bayer04  Nicht nur unter Favre brechen alte Negativserien, eine besonders lästige konnte auch Frontzeck mit Borussia letztes Jahr knacken. Die Jahre ohne Sieg gegen Bayer Leverkusen wurden im größtvorstellbaren Spielwirbel beendet, nur um sich kurz darauf für lange Zeit ans Tabellenende zu verabschieden. Nach 22 Jahren ohne Heimsieg gegen Leverkusen wäre es schön, auch diese Serie zu archivieren. Falls jemand mit dem Tabellenschlusslicht droht, wir riskieren es.


Eins blieb nach der Niederlage in Freiburg wie in den Jahren zuvor, nämlich das Gefühl, dort holbare Punkte verpasst zu haben. Manches bleibt anders, nämlich das zutiefst gelassene Gefühl, mit dem diese Niederlage weggesteckt werden kann. Und dass es nur schade ist, den sechsten Sieg im achten Spiel verpasst zu haben und keinen existenznotwendigen Punkt. Und die Erkenntnis, sich wieder ein Mal relativ sicher eine Chancenmehrheit erspielt zu haben und nur an der Verwertung gescheitert zu sein, statt an einem überlegenen Gegner. All diese Umstände sind dazu angetan, dem geneigten Betrachter die Sicherheit zu geben, dass Borussia Mönchengladbach auf absehbare Zeit nichts schlechteres als ein Mittelfeldplatz widerfahren sollte. Nur Lucien Favre wird auf solche Einschätzungen lautstark pfeifen.


Nach einem Beginn mit ständig fast vollem Kader darf der Trainer nun das basteln beginnen. Igor de Camargo erweitert seine schon gut gefüllte Krankenakte um den Eintrag "Teilabriss des Innenbandes im Knie" und fällt für einige Wochen aus. Angesichts der erwähnten verbesserungsbedürftigen Chancenverwertung ist der Ausfall des Belgiers unangenehm, denn ausser Reus weigert sich der Rest der Mannschaft, nennenswerte Torgefahr zu entwickeln. Zudem schied der erste Sturmersatz Bobadilla unter der Woch für einige Einheiten mit einem eingeklemmten Nerv aus, ist aber für Samstag noch nicht abgeschrieben. Und Juan Arango hat noch ein paar Stunden mehr Zeit, den Sieg seiner Venezolaner gegen Argentinien zu feiern, sein Rückflug verspätete sich nämlich ungebührlich. Macht vielleicht nichts, seinen letzten Sonderurlaub hat Arango auch mit einer Glanzleistung gedankt.


Der wieder einmal amtierende Vizemeister aus Leverkusen geht zur Abwechslung weniger entspannt durch die Saison als die Borussia. Wieder ein Mal mit einem starken Kader versehen und wieder ein Mal mit wenn nicht ganz hohen, dann doch ziemlich hohen Erwartungen für die Spielzeit, ist ein Platz im Mittelfeld nicht genug. Nachdem die Nation im Vorjahr erregt darüber debattierte, ob ein Ballack auf der Bank moralisch noch vertretbar oder schon fortgeschrittene Menschenverachtung ist, macht dieses Jahr Rene Adler die Schlagzeilen. "Ausgerechnet" Adler würde man sagen, wäre das Wort "ausgerechnet" nicht seit Heribert Fassbender geächtet. "Ausgerechnet" deswegen, weil Rene Adler noch nie irgendwelche Skandale oder unfeine Schlagzeilen produziert hat und seine Leistungen ihn zu Deutschlands neuer Nr. 1 zu machen schienen.


Dann kam die Verletzung vor der WM, dann kam die WM und mit ihr Manuel Neuer, der seit kurzem der erste Spielmacher der deutschen Nationalelf zwischen den Pfosten geworden ist. Und bei Bayer steht der junge Bernd Leno im Tor, ebenso jung und fast ebenso so gut wie ter Stegen, mit unwahrscheinlichen Reflexen und starken Leistungen. So wie vor einem Jahr Michael Ballack das höchst plastische und missgelaunte Sinnbild des altehrwürdigen Helden ist, der der leistungsfähigeren Jugend nur noch hinterhersehen kann, so geht es Adler gerade wie vielen anderen Bundesligaprofis, die von der Welle unwahrscheinlich guter A-Jugendlicher weggeschwemmt werden.


Wie Adler können da einige andere Leverkusener, die gestern noch die Zukunft des Clubs und der Nationalmannschaft waren, nur den Kondensstreifen nachschauen. Gonzalo Castro wird so schnell kein Länderspiel wieder auf dem Platz erleben, Stefan Kießling vielleicht einmal. Und noch während Simon Rolfes Ballack den Platz in der Nationalelf streitig machte, machte Lars Bender Rolfes diesen Platz streitig. Wenigstens ist ein Spieler wie Schürrle im Team, einer jener Spieler, die sich nach der erste Rasur gedacht haben müssen, dann auch gleich Weltklasse spielen zu können. Vielleicht ist es diese Mischung aus Zukunft auf der Überholspur und stehengelassener Gegenwart, die dem Team von Leverkusen eine ziemliche Wechselhaftigkeit verpasst. Gerade als das Team auf dem Sprung nach oben schien, setzte es wie aus dem nichts ein erschütterndes 1:4 zu Hause gegen Köln; danach eine 0:3 Niederlage in München und ein 3:1 Sieg gegen Wolfsburg, die beide viel höher hätten ausfallen können.


Mag schon sein, dass es am Ende für die Leverkusener wieder um die Vizemeisterschaft geht., zur Zeit stellen sie aber nicht die Bundesligaspitze dar. Wenn sich am Samstag der Tabellenneunte beim Dritten beweisen muss, sehen sich dieses Mal die Chemikanten auf die Probe gestellt, mehr als die Gladbacher, und das macht dieses Duell zu einer ganz anderen Härteprobe als in den letzten 2 Jahrzehnten.


Aufstellungen:

Borussia: ter Stegen; Jantschke, Dante, Stranzl, Daems; Herrmann, Marx, Neustädter, Arango; Hanke, Reus


Leverkusen: Leno; Balitsch, Reinartz, Toprak, Kadlec; Castro, Ballack, Bender, Schürrle; Kießling, Derdiyok


SEITENWAHL-Tipp


Michael Heinen:


Auch wenn es in den letzten Jahren nicht immer geklappt hat, so ist es doch gute alte Tradition, dass Borussia gegen Leverkusen Unentschieden spielt. So wird es auch am Samstag sein bei einem spannenden 0:0.

Christian Spoo: Die fetten Wochen sind vorbei. Borussia ist ohne de Camargo noch weniger torgefährlich als zuletzt. Leverkusen gewinnt mit 0:1

 

Christian Heimanns: Zuletzt vier Favre-Ergebnisse, davon drei für uns. Jetzt sind wir wieder dran, 1:0 für Borussia.

 

Christoph Clausen: Ein 2:2 gab es schon oft zwischen diesen beiden Teams. Diesmal schießen beide je ein Tor weniger.

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