Seit ziemlich genau 345 Minuten fehlt dem Spiel von Borussia Mönchengladbach etwas. Der Treffer zum 2:0 beim 1.FC Kaiserslautern war der vorerst letzte Geniestreich, das vorerst letzte zählbare Resultat des favreschen Kombinations- und Überfallfußballs. Seitdem hakt es ein wenig, so dass die Analyse nach der Niederlage gegen den 1.FC Nürnberg nahezu unverändert übernommen werden könnte, um auch das tor- und qualitätsarme Spiel gegen den SC Freiburg zu beschreiben.


Was die Spiele in Kaiserslautern, vor allem aber gegen den HSV, in Nürnberg und gegen Freiburg gemein haben ist eindeutig, dass es eine recht simple Methode gibt, mit der sich Borussia in Schach halten lässt. Die letzten Gegner vermochten es allesamt, mit geschicktem Stellungsspiel in Mittelfeld und Abwehr sowie mit beherztem Einsatz das Kurzpassspiel im Gladbacher Mittelfeld zu unterbinden, die "tödlichen" Pässe in die Spitze weitgehend zu verhindern und dem Spiel so sowohl seine Anmut als auch seine Gefährlichkeit zu nehmen. Alle genannten Gegner taten das unter Opfern, denn eigene Torchancen waren dabei weitgehend Mangelware. Ein Großteil des "Gladbach-Verhinderungs-Fußballs" besteht eben tatsächlich im Verhindern. Zu eigenen Chancen kamen der HSV, der Club und die Freiburger meist erst dann, als die Borussen sich schon aufgerieben hatten und folglich zunehmend rat-, mut- und konzentrationsarm agierten.

Auffällig in allen der vergangenen vier Spielen war auch: in den jeweils ersten Halbzeiten dominierten die Borussen ihre Gegner im Grunde vollkommen, ohne dabei aber viele zwingende Situationen zu erspielen. Nach der Pause gab es jeweils einen Bruch im Spiel. Die Erkenntnis, dass das "normale" Spiel nicht zum Erfolg führt, nimmt der Mannschaft dabei offenkundig jede Sicherheit, irgendwann hat die Mannschaft die "Flatter", plötzlich gelingen einfachste Dinge wie Pässe über fünf Meter nicht mehr, von Doppel- und Dreifachpässen ganz zu schweigen. Infolgedessen wiederum wächst bei so manchem Spieler der Frust, was sich - wohl nicht ganz unverständlich - in der Körpersprache niederschlägt. So unschön gelegentliches Abwinken, hängende Schultern oder resignierende Gesten sein mögen, wir Zuschauer sollten nicht zu viel hineininterpretieren. Ein Fußballspiel ist eine emotionale Angelegenheit und wenn es zum fünften Mal hakt, wenn keine Idee funktioniert, dann ist das nun mal ärgerlich und wenn man sich ärgert, dann äußert sich das halt auch in Mimik und Gestik - ganz egal, ob man nun in der kommenden Saison für Dortmund, Schalke, Bayern oder Borussia spielt.

Festzustellen ist, wie schon gegen Nürnberg geschrieben: die Mannschaft braucht einen Plan B, irgendeine Spielvariante, die zum Erfolg führt, wenn sich ein Gegner gut auf Borussias Plan A eingestellt hat. Das sollte eine von Lucien Favres vornehmsten Aufgaben sein, denn Spiele wie gestern wird es in dieser Spielzeit vermutlich noch einige geben. Schon die nächsten beiden Bundesliga-Heimspiele gegen Hoffenheim und vor allem gegen Hertha BSC könnten ähnlich laufen, wie das gestrige. Interessant wird zu beobachten sein, ob Borussia ihr Spiel gegen bessere, aktivere Gegner nach wie vor so aufziehen kann, wie vor dem, das "kleine Krise" zu nennen man allmählich nicht mehr umhin kommt. Leverkusen und der FC Bayern werden fraglos nicht so passiv und auf Verhinderung orientiert auftreten, wie Nürnberg oder Freiburg. Wenn die Probleme Borussias ihre Ursache also nicht im eigenen sondern im Spiel der Gegner haben, sollte es gegen die vermeintlich stärkeren Teams auch wieder besser laufen. Tut es das nicht, dann ist die Analyse "die anderen haben sich perfekt auf uns eingestellt" zu kurz gesprungen.

