Niemand im Verein wird dieser Tage müde zu betonen, welche Fortschritte in den ersten drei Rückrundenspielen zu erkennen gewesen sind. Die beiden Punkte waren mehr als von den meisten Beobachtern erwartet wurden. Die einsatzfähigen Neuzugänge konnten auf ihrer Position erkennbar mehr überzeugen als ihre Vorgänger. Trotz der Chancenflut in Bremen scheint die Defensive an Stabilität hinzugewonnen zu haben. Und wenn demnächst sogar noch der hoch gehandelte Dante endlich einsatzfähig sein wird und die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt, können wir uns freuen, die ärgsten Baustellen in diesem Bereich geschlossen zu haben.

Doch so lobenswert die vergangenen Auftritte gegen Stuttgart, Hoffenheim und Bremen auch zum Teil gewesen sein mögen. Sie werden für die kommenden Wochen nur sehr bedingte Aussagekraft haben. Aus solchen „Pflichtniederlagen“ ab und zu mal einen Punkt zu stibitzen, das ist sehr erfreulich und wichtig angesichts unserer Tabellenkonstellation. Entscheidend für das Projekt Klassenerhalt werden aber die Spiele sein, die uns am Ende drei Punkte bescheren. Bei inzwischen vier Zählern Rückstand ans rettende Ufer brauchen wir nichts dringlicher als Siege. Und dafür wird es i.d.R. nicht ausreichen, wie zuletzt auf defensive Stabilität zu setzen und darauf, dass vorne der liebe Gott aushilft.  

Hans Meyers Ziel zur Winterpause war es, diese verloren gegangene Stabilität in der Defensive wiederherzustellen und darauf aufbauend mehr Impulse für die Offensive setzen zu können. Schritt 1 ist zumindest in Ansätzen gelungen. Jetzt muss aber der nächste Schritt erfolgen. Und dies durch die Ergebnisse der Konkurrenz sofort. Wir haben keine Zeit, dass die Offensive sich erst einmal für einige Wochen einspielen und stetig verbessern kann. In ein paar Wochen kann der Rückstand im Misserfolgfall schon zu groß geworden sein, damit die Hoffnung noch realistisch aufrecht erhalten werden kann. 


Unsere beiden Rückrundentore fielen durch einen haltbaren Sonntagsschuß sowie einen kuriosen Freistoß. Es ist keineswegs verwerflich, auf solche Art zu Torerfolgen zu kommen. Nur sieht konstruktives Offensivspiel anders aus. Und davon konnte man bei Borussia in dieser Rückrunde noch nicht sehr viel sehen, was angesichts der Schwere der Gegner auch nicht vorrangig anvisiert wurde. Ab kommenden Samstag wird es erstmals aber genau darauf ankommen.
Sonst könnte es selbst gegen die auswärts- und defensivschwachen Hannoveraner ein böses Erwachen geben. 

Ein bißchen Sorge bereitet es da schon, dass bisher noch nicht so recht deutlich wird, wie genau unsere Offensive denn aussehen soll. Gesetzt sind Rob Friend, Alexander Baumjohann und Michael Bradley. Daheim dürfte dies auch für Marko Marin gelten, wie ebenso Karim Matmour aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes gute Karten bei unserem Trainer besitzt. Allerdings sollten seine Leistungen zuletzt die Überlegungen befeuern, ob nicht vielleicht doch ein zweiter echter Stürmer neben Rob Friend größere Wirkungen entfalten könnte. Oliver Neuville würde sich hier anbieten, da er bereits über größere Erfahrungen im Zusammenspiel mit Friend verfügt und somit die nicht vorhandene Eingewöhnungszeit bei diesen beiden wegfallen würde.  

Die meisten Fans würden sich eine solche Offensive wünschen, in der Bradley, Baumjohann und Marin das (offensive) Mittelfeld bilden, das Friend und Neuville mit Vorlagen füttert. Unwahrscheinlich jedoch, dass Hans Meyer es ähnlich sieht, da er mehrfach angedeutet hat, eine solche Aufstellung für zu offensiv zu halten. Und die defensive Stabilisierung wird von ihm eben als Grundvoraussetzung angesehen, um überhaupt offensiv agieren zu können.
 

