Werder BremenIn Madrid wird in diesen Tagen der spanische Siesta-Meister gekürt. Der „Verein der Freunde der Siesta“ will damit ein öffentliches Zeichen setzen gegen den schleichenden Verlust einer altehrwürdigen Tradition, die im Namen von Produktivität und Standortsicherung immer mehr an Boden verliert. Punkte gibt es unter anderem für den originellsten Pyjama, das lauteste Schnarchen und die eleganteste Schlafhaltung. Zwar sind Juan Arangos Schlafgewänder nur seinen engsten Vertrauten bekannt. Aber Zeit für eine Teilnahme hätte der frühere Wahl-Spanier, nachdem er für vier Bundesligaspiele gesperrt wurde. Immerhin könnte er so mal wieder eine Trophäe nach Gladbach holen. Titelträume anderer Art verbieten sich für die Borussia auf absehbare Zeit ohnehin.

 

Das war natürlich vor der Saison schon klar. Damals durfte man aber durchaus hoffen, dass die Borussia sich bis Mitte Oktober in Sachen Punkte etwas mehr Speck angefuttert haben würde, um beruhigt in den Winterschlaf gehen zu können. Es stimmt schon: Borussias abgemagerte Erscheinung hat zum Teil mit gelegentlichen Wachträumen der Schiedsrichter zu tun. Aber auch die Borussen leisteten sich vor allem nach Standartsituationen einfach zu oft Sekundenschlaf.

 

Dafür, dass sich das Team am Samstag aufgeweckter präsentiert, sollen auch zwei Startelfdebütanten sorgen. Jens Wissing wird links den gesperrten Sebastian Schachten vertreten, Igor de Camargo gemeinsam mit Raul Bobadilla das teuerste Sturmduo der Vereinsgeschichte bilden. Marko Reus und Mo Idrissou, beide schon als hängende Spitze eingesetzt, bilden die Flügelzänge. Als Einwechselspieler könnte der wieder genesene Patrick Herrmann zum Zuge kommen. Dem von manchen geforderten Wechsel im Tor erteilte Michael Frontzeck eine deutliche Absage.

 

Der Gast aus Bremen

Zu eben solch einem Wechsel gezwungen war im Champions-League-Spiel dieser Woche Thomas Schaaf. Nach Tim Wieses Verletzung machte der junge Sebastian Mielitz aber ebenso gut wie in seinem ersten Bundesligaeinsatz, einem torlosen Remis gegen den 1. FC Köln im Dezember letzten Jahres. Obwohl neben Wiese auch Werders zweiter Torwart Christian Vander ausfällt, müssen sich die Bremer auf dieser Position keine großen Sorgen machen.

 

Größer sind sie auf der linken Abwehrseite. Borussias Anhänger werden sich mit Vergnügen daran erinnern, wie viel Raum dort Bremens Leihspieler Abdennour beim 4:3 im letzten Jahr den Herren Bobadilla und Reus gewährte. Abdennour ist wieder nach Tunesien zurückgekehrt, die Lücke auf seiner Position aber nicht viel überzeugender geschlossen. Nicht, dass Klaus Allofs es nicht probiert hätte. Werders Manager beklagte indes, dass der Markt für gute Linksverteidiger europaweit abgegrast sei und schon für Durchschnittsspieler horrende Summen aufgeworfen würden.

 

Kurz vor Ende der Transferfrist glaubte man aber, mit der ablösefreien Verpflichtung des 33-jährigen Mikael Silvestre einen Coup gelandet haben. Die Vita des französischen Nationalspielers zieren immerhin fünf englische Meistertitel und ein Champions League-Sieg. Silvestre formulierte denn auch gleich offensiv Titelambitionen und sah sich selbst als Führungsspieler. Auf dem Platz führte er sich aber katastrophal ein, dass statt seiner am Samstag Petri Pasanen links verteidigen wird. Auch der enttäuschte bislang aber zumeist. Ausnahme war seine starke Partie bei Bayern München, dort allerdings im Abwehrzentrum. Sebastian Boenisch fällt längerfristig aus.

 

Ohnehin ist Werder in dieser Spielzeit von Verletzungen arg gebeutelt. Neben allerlei kleineren Unpässlichkeiten schmerzte vor allem die lange Rekonvaleszenz Naldos. Im Vollbesitz seiner Kräfte bildet der Brasilianer gemeinsam mit Per Mertesacker eines der besten, vielleicht das beste Innenverteidigerduo der Liga. Gleichwertigen Ersatz hat der Kader nicht zu bieten, dennoch machte Vertreter Sebastian Prödl seine Sache besser, als manche Werder-Sympathisanten befürchtet haben mochten. Da die zwischenzeitlich angeschlagenen Mertesacker und Fritz einsatzfähig sind, sind drei der vier Positionen in der Bremer Abwehr wieder stark besetzt.

