Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt – die Achterbahnfahrt der Gefühle, der Borussia und ihre Fans in den vergangenen Wochen ausgesetzt waren, ist hier und andernorts mehr als ausführlich beschrieben worden. Am Samstag nun tritt Borussia bei einem Gegner an, in dessen Stadion zuletzt am 3. Dezember 1994 ein Sieg gelang. Schon beim Spiel in Leverkusen war viel vom Brechen langer Serien die Rede – genau das gelang dann auch. Aber ist eine weitere Überraschung dieser Art beim Auswärtsspiel in Stuttgart wahrscheinlich?


VfB Stuttgart


Der VfB hat in der Bundesliga einen vollendeten Fehlstart hingelegt. Null Punkte aus drei Spielen, dazu auch wenig mutmachende Leistungen. Es ist der schlechteste Start der Stuttgarter in ihrer Bundesligageschichte – und das nach einer geradezu unheimlich guten Rückrunde in der vergangenen Saison, als der VfB innerhalb weniger Monate vom Abstiegskandidaten zum Teilnehmer am internationalen Geschäft mutierte.

Fans und Medien in der Schwabenmetropole analysierten sich nach der Schlappe im Baden-Württemberg-Derby in Freiburg schon wund. Die Rolle des Ersatzkapitäns Cacau wurde kritisch unter die Lupe genommen, die in den Augen vieler Beobachter nicht nachvollziehbare Formation der Abwehr, die Verpflichtung des 2006er-Weltmeisters Mauro Camoranesi, das Fehlen eines echten Ersatzes für den nach Madrid verkauften Nationalspieler Sami Khedira – in Stuttgart schien bis Donnerstag wenig richtig zu sein So attestierte die lokale Presse dem VfB-Team, einen „instabilen und bisweilen sogar leblosen Eindruck“ zu  machen. Auch Neu-Manager Fredi Bobic konstatierte nach dem Freiburg-Spiel „mangelnde Leidenschaft“ bei manchem Akteur.

Für Borussia zur Unzeit nun hat der VfB einen ersten Schritt aus der Krise getan. Im ersten Gruppenspiel der Europa-League schlugen die Stuttgarter Young Boys Bern souverän mit 3:0. Der Sieg über die Schweizer hätte sogar noch deutlich höher ausfallen können, Stuttgart hatte gegen Ende des Spiels Großchancen en masse.

Insofern dürfte die Mannschaft, mit der der VfB am Samstag Borussia empfängt, nahezu gleich besetzt sein, wie am Donnerstagabend. Zwei Änderungen scheinen möglich: Matthieu Delpierre könnte in der Innenverteidigung Serdar Tasci oder Geord Niedermeier ersetzen, im Mittelfeld könnte Timo Gebhardt könnte in die Startelf rutschen, er war in der Europa-League gesperrt. Allerdings saß Gebhardt schon bei der Niederlage in Freiburg lange Zeit auf der Bank. Trotz seiner Vielseitigkeit setzt Trainer Christian Gross auf der rechten Seite auf Neuzugang Camoranesi, auf links hat der junge Daniel Didavi derzeit die Nase vorn. Während sich der Italiener auch in der Europa-League noch schwertat war der 20-Jährige gebürtige Schwabe einer der auffälligsten Spieler seines Teams.

Die Verletzungsmisere beim VfB ist weitgehend Geschichte. Neben Delpierre sind auch Khalid Boulahrouz und Stefano Celozzi wieder einsatzfähig. Allein zwei Neuzugänge fehlen weiter: Offensivmann Johan Audel setzt eine Fußverletzung außer Gefecht. Außerdem fehlt ein Mann, dessen Gesicht vielen Borussen noch in äußerst unguter Erinnerung ist. Philipp Degen hat nicht nur die gleichen Züge wie sein Zwillingsbruder, der in Gladbach kläglich gescheiterte David, sondern zudem noch Pfeiffersches Drüsenfieber.

Borussia

Genau wie er nach dem Sieg in Leverkusen die Emotionen einzufangen versuchte, hält Michael Frontzeck auch nach der Heimpleite gegen Frankfurt den Ball in gewohnter Manier flach. „Aufgearbeitet“ habe man das Spiel, jetzt herrsche wieder ein gutes Gefühl, gibt der Trainer nüchtern zu Protokoll. Gleichzeitig macht er aber auch klar, dass Borussia trotz des bisher schwachen Auftretens des VfB in der Bundesliga als Außenseiter nach Stuttgart fährt. Eine harte Nuss sei das Spiel, man müsse hellwach sein und dagegen halten, so äußerte sich Frontzeck in der Pressekonferenz am Donnerstag.
Wenn seine Spieler tun, was der Trainer verlangt, ist ein großer Schritt getan. Denn Aufmerksamkeit und Aggressivität waren genau die Attribute, die dem Team gegen Frankfurt fehlten bzw. die der Gast am vergangenen Wochenende in deutlich höherem Maße aufzubieten in der Lage war.
Wenn Borussia eine ähnlich engagierte, motivierte und emsige Leistung bringt, wie die Eintracht im Borussia-Park, dann ist ein Punktgewinn in Stuttgart möglich. Aber wohl nur dann, denn auf dem Papier hat der VfB die bessere Mannschaft.

