Werder BremenAls Max Eberl im Sommer Borussias neuen Trainer vorstellte, führte er Werder Bremen als Vorbild an: Er hoffe, Michael Frontzeck könne der Thomas Schaaf von Mönchengladbach werden. Eberl hatte dabei wohl zum einen die offensive und erfolgreiche Spielweise von Schaafs Team im Sinn, zum anderen die Gelassenheit, mit der man ihn in Bremen auch während zwischenzeitlicher Tiefs arbeiten lässt. Nun kann man schon aus Gründen der Logik schwer unter beiden Gesichtspunkten gleichzeitig als Vorbild taugen, sondern allenfalls hintereinander. Dass Werder auch in dieser Saison für beide Seiten der Medaille beispielhaft stand, verdeutlicht der Auf und Ab der Hanseaten.

 

Der Gast aus Bremen

Vorbild in Sachen erfolgreicher Offensivfußball war man bis zum Herbst. Die Durststrecke der letzten Saison, als Werder vor allem auswärts enttäuschte und am Ende nur auf Rang zehn landete, glaubte man spätestens mit dem 6:0-Auswärtssieg beim SC Freiburg überwunden zu haben. Werder lieferte in dieser Partie ein Feuerwerk der Spielfreude ab und hätte noch viel höher gewinnen können. Tabellenführer Leverkusen war nur noch einen mickrigen Punkt entfernt.

 

Danach ging es bergab. Gegen Wolfsburg erreichte Werder noch ein Unentschieden in letzter Sekunde – glücklich, weil dem Ausgleich eine Fehlentscheidung vorausging. Beim torlosen Remis in Köln haderte man mit dem Unparteiischen, der einen klaren Elfmeter versagte. Dann aber folgten vier Niederlagen in Serie, drei davon gegen unmittelbare Konkurrenten um die Champions League Plätze. Von diesen sind die Bremer inzwischen weiter entfernt als Hertha BSC von den Nichtabstiegsrängen, und selbst von der Qualifikation für die Europa League trennen die Schaaf-Truppe bereits sechs Zähler. Ausgiebig Gelegenheit also, um auch in der zweiten Kategorie vorbildlich zu agieren: Wie gehabt, verweigerte sich Werders Vereinsführung den angeblichen „Mechanismen des Geschäfts“ und stellte den Trainer nie auch nur ansatzweise in Frage.

 

An Indizien der Krise wird man fündig, wo immer man hinschaut. Zum Beispiel die vorher so stabile und jetzt so löchrige Defensive: In den letzten sechs Spielen kassierte Werder insgesamt genauso viele Gegentore wie in den dreizehn Partien zuvor. Wären die Bayern nicht so verschwenderisch mit ihren Chancen umgegangen, sähe die Bilanz noch finsterer aus. Dabei erwischte zwar speziell Mertesacker gegen die Münchner einen schwarzen Tag, insgesamt aber kann man ihm, Naldo und Fritz so viel gar nicht vorwerfen. Das Problem liegt im Defensivverhalten des gesamten Teams. Die Verletzung Philipp Bargfredes hat ihren Teil dazu beigetragen. Der junge defensive Mittelfeldspieler, in der Hinrunde die zentrale Bremer Entdeckung der Saison, fällt seit fünf Spielen wegen eines langwierigen Knöchenodems aus; der Zeitpunkt der Rückkehr ist weiter ungewiss.

 

Letzten Samstag lag die auffälligste Schwachstelle allerdings auf der linken Abwehrseite. Nach der Knie-Operation Sebastian Boenischs hatte Werder in Tunesien für Ersatz gesorgt. Von Etoile Sportive du Sahel kam der 20-jährige Aymen Abdennour, erst vor kurzem vom Kapitän der U21-Auswahl zum tunesischen A-Nationalspieler aufgestiegen. Verlief sein Bundesligadebüt in Frankfurt noch ordentlich, so war Abdennour gegen die Tempodribblings Arjen Robbens völlig hilflos.

