Der hochverdiente 2:0-Auswärtserfolg in Nürnberg wurde durch Niederlagen der direkten Konkurrenz aus Leverkusen, Mainz und Wolfsburg sowie den Sprung auf Platz 4 noch zusätzlich vergoldet. 4 Siege aus den letzten 5 Spielen haben das einstige Krisengerede endgültig verstummen lassen. Lucien Favre ist es wieder einmal gelungen, seine Elf aus einer schwierigen Situation zu befreien und zum Erfolg zu führen. Soweit so gut.

Blickt man etwas genauer auf die jüngsten Leistungen, dann ist aber längst nicht alles so strahlend positiv wie es zunächst scheint. Gegenüber den mauen Auftritten in Frankfurt und gegen den HSV war die Leistung aus Nürnberg zwar eine deutliche Steigerung. Sie wurde aber auch gegen einen Gegner erzielt, der gerade in der Defensive keinerlei professionellen Ansprüchen genügte.

So konnten speziell in Halbzeit 2 erfreulich viele Torchancen herausgespielt werden, die an einem guten Tag für einen Kantersieg gereicht hätten. Die sonst so bemerkenswerte Effizienz der Borussen-Stürmer war an diesem weniger guten Samstag Nachmittag allerdings stark verkümmert, so dass es eines unberechtigten Elfmeters bedurfte, um den Sieg endgültig in trockene Tücher zu bekommen.

Arango hat einen neuen Vertrag verdient

Noch immer nicht in trockenen Tüchern ist die Vertragssituation des Torschützen zum letztlich entscheidenden 1:0. Es erscheint fahrlässig, ohne Not auf einen Spieler verzichten zu wollen, der mit seinen genialen Aktionen Spiele immer noch im Alleingang entscheiden kann. Es ist völlig legitim, wenn sich ein ambitionierter Verein Gedanken darüber macht, ob ein 34jähriger Topverdiener noch weiter beschäftigt werden soll. Ein faires, leistungsbezogenes Angebot sollte dem Venezolaner aber in jedem Fall unterbreitet werden. Glaubt man den Medien, so soll dies jüngst geschehen sein, so dass wieder etwas optimistischer auf den Verbleib des Freistoß-Spezialisten gehofft werden darf. Unter Berücksichtigung des gesamten Verhandlungsverlaufs scheinen die Zeichen aber leider eher auf Abschied zu stehen.

Ob Arango nun bleibt oder nicht. Borussia tut gut daran, sich zur neuen Saison auf den Außenbahnen in der Breite zu verstärken, um nicht wie zuletzt auf Gedeih und Verderben von der Formstärke der gesetzten 4 Offensivkräfte abhängig zu sein. Mit Hahn, Johnson und Traore konnten drei bundesligaerprobte Spieler überzeugt werden, wobei der Wechsel von letzterem wohl mit Blick auf die Stuttgarter Situation erst nach Beendigung des Abstiegskampfs bekannt gegeben wird. Gerade mit Blick auf die vermutlich internationale Doppelbelastung sollte durchaus noch Platz für einen Juan Arango im Borussen-Kader 2014/15 sein.

