Von Glück wollte Tobias Levels nach dem Ende des Pokalkrimis vom Mittwoch Abend nichts wissen. Man habe sich das Weiterkommen nach 120 intensiven Minuten „redlich verdient". Letzteres kann man unterschreiben, letzten Endes war es aber dann doch das, was Borussia in den vergangenen Wochen vollständig fehlte, das die Entscheidung brachte: das Glück.

Glück, dass Patrick Helmes einen alles andere als eindeutigen Elfmeter in der zweiten Halbzeit der regulären Spielzeit neben das Tor setzte.
Glück, dass das Auslassen hochkarätigster Torgelegenheiten nicht, wie im Fußball meist üblich, bitter bestraft wurde.
Glück, dass der Mannschaft nach dem potenziell genickbrechenden Leverkusener Führungstor postwendend der Ausgleich gelang – mit freundlicher Unterstützung einer kopflos agierenden Bayer-Hintermannschaft.
Und schließlich natürlich Glück im Glücksspiel per se – dem Elfmeterschießen.


Damit soll die tatsächlich über zwei Stunden durchweg recht ansprechende Leistung der Mannschaft nicht geschmälert werden. Borussia trat selbstbewusster und engagierter auf, als viele das nach der deutlichen Niederlage vom Vorwochenende erwartet hätten. Die Mannschaft stand nicht mehr ganz so offen, erarbeitete sich diverse gute Möglichkeiten.

Im Endeffekt war es aber das Glück, das diesmal den Unterschied machte. Den Unterschied zwischen zwei gleichstarken Teams und vor allem den Unterschied zu den vergangenen Partien. Auch gegen Bremen war beispielsweise etwas „drin", in Hoffenheim sowieso und über die „verpfiffenen" Spiele der Wochen davor ist ohnehin genug gesagt und geschrieben worden. Aber da fehlte der Faktor Glück, der gestern in den entscheidenden Phasen endlich mal wieder zugunsten Borussias ins Spiel kam. Es scheint klar: ohne Glück geht es nicht.


Andere Faktoren sollen dabei natürlich nicht unerwähnt bleiben, denn bei Borussia lief einiges besser, als zuletzt:

Der Wechsel im Tor zahlte sich aus. Christofer Heimeroth war ein weitgehend sicherer Rückhalt, entschärfte in der ersten Halbzeit gleich drei Leverkusener Großchancen und war im Elfmeterschießen der große Sieger.


Die offensiven Mittelfeldspieler verteidigten diesmal so mit, wie es nötig ist, um die vielbeschworene „Kompaktheit" herzustellen. Juan Arango und vor allem Marco Reus waren sich für keinen Weg zu schade, grätschten und kämpften vorbildlich. Dazu kam, dass Michael Bradley sich entschlossen zu haben scheint, doch noch eine Art"Leader-Rolle" anzunehmen. Wie schon gegen Bremen fiel der US-Amerikaner durch unermüdlichen Einsatz, extreme Bissigkeit und den steten Willen auf, das Spiel anzukurbeln.


Marco Reus zeigte zudem in etwa die Form, die ihn in der vergangenen Saison zu einem der Shooting-Stars der Bundesliga machte. Endlich traute sich der Fast-Nationalspieler wieder in 1:1-Duelle, setzte sich in diesen auch durch, spielte kluge Pässe und war an vielen gefährlichen Angriffen beteiligt.


In Euphorie braucht aber auch nach dem schönen Erfolg vom Mittwoch niemand zu verfallen – denn Borussia konnte längst nicht alle Schwächen abstellen:


Die Abwehr stand besser, aber noch lange nicht gut. Vor allem über die Außen war Borussia anfällig. Tobias Levels ist – wenngleich er in vielen Situationen wieder sein großes Kämpferherz zeigte – nicht in Topform, schätzt Bälle falsch ein und liefert sich Fehler im Aufbau. Sebastian Schachten wirkte auf der anderen Seite defensiv zwischenzeitlich fast schon orientierungslos, wenngleich er sich unermüdlich nach vorne einzubringen versuchte.
Und Bamba Anderson ist ein ordentlicher Innenverteidiger, aber naturgemäß noch lange kein Dante, an dem sich ein Nebenmann aufrichten kann.

Im Mittelfeld lieferte sich Borussia nach der Drangphase zu Beginn des Spiels unzählige teils völlig unnötige Ballverluste. Dass es ausschließlich Taktik war, die Herrschaft über diesen Teil des Feldes mir nichts dir nichts herzugeben, wie nach dem Spiel von Bayer-Coach Jupp Heynckes vermutet, darf man getrost bezweifeln. Fest steht: es gelang Borussia zu keinem Zeitpunkt, sich einmal auf der Gegenseite festzuspielen. Wenn das Mittelfeld überwunden wurde, dann so gut wie ausschließlich über schnelle, konterähnliche Angriffe. Das kann die Mannschaft, so ist wohl auch „unser Spiel", wie Michael Frontzeck es sieht. Das Verlieren auch einfacher Bälle im Aufbauspiel sollte das Team dennoch reduzieren.

Die Chancenverwertung scheint sich als neues Großproblem zu etablieren. Mehr noch als gegen Bremen ließen Borussias Angreifer haufenweise Top-Chancen liegen. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass Leverkusens Schlussmann René Adler einen großen Tag erwischt hatte. Exemplarisch sei Rettungstat gegen Mo Idrissou in der ersten Halbzeit genannt, als der Kameruner den Schlussmann eigentlich schon überwunden zu haben schien. Raul Bobadilla allerdings hätte mindestens ein Tor machen müssen. Der Argentinier rackerte gewohnt engagiert, blieb im Abschluss aber schon fast dramatisch harmlos. Dass er nach seiner Auswechslung wütend in die Kabine stürmte, ohne den Trainer oder seinen Ersatz Igor de Camargo eines Blickes geschweige denn eines Handschlags zu würdigen, darf nicht unerwähnt bleiben. Man kennt diese Form des trotzigen Abgangs von Bobadilla mittlerweile, durchgehen lassen sollten die Verantwortlichen ihm ein solches Verhalten dennoch nicht. Der Eindruck bleibt, dass es Bobadilla mehr um den eigenen Erfolg geht, als um den der Mannschaft.

So halten sich in der Rückschau Fortschritt und Stagnation die Waage. Insgesamt hat sich Borussia für das Pokalspiel die Note befriedigend verdient. Dass das reichte, um ins Achtelfinale einzuziehen, das lag daran, dass das Glück in den Borussiapark zurückgekehrt ist.
Hoffen wir, dass es nicht nur eine Stippvisite war.

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  • @agbeule Das Spiel des #effzeh war auch im letzten Jahr ähnlich limitiert. Aber halt sehr kompakt und vorne noch mit Lebensversicherung.
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  • Es sagt einiges über die Qualität der Bundesliga aus, dass eine so limitierte Mannschaft wie der #effzeh europäisch spielen darf. #BMGKOE
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