 

Man kann Werders Krise auch an der Offensive festmachen. Nur dreimal konnten die Bremer in den letzten fünf Bundesligapartien einen Treffer bejubeln; zuvor hatte man einen Schnitt von 2,2 Toren pro Spiel erreicht. Aus dem einstmal als "neuem magischen Dreieck" gefeierten Trio Marin-Hunt-Özil zeigte sich vor allem der vielumworbene Mesut Özil zuletzt in wenig zauberhafter Verfassung. Dazu gesellte sich die Verletzungssaga Claudio Pizarros. Der Peruaner, zuvor mit beeindruckender Trefferquote, schlägt sich seit dem Herbst mit diversen Fuß- und Knieverletzungen herum, die zuletzt nur Kurzeinsätze ermöglichten. Gegen die Bayern legte ihn überdies eine Grippe lahm. Inzwischen ist Pizarro ins Mannschaftstraining zurückgekehrt und hofft, am Samstag wieder spielen zu können. Gladbacher würden ihm empfehlen, sich lieber noch ein paar Tage zu schonen. So eine Grippe sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

 

Befolgt Pizarro diesen fürsorglichen Rat, so dürfte statt seiner Hugo Almeida stürmen, gegen Bayern immerhin mal wieder als Torschütze erfolgreich. Zweiter Angreifer wird Marko Marin sein, den Schaaf auch mit Blick auf seine in Gladbach sattsam bekannten defensiven Schwächen vom Mittelfeld in den Sturm versetzte. Dass Marin an guten Tagen eine Abwehr fast alleine auseinandernehmen kann, dürfte noch in Erinnerung sein. Auch in dieser Saison kommt der junge Dribbler, der zuletzt mit seinem wachsenden Image als Schwalbenkönig haderte, schon wieder auf sieben Scorerpunkte. Kuriosum am Rande: Zum gleichen Zeitpunkt der letzten Saison hatte Marin exakt so viele Einsätze (19), Tore (2) und Assists (5) wie jetzt zu verzeichnen. Gladbachs Gegner am 20. Spieltag hieß damals übrigens Werder Bremen.

 

Damals hatte Werder zuvor zweimal in Folge verloren. Gegen die Borussia aber war Thomas Schaafs Mannschaft drückend überlegen, und nur dank eines überragenden Logan Bailly endete die Partie mit einem Remis. Auch diesmal sollte sich niemand von Werders momentaner Krise täuschen lassen. Thomas Schaafs Mannschaft gehört qualitativ weiterhin zum Besten, was der deutsche Profifußball zu bieten ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in Bremens Offensive der Knoten wieder platzt.

 

Borussia

Anders als die Gäste liegt die Borussia tabellarisch weiter im Soll. Der Rückrundenstart aber war nicht nur mit Blick auf die Punkteausbeute enttäuschend, sondern gerade auch spielerisch. Defensiv agierte Michael Frontzecks in Berlin zwar diszipliniert. Die zahlreichen Fehlpässe im Aufbauspiel und die Ideenlosigkeit im Angriff am letzten Samstag aber waren ein Rückfall in schlechtere Zeiten, und es war verwunderlich, wie viel Positives Spieler und Verantwortliche im Offensivspiel zumindest der ersten Halbzeit noch gesehen haben wollten.

 

Man kann darüber streiten, welche taktische Ausrichtung einen Erfolg gegen Werder wahrscheinlicher machen würde. Die Bayern haben am letzten Wochenende vorgemacht, wie man Werders Abwehr durch druckvolle, variable Kombinationen von einer Not in die andere stürzen kann, hatten aber einen Robben, einen Schweinsteiger, einen Olic im Team. Dass Bremen auch mit konsequenter Mauer-und-Kontertaktik zu schlagen ist, war in der Woche zuvor in Frankfurt zu besichtigen. Aber man wird sich auf Gladbacher Seite noch gut an das Hinspiel erinnern, als man mit einer ähnlich defensiven Einstellung übel baden ging.

