Nein, Borussia Mönchengladbach ist noch nicht abgestiegen. Das ist nach dem 14. Spieltag nicht üblich. Und ja, sie ist aber auf einem guten Weg dahin. Ohne Besserung wird der Anschluss bald verloren gehen, aber Besserung ist nicht in Sicht. Über den Ist-Zustand gibt es inzwischen keine geteilten Meinungen mehr, die Frage nach dem "warum" bleibt einmal mehr offen.

Das eine große Problem steht klar vor Augen und manifestiert sich in der Zahl 40. Es hagelt dermaßen Gegentore, dass sich das Netz über 90 Minuten auszubeulen scheint und der Eindruck drängt sich auf, dass ein wesentlicher Teil der Laufleistung des Torhüters darin besteht, Bälle aus diesem Netz zu holen. Der Wechsel des Torhüters von Bailly zu Heimeroth hat zwar gefühlte Besserung auf diesem Posten gebracht, letztlich aber nicht mehr als die Erkenntnis, dass Niederlagen und drei bis vier Gegentore pro Spiel auch ohne Torwartfehler möglich sind. 40 Gegentore nach dem 14. Spieltag bedeuten 2 mehr als in der Saison 98/99, in der Borussia am Ende weit abgeschlagen zum ersten Mal abgestiegen ist.


Natürlich ist es ein Schlag, dass Brouwers und Dante so lange ausfallen und der zu Saisonbeginn neu geholte Anderson nicht ans Niveau der 1. Liga herankommt. Angesichts des desaströsen Gesamtbildes steckt da aber mehr hinter. Zum Beispiel gibt es für Daems im Moment nur die Suche nach dem Posten, wo er am wenigsten schlecht ist. Und Levels ist zwar wichtig für Moral und Widerstandsgeist der Mannschaft, ist aber zu Fouls gezwungen um nicht zu oft überrannt zu werden. Von den beiden defensiven Mittelfeldspielern wird die Abwehrreihe nur unzulänglich abgesichert und dann kommt es eben zu Situationen, in denen der gegnerische Spieler mit dem Ball am Fuß sich den richtigen Zeitpunkt aussuchen kann, den Pass durch die Abwehr zu spielen. Dazu kommt ein Verhalten bei Kopfbällen, das schon an eine schriftliche Einladung grenzt. Ein Spieler wie Neven Subotic wird immer mal seine Kopfballtore machen, aber Shinji Kagawa wird selten so gefährliche Kopfbälle aufs Tor bringen wie den, den Heimeroth gestern bewunderswert weggefischt hat. Von allen Seiten hagelt es Tore herein, Borussia Mönchengladbach 2010 präsentiert sich "bedingt abwehrbereit".


Die jeweils aktuelle Spielzeit mit vergangenen zu vergleichen, ist eigentlich zu einfach. Zahllose Faktoren und Statistiken bieten Parallelen zu so ziemlich jeder Saison der letzten 110 Jahre an. Umso mehr, als Borussia Mönchengladbach seit ca 12 Jahren ohnehin nur vielleicht 2 ohne ernste Abstiegsgefahr verbracht hat, die Jahre in der zweiten Liga nicht mitgezählt. Und doch zeigt diese Saison Gleichmäßigkeiten zu den Abstiegsjahren, die unschöne Perspektiven bieten. Eher unwichtig sieht dabei aus, dass der Abstieg jedesmal unerwartet war, jedenfalls noch bei Saisonbeginn. Bedeutender dafür, warum es jedesmal dazu kam: In beiden Fällen handelte es sich um fußballerisch potente Truppen, deren spielerische Klasse gar keine Zweifel an der Erstligatauglichkeit weckte.


Und in beiden Fällen stiegen Borussias Mannschaften wehrlos, kampflos und teilnahmslos ab. 2006/07 sahen die meisten Niederlagen knapp aus, was aber dadurch zustande kam, dass sich kaum ein Gegner verausgabte, weil die Gladbacher nach dem ersten Gegentreffer nie mehr etwas zuzulegen hatten. 98/99, die Saison, die so einige Parallelen zur laufenden bietet, war durch hohe Niederlagen und frühzeitiges Auseinanderfallen des Teams geprägt. In beiden Jahren war die Ursache für den Abstieg mangelnder Kampfgeist und Moral. Leute, die als Führungsfiguren eingeplant waren, gaben die Rolle völlig auf. Nie war die nötige Aggressivität zu spüren, den Gegner in die Knie zu zwingen. Beide Abstiege demonstrierten, dass fußballerische Fähigkeiten nicht ausreichen, beim Fußball auch zu gewinnen. Es braucht den Biss, den Willen, die Bereitschaft, sich dem Kampf und dem Gegner zu stellen. Es braucht die Entschlossenheit, dem Gegner von Anfang an zu zeigen, dass er nichts holt ohne gleichfalls über sich hinauszuwachsen, es braucht die Leidenschaft, ihm noch zum Schluss des Spiels die letzten Meter abzulaufen.


Und nebenbei, hartes Spiel ist nicht zwangsläufig notwendig. Aber wenn der Schiedsrichter zu erkennen gibt, dass er heute eher was laufen lässt, darf der Gegner auch mal in die Horizontale wechseln. Vielleicht leiden Borussias Mannschaften schon länger an der Suche nach zuviel Netzer und Heynckes und zuwenig Vogts. So oder so darf es für Profis einfach nicht möglich sein, sich vom Gegner durch körperliches Spiel beeindrucken zu lassen. Auch wenn man sie nicht ausstehen kann - eine Mannschaft, die nicht ein bisschen Gattuso oder van Bommel hat, verliert.


Und da sind wir bei der aktuellen Lage. Sicher hängt viel an dem mangelnden Niveau einzelner Spieler. Aber selbst damit sollte Borussia wenigstens soviel Punkte haben wie St. Pauli oder Kaiserslautern, die ihre fußballerische Unterlegenheit mit kollektiver Geschlossenheit wettmachen. Fragt sich nur noch, wie so eine Geschlossenheit zu erreichen ist, kurzfristige Motivationskünstler sind daran schon genauso gescheitert wie ernsthafte Fußballlehrer. Aber andere haben es geschafft.


Der 14. Spieltag ist kein Zeitpunkt für einen Nachruf. Selbst Hertha BSC hätte sich vor einem Jahr noch retten können mit 6 Punkten nach der Vorrunde, und der Borussia stehen bis dahin noch drei Spiele bevor, die alle machbarer sind als das letzte. Und danach ruht die Hoffnung darauf, dass Brouwers und Dante wieder einsatzbereit sein werden. Vielleicht sollte darauf nicht zuviel Hoffnung gelegt zu werden. Um die letzte Parallele des Tages zu präsentieren - auch Patrik Andersson, herausragender Abwehrstratege, war kein Führungsspieler und keiner, an dem sich die wackeligen Kollegen aufrichten konnten. Wenn Borussia nicht absteigen soll, muss mehr passieren als die Rückkehr der Innenverteidiger.

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