 

Im Mittelfeld wäre Thomas Schaaf vieler Sorgen ledig, wenn er Wesley Lopes Beltrame per Copy and Paste auf verschiedenen Positionen zugleich einfügen könnte. Anders als Silvestre erfüllte der vom FC Santos verpflichtete Brasilianer die hohen Erwartungen in fast allen Spielen. Der zweifache Nationalspieler ist als Defensivstratege ebenso zu gebrauchen wie als intelligenter Passgeber hinter den Spitzen. Nicht umsonst nennt Wesley Zé Roberto als wichtiges Vorbild, an dessen Spielweise seine dynamischen Vorstöße in der Tat erinnern.

 

Hoch gelobt wurde in der letzten Spielzeit der junge Philipp Bargfrede. Schon als kommender Nationalspieler gehandelt, konnte der Sechser in dieser Saison an seine überragende Form der Vorsaison aber kaum anschließen. Dazu trugen auch kleinere Verletzungen ihr Teil bei. Gewohnt sicher spielte im zentralen defensiven Mittelfeld dagegen meist Thorsten Frings, neben oder hinter dem mal defensiver, mal offensiver agierenden Wesley. Auf der Suche nach einem Nachfolger für Mesut Özil hinter den Spitzen probierte Thomas Schaaf mit eher durchwachsenem Erfolg auch Aaron Hunt oder Marko Marin aus, in Leverkusen auch den Dänen Daniel Jensen, der dort eine beachtliche Leistung ablieferte.Viel besser zurecht kam Marin auf der offensiven Außenbahn, auch wenn die bislang drei Scorerpunkte seinen eigenen Ansprüchen schwerlich genügen dürften.

 

Auf dem anderen Flügel wird sich Schaaf zwischen Aaron Hunt und Marko Arnautovic entscheiden müssen. Letzterer polarisierte nicht nur durch seine als arrogant empfundene Art, sondern wandelte auch leistungsmäßig zwischen den Extremen: Vor allem in der überragenden Partie gegen Köln zeigte der Österreicher aber warum er Werder im Sommer sechs Millionen Euro wert war. Nach mehreren schwachen Auftritten in der Bundesliga sorgte Arnautovic zuletzt nach seiner Einwechslung in der Champions League-Partie gegen Enschede für viel Schwung und erzielte auf Pizarros Zuspiel den Siegtreffer.

 

Auch deshalb sorgte Pizarros Rückkehr für große Erleichterung an der Weser. Der Peruaner hatte sich früh in der Saison verletzt und kam erst in den letzten beiden Bundesligaspielen wieder zu Kurzeinsätzen, wobei er gegen Freiburg Almeidas Siegtreffer mit starker Flanke vorbereitete. Almeida selbst ist mit fünf Treffern derzeit Bremens erfolgreichster Schütze.

 

Aufstellungen

Borussia Mönchengladbach:Bailly – Levels, Anderson, Daems, Wissing – Marx, Bradley – Reus, Idrissou – de Camargo, Bobadilla.

Werder Bremen: Mielitz – Fritz, Mertesacker, Prödl, Pasanen – Frings – Arnautovic, Marin – Wesley - Pizarro, Almeida.

SEITENWAHL-Meinung

Christoph Clausen: Eine Neuauflage des Ergebnisses vom letzten Jahr wäre schön, allein, mir fehlt der Glaube. Ein 2:2 ist das höchste meiner Tippgefühle.

Christian Heimanns: Rotsperren, Verletzungen, sieglose Serie? Wer gegen Bremen keinen Heimsieg tippt, missachtet die Tradition. 2:1 für Borussia.

Christian Spoo: Die Verletztenliste ist ähnlich lang, wie die der gesperrten Spieler - und Borussia weiß nach dem Hoffenheim-Spiel nicht so recht, wo sie steht. Nach dem 1:1 gegen Bremen ist niemand schlauer.

Michael Heinen: Nachdem sich die Borussen-Spieler jetzt gehaltsmäßig wohl ungefähr auf Augenhöhe mit denen des SV Werder befinden, spricht vieles für eine ausgeglichene Partie, die mit 2:2 endet.

Thomas Häcki: Ganz klar: Die sportliche Situation ist besch...eiden. Allerdings präsentierte sich das Team auch nicht so schlecht, wie man aus der Tabellensituation schließen könnte. Der Befreiungsschlag wird sehnlichst erwartet und er sollte bald kommen, will man nicht in einen Abwärtsstrudel geraten. Gegen Bremen würde ein 3:2 viel helfen.

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  • @Neun_Drei ...⌚️... 👑... 🤳...
  • @agbeule Das Spiel des #effzeh war auch im letzten Jahr ähnlich limitiert. Aber halt sehr kompakt und vorne noch mit Lebensversicherung.
  • @GJA1201 Stimmt, es sagt auch einiges über die letzte Saison der #Fohlenelf aus. Platz 5 des #effzeh war durchaus nicht unverdient.
  • Es sagt einiges über die Qualität der Bundesliga aus, dass eine so limitierte Mannschaft wie der #effzeh europäisch spielen darf. #BMGKOE
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  • RT @tspsport: "Die haben sich das zusammengebastelt"- #Bundesliga-Schiri Manuel Gräfe kritisiert Krug und Fandel, im @tagesspiegel https://…

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