Ter Stegen hat die WM verdient

Der Venezolaner wäre der zweite wesentliche Verlust eines Leistungsträgers nach Marc-André ter Stegen, der sich Samstag Nachmittag noch einmal nachdrücklich um ein Ticket für Brasilien bewarb. Ginge es rein nach sportlicher Leistung müssten die Plätze hinter Manuel Neuer ohne Wenn und Aber von ter Stegen und seinem Busenfreund Bernd Leno belegt werden. Fernab der hierbei zu befürchtenden atmosphärischen Störungen wird es aber ohnehin nicht primär um die Leistung gehen. Zu kräftig rühren die Vereine mit der größten Medienmacht die Werbetrommel für ihre eigenen Torwächter. Im Falle des Dortmunders Roman Weidenfeller offensichtlich bereits mit Erfolg, denn der BVB-Keeper scheint allen Ernstes als deutsche Nr. 2 vorgesehen zu sein. In der vergangenen Saison hätte sich dies noch durch die damals teils überragenden Leistungen rechtfertigen lassen. In dieser Spielzeit ist der Routinier davon aber weit entfernt. 3 dicke Fehler in der Champions-League-Vorrunde sowie jüngst Patzer gegen Max Kruse und Hakan Calhanoglu wurden öffentlich heruntergespielt. Richtig starke Auftritte von Weidenfeller lassen sich in dieser Saison an einer halben Hand abzählen. Leistungen wie er sie zuletzt in Madrid abrief, liefert ter Stegen nahezu jede Woche ab. Spielentscheidende Fehler, wie zuletzt in Braunschweig, hat der Noch-Borusse hingegen weit seltener im Repertoire als sein von Löw aktuell bevorzugter Konkurrent.

Nachdem man beim Nachbarn zugesehen hatte, wie sich ein ordentlicher Torwart durch ausreichende öffentliche Meinungsmache in die Nationalelf propagieren lässt, wurden zuletzt sogar aus Gelsenkirchen Rufe laut, Ralf Fährmann nach Brasilien zu pushen. Ausgerechnet von den Schalkern, die jahrelang froh waren, wenn sie überhaupt einen halbwegs bundesligatauglichen Torhüter aufstellen konnten. Wenn ein halbes Jahr auf hohem Niveau tatsächlich ausreichen sollte, um von Jogi Löw berücksichtigt zu werden, wäre dies ein Schlag ins Gesicht für die nicht minder leistungsfähigen Keeper kleinerer Vereine und ein weiteres Zeichen für die Markt- und Medienmacht der Großvereine. Ob Ter Stegen, Leno, Trapp, Baumann, Zieler oder Ulreich. Sie alle bieten seit Jahren überwiegend Topleistungen und hätten eine WM-Nominierung mindestens so sehr verdient wie Weidenfeller oder gar Fährmann.

Unter diesem Gesichtspunkt muss man ter Stegen leider verstehen, dass er die Herausforderung FC Barcelona annimmt. Setzt er sich bei solch einem Großklub durch, wird er von Löw automatisch berücksichtigt werden müssen.

Borussia hat Platz 4 verdient

Die letzten 5 Gegner, die der Keeper noch im Dress seiner Borussia zu absolvieren hat, werden leider nicht so einfach sein wie die letzten. Gegen den schwer zu berechnenden VfB Stuttgart ist ein Heimsieg erneut Pflicht, um die gute Ausgangslage vor den abschließenden 4 Begegnungen mit noch 3 schweren Auswärtsspielen aufrechtzuerhalten. Zum Glück bieten Restprogramme am Ende einer Saison nur bedingt Auskunft über den tatsächlichen Schweregrad der bevorstehenden Aufgaben. So kann eine Partie bei einem um die letzte Chance kämpfenden Abstiegskandidaten manchmal schwieriger sein als bei einer Topmannschaft, für die es nur noch um die Plätze 2 oder 3 geht.

Dennoch muss schon vieles gut laufen, damit der aktuelle Platz 4 auch zum Ende der Saison weiterhin Bestand hat. Mit Leverkusen, Wolfsburg und Mainz sind drei Konkurrenten nahezu gleichauf, die noch ein Heimspiel mehr vor der Brust haben. Für Borussia wäre es schon ein Erfolg, wenn am Ende der Europa-League-Platz gesichert werden kann. Dies muss nunmehr aber auch das absolute Mindestziel darstellen. Schön wäre es, wenn es dann am 34. Spieltag noch zu einem Endspiel um Platz 4 kommen könnte. Insbesondere vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die Borussia in den Jahren 1995 und 1998 mit Endspielen gegen Wolfsburg gemacht hat.

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