Schicksalsspiel, Endspiel, Sechs-Punkte-Spiel – so oder ähnlich waren die Berichte zu Partien der Borussia in den vergangenen Wochen stets überschrieben. Und auch wenn man beim Verein verständlicherweise der ständigen Endspielerei müde ist, kann man angesichts der Partie am Freitag Abend nicht daran vorbei: das Spiel Borussia gegen den 1.FC Kaiserslautern ist ein Schicksalsspiel, ein Endspiel, ein Sechs-Punkte-Spiel. Um das Phrasenschwein satt zu bekommen: Verliert Borussia diese Partie, dürfte die Messe gelesen, der Drops gelutscht, der Käse gegessen sein – und die dicke Frau hätte gesungen.


Das Spiel gegen Lautern ist das letzte gegen einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt – sofern man davon ausgeht, dass das Thema Abstieg für den 1.FC Köln schon passé ist. Die Pfälzer schienen zum Auftakt der Rückrunde im freien Fall zu sein, nicht wenige Beobachter sahen in Kaiserslautern die Mannschaft, die Borussia am ehesten noch würde überholen können. Das vergangene Wochenende veränderte allerdings fast alles – und das auf typisch Lauterer Weise. Die alte Weisheit, dass Spiele am Betzenberg gerne auch mal 95 Minuten dauern, bestätigte sich am Samstag. Gegen den SC Freiburg stand es nach 90 Minuten 1:1, ein Ergebnis, das aus Borussensicht in Ordnung war. Aber Schiedsrichter Sippel dachte nicht daran, abzupfeifen, bis Erwin Hoffer den Ball zum 2:1 ins Freiburger Tor drosch. Allerdings ist Borussia wahrlich nicht in der Position, sich über Last-Minute-Tore zu beschweren, machte man es doch wenige Stunden später in Bremen ähnlich. Nur ist der so glücklich errungene Punkt wegen des Lauterer Erfolges allenfalls psychologisch wertvoll. Rechnerisch war das Unentschieden definitiv zu wenig. Um den Anschluss an Kaiserslautern und die anderen Abstiegskandidaten zu halten, muss Borussia das Heimspiel am Freitag gewinnen.

Borussia

Zwei Heimsiege in Folge hat Borussia zuletzt errungen, der vielbeschworene Heimfluch ist Geschichte. Das Auftreten gegen Schalke und Hoffenheim sollte sich das Team zum Vorbild nehmen, die Leistung der vergangenen Auswärtsspiele wäre mit ziemlicher Sicherheit nicht ausreichend, um gegen Kaiserslautern zu bestehen.

Personell kann Trainer Lucien Favre nicht aus dem Vollen schöpfen. Igor de Camargo ist bei seiner Knieverletzung nicht die zweite Blitzheilung binnen weniger Wochen vergönnt, Borussias erfolgreichster Torschütze muss gegen Kaiserslautern zuschauen.

Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Kapitän Filip Daems. Den Belgier hatte unter der Woche eine Grippe erwischt, am Mittwoch konnte er allerdings das Training wieder aufnehmen. Ohne Daems hat Borussia ein Problem . Nun werden Kritiker einwenden, dass Borussia auch mit Daems ein Problem hat, aber de facto ist der Linksverteidiger kaum zu ersetzen, da mit Jens Wissing der mögliche Ersatz ebenfalls verletzt passen muss. Alternative wäre Sebastian Schachten, dessen Auftritte in der Hinrunde den Fans allerdings in wenig erfreulicher Erinnerung geblieben sind. Auch Tobias Levels hat schon links hinten verteidigt, allerdings hatte der zuletzt genug Probleme auf seiner angestammten Position rechts in der Viererkette, so dass er seinen Stammplatz dort an Tony Jantschke verlor.

Im Mittelfeld hat Harvard Nordtveit gegen Bremen eindrucksvoll nachgewiesen, Borussias bester „Sechser" zu sein. Ohne den Norweger ging in der ersten Halbzeit nicht viel, nach seiner Einwechslung stand das Team insgesamt besser. Es dürfte ausgemachte Sache sein, dass Nordtveit von Anfang an spielt.

Ob Lucien Favre wie gegen Bremen oder auch zu Beginn des Hoffenheim-Spiels mit zwei defensiven und drei eher offensiv orientierten Mittelfeldspieler beginnt, wird sich zeigen. Seit dem Amtsantritt des Schweizers stellt sich vor dem Spiel die Systemfrage wieder, wird selbst im Spiel, wenn es Not tut, umgestellt. Diskussionswürdig ist bei der genannten Taktik die Rolle von Roman Neustädter, dessen Leistung einzuordnen sich viele schwer tun. Trotz teilweise ordentlicher Kritiken wirkt es nicht souverän, wie der frühere Mainzer die Rolle im zentralen Mittelfeld interpretiert, unterlaufen ihm zahlreiche technische Fehler und schlechte Pässe.

