Borussia kann auch schlechte Spiele gewinnen. Das ist die erfreuliche Quintessenz der Partie gegen Mainz 05. Im Hinblick auf das Pokalspiel am Mittwoch gegen Schalke kann einem als Borussenfan angesichts der Leistung vom Sonntagabend allerdings Angst und Bange werden, und das längst nicht nur, weil Marco Reus möglicherweise wieder ausfällt. Gegen die geballte Angriffsmacht der Gelsenkirchener wird das gegen Mainz Gezeigte nicht ausreichen.


Das Spiel gegen Mainz erinnerte in manchem an die Niederlage in Augsburg – mit einem entscheidenden Unterschied. Diesmal machte Borussia in der Anfangsphase aus der ersten großen Chance direkt ein Tor. Ansonsten hatten die Gladbacher das Spiel über die kompletten 90 Minuten nicht richtig im Griff. Mainz war dominant, mehr am Ball und spielerisch überlegen – ohne freilich selbst zu vielen großen Chancen zu kommen. Borussias Abwehr stand besser als in Augsburg, die großen individuellen Patzer, die sich beispielsweise Dante oder Filip Daems bei der Niederlage noch geleistet hatten, blieben diesmal aus. Fehlerfrei war die Defensive auch diesmal nicht. Tony Jantschke und Havard Nordtveit hatten gelegentlich arge Probleme. Auch über Borussias linke Abwehrseite konnte Mainz gelegentlich gefährlich kommen. Alles in allem zeigte sich der Verbund aber wieder gefestigter. 

Schwierig zu beantworten ist die Frage, warum das Spiel nach vorne einmal mehr stockte. Borussia kam kaum dazu, das auszuspielen, was die Mannschaft sonst gefährlich macht. Die flotten one-touch-Kombinationen funktionierten nicht, die gezielten Pässe in die Lücken der Mainzer Abwehr fanden selten statt, die schnellen „Überfallangriffe“ gelangen nicht. Mainz hatte sich gut auf das Gladbacher Spiel eingestellt. Trainer Thomas Tuchel hatte erstmals seit längerem wieder zwei defensive Mittelfeldspieler aufgeboten, die die Gladbacher Bemühungen um konstruktives Spiel oft schon frühzeitig zunichte machten. Zudem agierte die Mainzer Viererkette konsequent auf einer Linie und bot tatsächlich wenig Lücken, in die beispielsweise Patrick Herrmann und Marco Reus hätten vordringen können. Eine Ausnahme war die Situation vor dem 1:0. Hier hatte sich Borussia ausnahmsweise vor den Mainzer Strafraum kombiniert, Reus spielte einen fantastischen Pass in den freien Raum vor dem Tor, in den Herrmann genau im richtigen Moment gestartet war.

Ansonsten aber gelang vorne recht wenig. Immer wieder blieben die Zuspiele hängen, war ein Mainzer Körperteil dazwischen. Zunehmend schlich sich Ratlosigkeit in die Aktionen der Gladbacher Offensivkräfte. Mehrfach vertändelten diese den Ball ohne Not, weil sich keine offensichtliche Anspielstation fand. Indiz dieser Ratlosigkeit sind mehrere Versuche, den Ball schließlich über die Mainzer Abwehr hinweg in Strafraumnähe zu lupfen, was einmal sogar fast erfolgreich gewesen wäre. Als dauerhaftes Rezept taugen solche Aktionen freilich nicht. 

Ob das Gladbacher Offensivspiel nun lahmte, weil Mainz so gut war, ob es an fehlender Konzentration und Präzision lag oder ob es daran lag, dass Marco Reus nach seiner Verletzungspause noch deutlich an Spritzigkeit mangelte, ist schwer zu sagen. Womöglich war es eine Kombination aller drei Faktoren, die den Sieg gegen Mainz am Ende zu einem glücklichen machten.

Immerhin kam Borussia in der zweiten Halbzeit noch zu Chancen. Dabei zeigten sich die Gladbacher Spieler in ungewohnter Situation ein wenig überfordert. Juan Arango versagten in der eins-gegen-eins-Situation vor dem Mainzer Torwart Wetklo die Nerven. Havard Nordtveit fightete sich bei einem Angriff über links beeindruckend konsequent in den Mainzer Strafraum, fand sich auf diesem Terrain aber nicht zurecht, verlor vollständig die Übersicht und spielte den Ball blind auf den Elfmeterpunkt, wo außer Mainzer Abwehrspielern niemand stand. 

Im Hinblick auf das schwierige Pokalspiel am Mittwoch macht all das wenig Hoffnung. Womöglich kommt es Borussia entgegen, dass Schalke hinten nicht so dicht machen wird, wie Mainz. Mut macht außerdem, dass die Gladbacher Abwehr die Schlussoffensive der Rheinhessen gut überstand. Gegen Ende stürmte Mainz mit fünf Mann gleichzeitig. Allerdings hatte von diesen fünf Mann niemand die Qualität, die Schalke mit Pukki, Raul und Huntelaar aufbringen kann. 

Aber Mittwoch ist Mittwoch, Pokal ist Pokal und Bundesliga ist Bundesliga. Ohne das bevorstehende letzte Spiel des besten Borussenjahres seit der Ära Effenberg fiele die Bilanz des Mainz-Spiels vermutlich gnädiger aus. Womöglich ist der eine oder andere Spieler nach einer Hinrunde, in der die Mannschaft fast dauerhaft am Limit spielte, einfach platt. Erfreulich ist: Borussia hat das Spiel trotz allem gewonnen und sich in der Hinrunde der Saison beeindruckend geschlagen. Die Punktausbeute ist so gut, wie seit der Saison 1976/77 nicht mehr. Meister, wie seinerzeit, wird Borussia 2012 nicht werden, aber ein zehn-Punkte-Vorsprung auf die Nicht-Europapokal-Plätze ist schon ein beeindruckendes Polster, das erst einmal verspielt werden will.

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