Bei Borussia wird sich personell nur wenig ändern. Der aus der Not geborene Startelf-Einsatz von Roman Neustädter machte fürs Erste wenig Lust auf weitere. Thorben Marx wird also nach überstandener Verletzung wieder seinen Platz im defensiven Mittelfeld einnehmen. Zu glauben, allein durch diese Personalie könnten sich die Probleme Borussias lösen, ist aber nicht angebracht. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass der Mann mit der Nummer 14 beim Auftaktspiel gegen den 1.FC Nürnberg zu den schwächsten Borussen gehörte. Eine gewisse Stabilisierung der Defensive darf man sich vom Einsatz Marx’ allerdings dann doch erwarten.

Ansonsten bleibt das Team, wie es ist. Michael Frontzeck ist kein Mann, der einen Spieler nach einer schwachen Partie opfert, schon gar nicht, um dem Publikum ein Bauernopfer zu präsentieren. Und so werden Torwart und Abwehrspieler, deren Leistung am vergangenen Wochenende allen Anlass zur Kritik bot, die Gelegenheit bekommen, es besser zu machen. Mit Bamba Anderson ist der wohl einzige wirkliche Nachrück-Kandidat zudem angeschlagen. Ob er überhaupt in Stuttgart zum Kader gehört, entscheidet sich später.

Auch Raul Bobadilla ist nicht fit. Für die erste Elf wäre der Argentinier zwar ohnehin keine Option gewesen, als Joker kam er allerdings in allen bisherigen Bundesligaspielen dieser Saison zum Einsatz – ohne nennenswert auf sich aufmerksam zu machen.

Mo Idrissou hat seinen Stammplatz bis auf weiteres sicher. Der Kameruner war gegen Frankfurt noch einer der Besseren. Außerdem hat er bis dato in jedem Spiel getroffen, auch wenn sein Treffer gegen Frankfurt ja vom indisponierten Schiedsrichter Drees nach viel Gehampel annulliert wurde.

Zu Idrissou sei noch angefügt, dass dessen offenbar grenzenlose Auskunftsfreudigkeit gegenüber der Presse in dieser Woche erstmals für offensichtliche Irritationen sorgte. Seine Aussage, Borussia habe gegen Frankfurt ängstlich agiert, ärgerte Michael Frontzeck derart, dass er seinen Stürmer ins Gebet nahm und das auch öffentlich kundtat. Wenn der besonnene und in Sachen Öffentlichkeit mehr als vorsichtige Trainer so etwas tut, ist das schon ein klares Zeichen. Ohnehin sollte Borussia daran gelegen sein, der Kommunikationsfreude des regelmäßigen Boulevard-Geschichtchen-Lieferers Idrissou Grenzen zu setzen. In schwereren Zeiten könnte eine allzu enge Verbindung eines Spielers zu jenen Berichterstattern dem Verein sonst noch einigen Ärger bereiten.

Der Rest der Offensivabteilung stellt sich quasi von alleine auf. Igor de Camargo ist noch weit von seiner Einsatzfähigkeit entfernt, Karim Matmour plagen weiterhin Beschwerden an der Achillessehne.

Aufstellungen

Borussia
: Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Daems – Marx, Bradley – Herrmann, Arango – Reus – Idrissou

Stuttgart: Ulreich - Träsch, Tasci, Delpierre, Boka - Kuzmanovic, Gentner - Camoranesi, Didavi - Cacau, Pogrebnyak

Seitenwahl-Prognose

Christoph Clausen
: Die dialektische Begründung des Tipps von Michael Heinen hat ihren Charme. Ich dagegen fürchte wirklich, ganz ohne Zweckpessimismus, dass die Borussia aus Stuttgart ohne Punkte und sogar ohne Tore heimkehren wird. Die Schwaben dagegen treffen zweimal.

Thomas Häcki: Schaffe, schaffe, Häusle bauen. Wer in der letzten Zeit die Nachrichten gesehen hat, glaubt kaum, zu welchen Emotionsausbrüchen der biedere Schwabe fähig ist. Damit haben weder die Politiker noch die Lobbyisten der Bahn gerechnet. Auch der Schwaben-Express des VfB eierte bei der Anfahrt. Wartet die Borussia geschickt ab, könnte sie auf den Zug aufspringen. 2:2

Christian Heimanns: Borussia gewinnt mit 2:1

Michael Heinen
: Da ich bislang bei den Tipps aller drei Bundesliga-Partien falsch gelegen habe, setze ich optimistisch darauf, dass Borussia in Stuttgart 1:2 verliert.

Christian Spoo
: Meine „Ausrutscher“-Interpretation des Leverkusen-Spiels wurde am vergangenen Wochenende eindrucksvoller belegt, als ich mir das selbst gewünscht hätte oder auch nur hätte vorstellen können. Wir erleben ein borussentypisches Auswärtsspiel (was eine Leistungssteigerung gegenüber dem Frankfurt-Spiel bedeutet) mit einem borussentypischen Ergebnis. 1:3 aus Gladbacher Sicht.

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