Nach dem 1:1 gegen den 1.FC Nürnberg musste man lange Gesichter rund um den Borussia-Park nicht lange suchen. Bei den Zuschauern überwog nach der Punkteteilung zum Saisonauftakt die Enttäuschung. In den Wochen davor hatte sich ein verhaltener, aber deutlich zu spürender Optimismus breit gemacht. Niemand erwartete lautstark große Sprünge, aber mehr als, das, was das Team da am Samstag auf dem Platz zeigte, hatten die meisten doch erwartet. Aber warum?


"Dat is doch dieselbe Scheiße wie letz' Jahr", so fasste es ein etwas missmutiger Borussenfan in Hörweite von SEITENWAHL zusammen. In der Tat, es hat sich nicht viel geändert bei Borussia. Nun war exakt diese Tatsache vor dem ersten Spieltag als Indiz dafür gewertet worden, dass es nun aufwärts zu gehen habe. Die Mannschaft ist zusammengeblieben, von dreizehn eingesetzten Spielern gegen Nürnberg trugen zwölf schon in der vergangenen Spielzeit das Trikot mit der Raute.

Warum nun soll diese Mannschaft, nur weil acht Wochen Sommerpause dazwischen liegen, plötzlich spürbar besser geworden sein? Die "punktuelle Verstärkung", die die Verantwortlichen bei Borussia umsetzen wollten, scheint ja sogar gelungen: Mo Idrissou gehörte zu den erfreulichen Erscheinungen am Samstag. Ansonsten ist vieles wie gehabt, und das sollte niemanden überraschen. Immer noch ist unsere Abwehr, Ausnahme Dante, Bundesligadurchschnitt, immer noch gelingt es den beiden defensiven Mittelfeldspielern selten, zeitgleich Top-Leistungen zu zeigen. Juan Arangos Spielweise sieht für uns Normalsterbliche immer noch über weite Strecken einer Partie lustlos und lethargisch aus, Karim Matmour versucht viel mit wenig Erfolg und Raul Bobadilla kanalisiert seine zweifelsohne in ausreichendem Maß vorhandene Energie suboptimal.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: die Mannschaft ist auf allen Positionen voll bundesligatauglich besetzt, auch die genannten Spieler können ohne Wenn und Aber so klassifiziert werden. Wenn aber alles "nur" normal läuft, dann erzielt diese durchschnittliche Mannschaft auch nur ein durchschnittliches, erzielt die kaum veränderte Mannschaft ein kaum verändertes Ergebnis. Um besseren Fußball mit besseren Ergebnissen zu erzielen, bedarf es neben einiger Anstrengung auch auch einigen Glücks.

Der Optimismus, von dem auch SEITENWAHL sich hat anstecken lassen, war womöglich einfach nicht ausreichend begründet.
Das "Zusammenbleiben des Teams" macht das Team nicht zwangsläufig und von alleine besser, die Konkurrenz hat in der Sommerpause ebenfalls nicht geschlafen. Zeitweise schienen Borussias Spieler am Samstag geradezu überrascht, dass der dem Abstieg nur knapp entronnene 1.FC Nürnberg beabsichtigte, sich am Spiel zu beteiligen.

Natürlich gibt es aber auch genug Gründe, den Optimismus nicht nach 90 Bundesligaminuten schon fahren zu lassen: Mit Igor de Camargo ist die nominell größte personelle Verstärkung noch nicht dabei, man darf weiterhin hoffen, dass Arango und Bobadilla ihre Begabung noch deutlicher herausarbeiten werden, womöglich einigen sich auch Thorben Marx und Michael Bradley noch darauf, dass der eine nicht automatisch aufhört, Fußball zu spielen, wenn der andere damit beginnt. Gerade letztere spielen eine wichtige Rolle beim Verschränken der Mannschaftsteile - woran es im Nürnbergspiel sichtlich fehlte.

Und natürlich war es nur ein Spiel, und dass sich die Resultate des Auftaktspieltages später oft als wenig repräsentativ erweisen, darauf haben die SEITENWAHL-Redakteure ja schon beim Tippen der Partie hingewiesen.

Trotzdem: es ist gut möglich, dass der von Max Eberl angekündigte "nächste Schritt" in dieser Saison nicht sichtbar nach vorne führt. Womöglich ist es gefühlt ein Tritt auf der Stelle. Das muss den Borussenfans klar sein und sie sollten sich nicht verrückt machen lassen, auch wenn die Boulevardpresse versuchen sollte, das als Scheitern darzustellen.

Ein solcher Tritt auf der Stelle wäre nicht schön, aber er wäre beileibe auch kein Beinbruch.

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