Ohne Neustädter allerdings entsteht eine Lücke auf der rechten Seite. Marco Reus würde in die Spitze rücken, gegen Hoffenheim orientierte sich danach Michael Fink ein Stück nach rechts und ein Stück nach vorne, was ihm aber sichtlich fremd vorkam. In Bremen bekam Patrick Herrmann die Chance, sich im rechten Mittelfeld zu beweisen – mit allenfalls durchwachsenem Erfolg.

In der Sturmspitze dürfte Lucien Favre abermals auf Mo Idrissou als Camargo-Ersatz bauen. Mike Hanke zeigt zwar bei jedem seiner Kurzeinsätze ordentliche Ansätze, er scheint bei Favre aber nicht über die Joker-Rolle hinauszukommen. Vielleicht nutzt Idrissou die Gelegenheit, um seinen Jahrhundert-Patzer aus dem Hinspiel auszubügeln.

Das Spiel am Betzenberg gehört zu den schlechtesten, die Borussia in dieser Saison absolviert hat – dabei ist die Auswahl an schlechten Spielen wahrlich nicht gering. Nichts lief zusammen am 30. Oktober, trauriger Höhepunkt war die erwähnte Großchance von Idrissou, der es schaffte, den Ball aus wenigen Metern am komplett leeren Lauterer Tor vorbeizuschießen. Das 3:0 für Kaiserslautern war auch in der Höhe verdient.

1.FC Kaiserslautern

Den letzten Treffer bei diesem 3:0 setzte der Mann, den sie in der Pfalz zunächst verehrten, inzwischen aber fast schon verdammen. Srdjan Lakic, mit elf Toren Lauterns mit Abstand torgefährlichster Spieler, wechselt nach dieser Saison zum VfL Wolfsburg, was viele Fans dem Kroaten übel nehmen. Bei seinem letzten Auftritt vor heimischem Publikum gab es Pfiffe, gegen Freiburg fehlte Lakic wegen Grippe. Jetzt aber ist er wieder fit und wird Borussias Verteidiger am Freitag vermutlich gehörig beschäftigen.

Für Lakic könnte der Torschütze vom vergangenen Wochenende aus der Mannschaft rutschen. Lakic und Hoffer lässt Trainer Marco Kurz nur äußerst selten Seite an Seite spielen, die bisherigen Versuche mit diesem Zweiersturm gingen schief. Eher wird Adam Nemec wieder als hängende Spitze agieren, der Slowake war im Hinspiel ebenfalls erfolgreich. Im offensiven Mittelfeld hat sich Wintereinkauf Adam Hlousek etabliert, dazu spielt dort mit Ilicevic der zweite Shootingstar der Lauterer in dieser Saison. Die Schalker Leihgabe Jan Moravek entwickelt sich derweil zur Allzweckwaffe im Mittelfeld, ob außen, zentral oder wie gegen Freiburg eher defensiv, der Tscheche konnte zuletzt häufig überzeugen.

In der Defensive kann Marco Kurz auf seine Wunschformation zurückgreifen. Auch Torwart Tobias Sippel ist in Gladbach wieder dabei, er hatte am vergangenen Wochenende grippebedingt pausiert.

Aufstellungen

Borussia: Bailly – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Nordtveit, Fink – Herrmann, Arango – Reus – Idrissou

Kaiserslautern: Sippel – Dick, Abel, Rodnei, Jessen – Tiffert – Moravek – Ilicevic, Nemec, Hlousek – Lakic

SEITENWAHL-Prognose

Christoph Clausen: Ich bestellte hiermit einen 3:0-Sieg. Und einen Kaffee.

 

Thomas Häcki: Und wieder geht es gegen einen "Mitkonkurrenten" um die wenig begehrten Tickets nach Aachen und Düsseldorf. In der Vergangenheit tat die Borussia in solchen Spielen fast alles, um dieses Ticket zu ergattern. Auch diesmal? Aller Euphorie zum Trotz: Nur ein müdes 1:1.

 

Christian Heimanns: 2:1 Sieg für die Borussia, Laufzeitverlängerung für die Hoffnung.

 

Michael Heinen: Es wird schwerer als es viele sich erhoffen, aber durch ein 2:1 bleibt Borussia im Rennen um den Klassenerhalt.

 

Christian Spoo: Es wird ein nervenzerfetzender Abend im Borussia-Park. In einem nicht hochklassigen aber intensiven Spiel ringt Borussia den 1.FC Kaiserslautern mit 2:1 nieder – eine lebensverlängernde Maßnahme, deren wahrer Wert sich erst einige Wochen später wird bewerten lassen können.

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