Die Frage ob Borussia nurmehr mäßig spielt, weil der Gegner es nicht anders zulässt, oder ob Borussia mäßig spielt, weil die Spieler unter ihren Möglichkeiten bleiben, ist vorher kaum befriedigend zu beantworten. Definitiv erreichen einige Teammitglieder im Moment nicht ganz die Limits ihrer eigentlichen Leistungsfähigkeit. Marco Reus ist dabei fraglos zu nennen: dem neben Arango begabtesten Fußballer der Mannschaft fehlen offenkundig ein paar Prozent. Reus geht die Explosivität ab, die ihn über lange Strecken dieser Saison auszeichnete. Sprintduelle, in denen er in der Hinrunde seinen Gegnern noch davongezogen wäre, kann er im Moment nicht für sich entscheiden. Die Leichtigkeit, mit der er bisweilen zwei bis drei Gegenspieler aussteigen ließ, hat er für den Moment verloren. Womöglich plagen Reus dabei die Adduktoren, vielleicht ist er überspielt, vielleicht macht er sich angesichts seiner Situation zu viele Gedanken, um unbeschwert aufspielen zu können. Reus ist selbstverständlich nicht der einzige Spieler, dem im Moment Dinge misslingen, die früher gelangen. Auch die für den Spielaufbau so wichtigen "Sechser" haben Probleme, nicht zuletzt weil ihnen von allen Borussen die dicht und aufmerksam stehenden Gegner das Leben am schwersten machen.

Lucien Favres Entscheidung, Marco Reus wieder in die Spitze zu stellen, war trotz ausbleibenden zählbaren Erfolges richtig. Offensiv brachte Borussia gegen Freiburg ein bisschen mehr zustande, als in Nürnberg. Die zwei "typischen" Borussenchancen (1. Halbzeit Reus auf Hanke, 2. Halbzeit Arango auf de Camargo) hätten mit ein bisschen Glück zum Erfolg geführt. Die Spieler, die den verletzten Herrmann ersetzten, zunächst Oscar Wendt und später Alexander Ring, machten ihre Sache ordentlich. Wendt zeigte in der ersten Halbzeit auch auf der für ihn ungewohnten rechten Seite, dass er ein ordentliches Spielverständnis hat. Ring deutete vor allem in der Situation vor seiner letzten Endes überhastet abgeschlossenen Torchance an, dass er es in Sachen Tempo und Technik mit dem schmerzlich vermissten Herrmann aufnehmen kann.

Die kommenden Tage sollten bei Borussia nun dazu genutzt werden, sich etwas einfallen zu lassen, um künftig weniger ausrechenbar zu werden. Vor allem aber müssen Trainer und Spieler gemeinsam daran arbeiten, die vermeintliche Krise nicht zu tief im Bewusstsein ankommen zu lassen. Wenn die Mannschaft das Selbstvertrauen, den Glauben an sich selbst und die Unbekümmertheit verliert, bleibt ihr nicht genug, um die nächsten Aufgaben erfolgreich zu meistern. Die kommenden beiden Spiele stellen die Weichen dafür, wie die Saison abschließend bewertet werden wird. Ein Punktgewinn gegen Leverkusen hält den entscheidenden Konkurrenten im Kampf um Platz vier in Schach (ohne damit negieren zu wollen, dass Platz drei ebenso realistisch und natürlich ungleich lukrativer wäre). Die Bedeutung eines Erfolges im Pokalhalbfinale gegen Bayern München bedarf keiner weiteren Erklärung.

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