FC AugsburgAm Ende war kein Halten. Als Schiedsrichter Weiner die Partie beendete, spurteten Ersatzspieler, Trainer und Betreuer aufs Feld, herzten jeden, der sich herzen lassen wollte, streiften einander die vorbereiteten T-Shirts des Triumphs über und tanzten zur eigenen Fankurve, einem vielköpfigen Gebilde aus wogender, tönender Begeisterung. So feierten die Augsburger den vorzeitigen Klassenerhalt, den ihnen vor der Saison nur wenige und nach dem schwachen Saisonstart noch weniger zugetraut hatten. Für die Gastgeber dagegen war es ein Déjà vu: Zum zweiten Mal binnen einer Woche schauten sie bei einer Siegesfeier zu.

Die eigenen Feierlichkeiten kamen dagegen nur schleppend in Gang. Auch wenn nächste Woche noch eine Partie in Mainz ansteht, war dieses letzte Heimspiel der Saison ja so etwas wie ihr vorgezogener Abschluss. Vor dem Anpfiff waren Dante, Neustädter und Reus mit Blumen, netten Worten und überwiegend wohlwollendem Beifall verabschiedet worden. Nach der Partie stand fest, auf welchem Tabellenplatz Borussia die Saison beenden wird. Dass nur drei Mannschaften in der Abschlusstabelle vor den Gladbachern stehen, war zuletzt 1996 der Fall – kurioserweise damals die gleichen drei in der gleichen Reihenfolge wie heute. Es hätte, so gesehen, Grund zur Euphorie gegeben. Aber die ließ, wie der Trainer, auf sich warten.

 

Zwischenzeitlich bewegte sich Lucien Favres Verhalten hart an der Grenze zum Affront. Während der Trainer auf dem Spielfeld einem Reporter Rede und Antwort stand, skandierte die Nordkurve immer wieder unüberhörbar ihr „Wir woll’n den Trainer sehen“. Doch der Übungsleiter verzog sich nach beendetem Interview schnurstracks in die Katakomben und ignorierte lange auch die vom Stadionsprecher vorgebrachte Bitte, den Wunsch der Fans zu erfüllen. Erst mit großer Verzögerung erschien er dann doch. Weniger intensive Überzeugungsarbeit musste Thorsten Knippertz bei den Spielern verrichten, aber auch hier bedurfte es der expliziten Aufforderung, bis die Akteure noch einmal zur Humba zurückkehrten. Schließlich sangen Dante, Neustädter und Reus gemeinsam am Mikrofon, hatte der Trainer dann offenbar doch noch Spaß an „La Ola“ und wurde später am Fanhaus in einiger Ausgelassenheit getanzt, gegröhlt und getrunken.

 

Dass dieser sensationelle vierte Tabellenplatz erst mit Verzögerung gefeiert wurde, hat zwei Gründe. Der erste bestand darin, dass die meisten Gladbachfans vor der Partie eher nach oben denn nach unten geschaut hatten. Ein Abrutschen auf den fünften Platz und damit ein definitives Verspielen der Champions League, war zwar möglich. Größere Sorge, dass die Borussen beide ausstehenden Spiele verlieren und der VfB Stuttgart beide gewinnen würden, hatten aber nur wenige, zumal die schwäbischen Höhenflieger schon letzte Woche beim 1:1 in Köln ins Trudeln gekommen waren. So richtete sich der Blick eher sehnsuchtsvoll auf den dritten Rang, der der Borussia die sichere Champions League Qualifikation beschert und das Abenteuer zweier Entscheidungsspiele mit neuformiertem Kader gegen einen womöglich hochkarätigen Gegner erspart hätte. Diese Chance wurde am Samstag endgültig vergeben.

 

Dies geschah auf einschläfernde Weise. Dies war der zweite Grund, warum sich Beteiligte und Zuschauer mit dem Feiern so schwer taten. Die Borussen ließen hinten so gut wie nichts zu, ihnen gelang vorn aber auch wenig. Die Gäste suchten, wie im Abstiegskampf üblich und legitim, ihr Heil in der bedingungslosen Defensive. Diese organisierten sie mit viel Engagement und Geschick. Glück kam dazu, als Schiedsrichter Weiner den Gladbachern zwei mögliche Strafstöße verweigerte. Die Borussen ihrerseits hatten bisweilen gute Ideen, zu oft aber fehlte es an Präzision bei Passspiel und Ballannahme. Und ergaben sich dann doch einmal Großchancen, wie für Hanke nach einer halben Stunde oder für Reus und Neustädter in der Schlussphase, dann versprang der Ball, geriet der Abschluss zu unplatziert oder reagierte der Torwart prächtig. Über weite Strecken aber plätscherte die Partie ohne größere Aufregung vor sich hin und auch die Zuschauer hielten sich zurück: Nur um die siebzigste Minute wachte die Nordkurve für eine Weile auf und intonierte ein dröhnendes „Mönchengladbach Ole“. Ansonsten waren die lautstärksten Momente jene, an denen Gladbacher und Augsburger gemeinsam Gegentore des 1. FC Köln bejubelten.

 

Einem Nachwuchsautor, der die Saison als Drehbuch entworfen hätte, würde man sein Manuskript um die Ohren hauen. Wenn man denn schwächere Momente hat, so lernt jeder Anfänger in diesem Metier, dann möge man sie wenigstens in der Mitte des Films ansiedeln. An den Anfang und ans Ende aber gehören Paukenschläge. Von denen hatte die Saison genug: der Sieg in München, der ganz lehrbuchmäßig zu Beginn der Spielzeit platziert war; rauschende Fußballfeste mit begeisternden Kombinationen und wunderschönen Toren, vor allem in den Heimspielen gegen Bremen, Bayern und Schalke. Diese sensationelle Saison hätte ein euphorisierendes Finale verdient.

 

Am Ende aber ist das Gladbacher Paukenfell morsch und rissig geworden und produziert nur noch ein dünnes Sirren. In Zahlen ausgedrückt: elf Punkte aus den letzten elf Spielen. Ob die Borussen in der neuen Saison wieder mehr Radau machen werden, ist so offen wie die Frage, welches Personal dabei helfen soll. Auch der Trainer gab hierzu nichts preis. Auf und nach der offiziellen Pressekonferenz hielt Lucien Favre hartnäckig an der Behauptung fest, er denke nicht weiter als bis zum Spiel in Mainz.

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