 

Damals fehlte der Abwehrchef. Die Bremer, dem Vernehmen nach letztes Jahr auch an der Verpflichtung Dantes interessiert, dürften sich inzwischen ärgern, dieses Vorhaben nicht entschiedener vorangetrieben zu haben. In der Form dieser Saison wäre der Brasilianer für jedes Bundesligaspitzenteam ein Gewinn. Für die Borussia ist sein Wert kaum zu überschätzen. Dante allein wird freilich gegen die Bremer Offensive nicht ausreichen. Sehr hilfreich wäre es, die Anfälligkeit bei Standards zu reduzieren – oder erst gar keine zuzulassen. Schließlich kam in dieser Saison nur Bayer Leverkusen nach ruhenden Bällen öfter zum Torerfolg als Werder Bremen. Ansonsten darf man sich gratulieren, dass Logan Bailly offenbar rechtzeitig wieder zur alten Klasse zurückfindet, um Werder vielleicht ein ähnlich traumatisches Erlebnis zu bereiten wie vor knapp einem Jahr.

 

Im Sturm dürfte es zunächst bei der Besetzung der letzten Woche bleiben. Raul Bobadilla konnte zwar bislang nicht an seine Treffsicherheit aus dem Wintercup anknüpfen, agierte gegen Berlin aber schnörkelloser und durchsetzungsfähiger als im Spiel zuvor. Der Argentinier litt neben mangelnden Zuspielen auch daran, dass er von der Berliner Abwehr konsequent gedoppelt wurde. Stellt Schaaf seine Defensive ähnlich ein, so wird einiges davon abhängen, ob andere Borussen die so entstehenden Lücken konsequenter als zuletzt zu nutzen wissen. Für ein argentinisch-israelisches Sturmduo spricht unter anderem Roberto Colauttis disziplinierte Arbeit nach hinten, zumal gegen einen Gegner mit so viel Offensivpotenzial. Je nach Spielverlauf könnte der von manchen schon für die Startelf geforderte Fabian Bäcker kommen, oder der in den Kader zurückkehrende Rob Friend. Obwohl einem beim Thema „idealer Konterspieler“ nicht zuerst der Kanadier einfallen würde, könnte Friends Fähigkeit, den Ball zu halten, dazu beitragen, dass Borussias Defensive öfter Luft schnappen darf als in der zweiten Halbzeit des Hertha-Spiels.

 

Die Aufstellungen

Borussia:
Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Daems – Marx, Bradley – Reus, Arango – Bobadilla, Friend.
Werder Bremen: Wiese – Fritz, Mertesacker, Naldo, Abdennour – Frings – Borowski, Özil, Hunt – Pizarro, Marin.

SEITENWAHL-Prognose

Christoph Clausen: Nach sechs Jahren ist es wieder soweit. Werder Bremen siegt in Gladbach, weil Claudio Pizarro, statt brav im Bett zu bleiben, eine Standardsituation ins Tor drückt und der Borussia im Angriff nicht allzu viel einfällt. In Zahlen: 0:1.

Michael Heinen: Ein wenig bekommt man den Eindruck, Claudio Pizarro schont sich das ganze Jahr über, um ausschließlich für die Partien gegen Borussia fit zu sein. Dieses Mal wird es für dieses Unterfangen etwas eng. Leider wird es aber wieder zu einem Torerfolg reichen, der am Ende zum 2:1-Auswärtssieg der Bremer im Borussia-Park beiträgt.

Mike Lukanz: Oettinger says: "Ei sink sätt Borussia will win ägänst Brämen wiß srie tu wan."

Christian Heimanns: Wenn Bremen schwächelt und man spürt, da ist was drin - taucht Claudio Pizarro aus irgendeiner nicht hinreichend tiefen Versenkung auf. So langt es für Borussia noch zu einem 2:2 .

Christian Spoo:
Werder Bremen hat keine Übermannschaft, an einem normalen Tag sollte sie aber gut genug sein, der Borussia zwei einzuschenken. Der eigenen Angriffsschwäche ist es geschuldet, dass die Gladbacher das Spiel mit 1:2 verlieren.

Thomas Häcki: Es ist schon faszinierend und sicherlich wird es irgendwann einen Soziologen geben, der darüber eine Doktorarbeit schreibt. Warum kann die Borussia gegen Gegner wie Bochum kaum gewinnen und sieht gegen Mannschaften wie Bremen regelmäßig gut aus? 2:2 nach einem wirklich guten Spiel.

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