie kann man es verstehen, dass die Europa- oder Championsleague-Kandidaten aus Mönchengladbach mit einem Respekt ins Spiel gehen, als ob sie die Weltauswahl zu Gast hätten?


Es ist ja nicht so, dass Vorwärtspressing die neue Wunderwaffe der Fußballwelt wäre; technisch gute und schnell passende Mannschaften, die damit konfrontiert werden, können da auch ein Desaster beim Gegner anrichten. Wenn sie kühlen Kopf bewahren, auch in der engen Hektik der Zweikämpfe. Dazu gehört neben der fußballerischen Stärke auch eine mentale Sicherheit und die ging den Borussen in dieser Saison schon öfter ab. Die Feststellung war schon häufiger zu treffen und es wird sie auch in Zukunft noch zu lesen geben: Die fußballerischen Qualitäten dieser Borussenelf sind manchmal ausgeprägter als ihr Siegeswille.

Und so konnte man dabei zusehen, wie die Schwaben von Beginn an deutlich mehr Zweikämpfe auf allen Positionen gewannen. Vielleicht hätte ein Haudegen wie Stranzl da mehr gegenzusetzen gehabt, so aber waren die Gladbacher schnell aus dem Konzept gebracht. Für die Stuttgarter wurde es in dieser verkorksten Saison eines der wenigen Spiele, in denen sie ihre fußballerischen Fähigkeiten richtig ans Laufen bekamen und so gab es nach dem frühen Tor noch weitere klare Chancen. Bevor es bald "tschüss" für ter Stegen heißen wird, war dieses Mal noch ein dickes "danke" fällig. Der irgendwohin wechselnde Nationaltorwart zeigte im eins gegen eins seine besondere Klasse.

Wenn man etwas Positives festhalten will, dann kann man konstatieren, dass Raffael sich auch in schlecht laufenden Spielen nicht versteckt, das Risiko sucht und bei seinen Dribblings immer wieder einen oder zwei Gegner stehen lässt und damit Situationen schafft, mit denen man beim Gegner brandstiften gehen kann. Aber schlecht laufende Spiele sind oft deswegen solche, weil Raffaels Mitspieler an solchen Tagen nicht die nötige Reaktion und Antizipation haben, die dafür nötig wäre. Das kann auch Max Kruse mal passieren, so lief es gegen Stuttgart. Aber immerhin besorgt das Duo Kruse-Raffael regelmäßig solche Tore wie gegen Berlin oder Hamburg. Für den wechselhaften Arango scheint das Kapitel Mönchengladbach ohnehin seinem Ende entgegen zu gehen, aber Patrick Herrmann wird sich Gedanken machen.

Dabei fällt es schwer, Herrmann außer bei der Effizienz große Vorwürfe zu machen. Der Fastnationalspieler zeigt sich lauffreudig, wirft seine wenigen Kilogramm in jeden Zweikampf, ist so schussfreudig wie man es sich nur wünschen kann  und nimmt dabei auch jede noch so unwahrscheinliche Direktabnahme mit. Allein, es kommt nicht viel dabei heraus. Die Zweikämpfe gehen oft verloren, selten kann er sich mit dem Ball entscheidend durchsetzen und seine Schüsse finden immer noch ein Hindernis auf dem Weg zum Tor. Falls ihm bisher der Konkurrenzdruck fehlte, nächste Saison hat er ihn. Neben Andre Hahn soll auch Ibrahima Traoré praktisch sicher ein Neuzugang der nächsten Saison sein. Und seine besten Spiele, nämlich die letzten unter Stevens, machte Traoré als Rechtsaußen, statt wie vorher auf der linken Seite.

Auch am Samstag war Traoré wieder mit seinem ganzen Programm am Start. Wuselig, schnell, quirlig, kaum zu stoppen, mit unzähligen Vorlagen, aber mit sehr zählbarer Torgefahr. Zwar hatte er bei einem klasse geschossenen Freistoß Pech, dass der Ball nur an die Latte klatschte, aber dennoch steht sein Torkonto diese Saison bei überschaubaren 1 Toren. Vielleicht sammelt Herrman, der viermal soviele Treffer aufweisen kann, wieder Mut.

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