Viel spricht daher dafür, dass Meyer es weiter in „seinem“ System versucht, das in etwa wie gegen Hoffenheim personell offensiver ausgerichtet ist. Nur wird sich hierbei die bereits vor einigen Wochen gestellte Frage wiederholen, woher genau die Torgefahr kommen soll. Natürlich können Spieler wie Baumjohann, Matmour oder Marin mal einen Treffer erzielen. Dies geschieht aber zu selten, um sich darauf verlassen zu können. Größere Hoffnungen darf man auf Michael Bradley richten, der mit seinem zweiten Saisontreffer sowie bei seinem Auftritt für die USA in der vergangenen Woche seine Torgefahr andeutete, die er ansonsten aber bei uns noch zu selten unter Beweis stellte.
 

Rob Friend ist seit November ohne Torerfolg und scheint allzu oft auf sich alleine gestellt. Unser Offensivspiel ist viel zu sehr auf ihn ausgerichtet. Die hohen, weiten Bälle nach vorne drücken eine gewisse Hilf- und Planlosigkeit aus. Zudem bräuchte Friend noch einen eigenen Klon, der die von ihm per Kopf abgelegten Bälle annehmen und verwerten kann. Ein echtes 4-3-3-System lebt davon, dass die Außenstürmer ihren kopfballstarken Angreifer in der Mitte regelmäßig mit Flanken versorgen. Nur sieht hier die Realität bei Borussia trist aus, denn keiner unserer Außen ist für seine Flanken von der Seite allzu berühmt. Vielmehr ziehen sie spätestens am Strafraum allzu gerne in die Mitte, was zwar auch ein gängiges Rezept sein kann, aber eigentlich dem Sinn eines 4-3-3 zuwider läuft. 

Hinzu kommt, dass gerade die Edeltechniker Marin und Baumjohann für ihr Talent und ihre Spielqualität viel zu wenig miteinander harmonieren. Nimmt man ihre Klasse zum Maßstab, so müssten sie im Zusammenspiel viel häufiger torgefährliche Situationen hinaufbeschwören. Die Schlußphase in Bremen, in der man einige aussichtsreiche Konterchancen gegen die aufgerückten Gastgeber sehr kläglich verpuffen ließ, steht exemplarisch für dieses Grundproblem einer wenig harmonisierenden Offensive. Vieles geschieht zu sehr nach dem Schema „Ball irgendwie weit nach vorne spielen“. In diesem Bereich wird sich die Mannschaft enorm steigern müssen, damit Siege nicht nur gelegentlich mit etwas Glück zustande kommen. 
 

Diese entstehen in den meisten Fällen dann doch zu oft durch nette Einzelaktionen als durch konstruktives Zusammenspiel. Betrachtet man die bisherige Saison, so sind nur die Erfolge gegen Bremen und Bielefeld durch ordentliche Offensivleistungen zustande gekommen. Bei genauerer Betrachtung war es in der Schüco-Arena aber ein herausragender Marko Marin, der uns im Alleingang zum Sieg schoss, während gegen Bremen zumindest das dritte Tor einer Individualleistung von Baumjohann zuzurechnen ist. Das 1:0 gegen Karlsruhe, ebenfalls erzielt durch ein Tor nach dem Schema „Hoch und weit“, war in dieser Partie eines der wenigen Highlights im Gladbacher Angriffsspiel. Auch die übrigen Punktgewinne der bisherigen Saison sahen über weite Strecken kein echtes Offensivfeuerwerk unserer Borussen.

Aus dieser Sicht darf man skeptisch sein, dass der von allen Fans fest eingeplante, weil absolut notwendige Dreier gegen Hannover automatisch eingefahren werden kann. Die Chancen sind angesichts der bisherigen Saisonleistung unseres Gegners auf fremden Plätzen nicht schlecht, dass wir auch mit weiter stotternder Offensive, aber etwas Glück die Punkte in Mönchengladbach behalten. Aber es wird keine einfache Aufgabe für die Mannschaft, den Schalter von konsequenter Absicherung auf konstruktive Offensive umzustellen. Dummerweise wird aber das Gelingen unseres Projekts Klassenerhalt sehr wesentlich davon abhängen, ob dieser Schritt schnellstmöglich gelingen kann.

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